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Sommerserie

02.09.2014

Warum die Amerikaner „Augsburger“ tranken

Einen Sixpack mit „Augsburger Golden“ entdeckten Barbara und Rolf Werning aus Neusäß in einem Supermarkt in Arizona, USA.
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Einen Sixpack mit „Augsburger Golden“ entdeckten Barbara und Rolf Werning aus Neusäß in einem Supermarkt in Arizona, USA.

Über Jahrzehnte hinweg wurde in den Vereinigten Staaten ein Bier mit dem Namen der Stadt gebraut. Heute gibt es dieses Getränk nicht mehr – aber irgendwie dann doch

Leser Karl Weigt aus Langerringen hat uns Fotos einer Flasche „Augsburger“ geschickt. Er bekam sie von seinem Weihenstephaner Braumeister-Kollegen und Freund Gerald Hofmann, der nach dem Studium in die USA ausgewandert ist. „Dieses Augsburger Bier wurde als Old World Bavarian Style Beer in der Jos. Huber Brewing Co. in Monroe, Wisconsin, hergestellt“, schreibt Weigt.

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Der Augsburger Manfred Schmidt war 1988 in den Vereinigten Staaten unterwegs. Auch er stieß damals auf das „Augsburger Beer“ und besuchte sogar die damalige Brauerei. Barbara und Rolf Werning fanden das Bier in einem riesigen Supermarkt in Arizona. „Mein Mann und ich haben nicht schlecht gestaunt – und natürlich ein Foto gemacht.“

Auch Karl Kramer hat Erinnerungen an eben dieses Bier. Sie liegen 70 Jahre zurück. Kramer war damals Kriegsgefangener in den USA. „Wir konnten in unserer Lagerkantine fast alles kaufen, unter anderem auch Bier“, schreibt er in einem Brief an die AZ. „Für mich war es eine Überraschung, dass das Bier von einer Augsburger Brauerei aus Wisconsin stammte.“ Als Kramer aus der Gefangenschaft zurückkehrte, nahm er die Etiketten mit. Er hat sie bis heute aufbewahrt. Ob die Brauerei Jos. Huber tatsächlich eine Augsburger Brauerei war? Wohl eher nicht. Der Augsburger Bier-Sommelier Sebastian Priller von der Brauerei Riegele vermutet, dass irgendwann einfach jemand den Namen als Biermarke anmeldete.

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Etwas Licht ins Dunkel bringt ein Anruf bei der Stevens Point Brauerei im US-amerikanischen Staat Wisconsin. Dort erzählt man auf AZ-Nachfrage, dass sich das Augsburger bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen lässt. In der Bostoner Brauerei von Gottlieb Burkhardt wurden damals „Augsburger Lager“ und „Augsburger Dark“ gebraut. Später ging das Markenrecht an die „Monarch Brewing Co.“ über, die das Bier von 1959 bis 1967 herstellte und auch als „House of Augsburg“ bekannt war.

Doch dieses Augsburger scheint ein „Wanderbier“ gewesen zu sein: Viele Brauereien kauften und verkauften die Lizenz. Joseph Huber, ein deutscher Auswanderer aus dem kleinen bayerischen Ort Pirking, übernahm sie 1971, es folgte eine Brauerei aus Detroit, in der Zeit von 2003 bis 2005 entstand das Getränk in den Kesseln der Stevens Point Brauerei.

Auf einem amerikanischen „Beer Festival“ gewann das „Augsburger Golden“ die Goldmedaille, ein Jahr später reichte es noch für Bronze, 2005 schließlich, so sagt man uns in Wisconsin, wurde die Marke eingestellt und ist heute nur noch in Internet-Auktionshäusern zu ersteigern.

Trotzdem kann man in den Vereinigten Staaten bis heute echtes Augsburger Bier trinken – zumindest in der Augsburger Partnerstadt Dayton und in New York: Vergangenes Jahr hat sich die Brauerei Riegele mit einem Importeur aus den USA zusammengetan, der seitdem ein Pils aus dem Hause Riegele in den USA vertreibt. „Er will es dort als Marke etablieren“, sagt Priller. Gut möglich also, das USA-Touristen im Supermarkt-Regal irgendwann wieder ein „Augsburger“ begegnet...

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