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Augsburg

10.05.2019

Warum die Fuggerei die Eintrittspreise deutlich erhöht

Dass für die Sozialsiedlung überhaupt Geld verlangt wird, liegt an den hohen Kosten für den Unterhalt – und an einer anderen Entwicklung.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Für eine Jahreskarte der Fuggerei zahlt ein Augsburger Bürger jetzt das Doppelte, darf dafür aber jemanden mitnehmen. Was als Gegenleistung kommt.

Die Augsburger Fuggerei ist nicht nur die älteste Sozialsiedlung der Welt. Für Touristen aus Nah und Fern ist die Einrichtung in der Jakobervorstadt eine beliebte Anlaufstation und auch für viele Augsburger ist der Besuch ein Muss – vor allem, wenn sie Gäste empfangen. Die ockerfarbene, fast 500 Jahre alte Siedlung zählt zu den beliebtesten und bekanntesten Touristenattraktionen der Stadt. Die Zahl der Besucher steigt stetig, zuletzt waren es mehr als 200.000 pro Jahr.

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Sie alle müssen ab sofort mehr bezahlen, wenn sie die Fuggerei besichtigen wollen. Denn die Stiftungsadministration hat die Eintrittspreise erhöht. Seit 1. Mai gelten die neuen Tarife, die sowohl Einheimische als auch Touristen treffen. Erwachsene zahlen jetzt 6,50 statt vier Euro, was einer Steigerung von 61 Prozent entspricht. Als spezielles Angebot für Augsburger Bürger gibt es die Jahreskarte, die bislang fünf Euro kostete. Hier wurde eine 100-prozentige Erhöhung beschlossen, das Ticket kostet jetzt zehn Euro. Dafür dürfen Inhaber der Jahreskarte eine Person kostenlos mitnehmen. Im Eintrittspreis inbegriffen sind der Besuch der Schauwohnung, des Museums, des Museumsladens, des Bunkers und der Sozialsiedlung selbst.

In der Augsburger Fuggerei wird es bald auch Neuerungen geben

Die Anpassung der Preise nach zehn Jahren sei nötig gewesen, sagt Astrid Gabler, Sprecherin der Fugger’schen Stiftungen. Mit den neuen Preisen liege man in Augsburg aber im Durchschnitt. „Wir wollen unbedingt, dass die Fuggerei auch in Zukunft ein Ort für die Augsburger Bürgerinnen und Bürger bleibt“, betont Gabler. Deshalb wird es ab Herbst einige Neuerungen geben: Das Lädle wird zum Museum umgebaut, in dem Besucher mehr über das Leben der Bewohner erfahren. Man wolle einen Eindruck davon vermitteln, was es heißt, in einer Sehenswürdigkeit zu leben, so Gabler. Die Schauwohnung zieht künftig neben dieses Museum. In diesen Räumen soll dann erzählt werden, was Bedürftigkeit nach dem Krieg bedeutete und welche Rolle sie heute spielt. Die historische Schauwohnung in der Mittleren Gasse bleibt erhalten, wird aber erweitert.

Warum die Fuggerei die Eintrittspreise deutlich erhöht

„Eigentlich wollte wir diese Veränderungen parallel zur Preiserhöhung verwirklichen“, sagt Gabler. Die Umbauten hätten sich jedoch verzögert, zudem tauchten im Fugger’schen Archiv vergangenen Winter Dokumente auf, die noch für die Ausstellung aufgearbeitet werden.

Der Tourismus ist als Einnahmequelle für die Fuggerei existenziell, er bringt der Einrichtung jährlich rund 500.000 Euro. Damit werden rund 20 bis 25 Prozent der Kosten gedeckt, die für den Erhalt der Siedlung nötig sind. Rund 70 Prozent der Besucher sind Einzeltouristen, den Rest machen Gruppen aus. Zusätzlich kommen jedes Jahr rund 850 Schulklassen. „Mit jedem Ticket tun die Besucher etwas für den Erhalt der Einrichtung“, so Gabler.

Die Erträge aus der Forstwirtschaft brechen ein

Bevor die Fuggerei im Jahr 2006 erstmals Eintritt verlangte, finanzierte sie sich vornehmlich aus einer anderen Einnahmequelle: der Forstwirtschaft. Doch hier brechen die Erträge immer stärker ein. Schuld sind heiße Sommer und trockene Winter. Dennoch sei die Forstwirtschaft ein „echter Segen“, wie Gabler betont: „Wir können froh sein, dass die Fugger damals auf diesen Wirtschaftszweig gesetzt haben.“ Durch Inflation und Währungsreform wäre mit vielen anderen Geldanlagen ein Wiederaufbau der Fuggerei nach dem Zweiten Weltkrieg undenkbar gewesen.

In den Freistaat kamen 2016 so viele Touristen wie noch nie. Auch nach Augsburg kommen Gäste gern.
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Bild: Ulrich Wagner

In Zeiten von Wohnungsnot und steigenden Mieten ist der Stiftungsgedanke aktueller denn je. „Die Bewerberzahlen auf eine Wohnung in der Fuggerei haben sich zuletzt verdoppelt“, sagt Gabler. Den laufenden Unterhalt für die Sozialsiedlung beziffert Stiftungsadministrator Wolf-Dietrich Graf von Hundt auf 500.000 bis 800.000 Euro jährlich ein – ohne größere Renovierungen. Auch die seien aber dringend fällig. Teilweise, so Gabler, seien die Wohnungen auf einem Stand von vor 20 Jahren. Beim Auszug eines Bewohners müsse schnell saniert werden, damit die Wohnung zeitnah wieder vergeben werden könne.

Durch die Mieteinnahmen lassen sich die hohen Unterhaltskosten nicht erwirtschaften, denn die 150 Bewohner zahlen jeweils nur 88 Cent Kaltmiete pro Jahr. Es ist noch immer der Preis, den Fuggerei-Gründer Jakob Fugger im Jahr 1521 festlegte.

Jahrzehntelang war der Besuch der Fuggerei kostenlos

Jahrzehntelang war der Besuch der Fuggerei in Augsburg kostenlos. Im Frühjahr 2006 wurden Besucher erstmals zur Kasse gebeten, zwei Euro kostete das Ticket damals, an der Eingangspforte der Fuggerei wurde ein Kassenhäuschen eingebaut, die hinteren Tore verschlossen. Als die Pläne bekannt wurden, liefen die Politiker im Rathaus Sturm: Man möge die Idee überdenken, hieß es von Seiten des im Rathaus regierenden Regenbogen-Bündnisses unter OB Paul Wengert (SPD). Anwohner der Jakobervorstadt hatten sich ebenfalls beklagt, weil ihnen die kostenlosen Wege durch die Fuggerei gekappt wurden.

Die Fugger’sche Stiftung machte aber schon 2006 klar, warum an Eintrittsgeldern kein Weg vorbeiführe. Die Fugger sähen darin die einzige Möglichkeit, um das Überleben der Sozialsiedlung mit ihren rund 140 Wohnungen dauerhaft zu sichern. Bereits 2006 wurde als Argument aufgeführt: Der Wald- und Immobilienbesitz, von dessen Erträgen die weltberühmte Einrichtung fast ein halbes Jahrtausend lang gezehrt habe, werfe nicht mehr genügend ab. Im Jahr 2008 folgte die Erhöhung des Einzeltickets von zwei auf vier Euro. Es gab und gibt Ermäßigungen. Gruppen, die die Fuggerei besuchen, erhalten günstigere Konditionen.

Lesen Sie dazu auch diese Artikel: Das sind die Schicksale der Fuggerei-Bewohner und Ein bekannter Zauberer lebt jetzt in der Fuggerei

Lesen Sie hier den Kommentar von Nicole Prestle: Warum diese Preise noch vertretbar sind

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