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Augsburg

07.07.2014

Warum diese Straßennamen eigentlich falsch sind

Straßennamen
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Zwei Straßen, zwei Fehler: Die Bärenhorststraße ist nach einem preußischen Militärschriftsteller benannt – er heißt aber Georg Heinrich von Berenhorst.
Bild: Anne Wall

Warum die Philippine-Welser-Straße eigentlich gar nicht so heißen dürfte. Die „Alte Gasse“ und die „Bärenhorststraße“ haben ebenfalls einen Makel.

„Kennedy-Platz“ heißt es auf den Straßenschildern vor dem Theater und genauso in den Drucksachen des Theaters. Viele haben sich schon über die getrennte Schreibweise dieses Straßennamens gewundert. Was sagt dazu Wilfried Matzke, der Leiter des zuständigen Geodatenamtes?

Der Diplom-Ingenieur muss nicht bei seinen Mitarbeitern nachfragen, denn Straßenbenennung gilt als Chefsache in der städtischen Vermessungsbehörde. „Der Kennedy-Platz ist rechtschreiblich falsch, aber amtlich richtig“, erklärt Matzke und erzählt die Geschichte.

Der damalige Stadtbaurat wünschte die getrennte Schreibweise. Deshalb beschloss der Stadtrat im Jahr 1963 nach dem Mord an John F. Kennedy, dass der „Theaterplatz“ zum „Kennedy-Platz“ wird. Eine Korrektur stand später nicht mehr zur Debatte.

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Es gibt rund drei Dutzend solcher Augsburger Straßenbenennungen, die inhaltlich oder rechtschreiblich falsch sind, schätzt Wilfried Matzke. Manchmal geschah ein heimatkundliches Missgeschick, wie in Siebenbrunn. Eine der bislang namenlosen Straßen dieses kleinen Stadtteils wurde im Jahr 1965 zum „Hugenottenweg“, weil dort angeblich Hugenotten die ersten Siedler waren. Zu dieser falschen Annahme führten insbesondere die Mansarddächer der im Jahr 1804 errichteten fünf Siebenbrunner Gutshöfe. Ihre Bauherren stammten allerdings aus Augsburg und bevorzugten gemeinsam den französischen Baustil.

Der Christlessee oberhalb von Oberstdorf mit zwei „s“ geschrieben

Acht Straßen in Hochzoll-Nord benannte man in den 1950er Jahren nach Seen im Allgäu, darunter den „Christleseeweg“. Allerdings wird der Christlessee oberhalb von Oberstdorf mit zwei „s“ geschrieben. Zur Lechhauser Eingemeindung vor 101 Jahren wurde die „Hafnerstraße“ nach dem preußischen Militärschriftsteller Georg Heinrich von Berenhorst umbenannt, aber falsch in „Bärenhorststraße“.

Bei einer späteren Benennung im Jahr 1936 in der Kleesiedlung von Lechhausen ist ein falscher Ort verewigt worden. Der „Göhlsdorfer Weg“ soll nicht an die Gemeinde Göhlsdorf bei Potsdam, sondern an Gölsdorf erinnern. Dieses Dorf südlich von Berlin war bei der Schlacht von Dennewitz im Jahr 1813 umkämpft. Ebenfalls in den 1930er Jahren benannte man in Haunstetten die „Alte Straße“, weil hier die Via Claudia Augusta vermutet wurde. Mittlerweile ist bekannt, dass die Römerstraße einige Hundert Meter weiter östlich verlief.

Mehrere unrichtige Bezeichnungen findet man unter den amtlich gewordenen, historischen Straßennamen der Altstadt, die bis zu sieben Jahrhunderte alt sind. So bekam einst die „Alte Gasse“ ihre Bezeichnung, weil sie angeblich von den Römern angelegt worden war. Jedoch belegen mehrere Grabungen in diesem Bereich, dass die Straße keinen römischen Ursprung hat. Sogar die „Philippine-Welser-Straße“ besitzt einen Makel.

Der „Alte Heumarkt“ wurde im Jahr 1837 nach Philippine Welser umbenannt, weil hier im Haus Nr. 13 ihre Eltern gewohnt haben sollen. Heute weiß man, dass die legendäre Augsburger Frauengestalt anno 1527 im Vorgängerbau des Schaezlerpalais in der „Maximilianstraße“ geboren worden ist.

Es gibt allerdings auch mehrere Bezeichnungen unter den 1915 amtlichen Straßennamen, die nur scheinbar falsch sind. Ein Beispiel ist die „Nördlingerstraße“ in Oberhausen. Sie wurde nicht nach der Stadt Nördlingen benannt, sondern nach einer Kaufmannsfamilie namens Nördlinger. Deshalb schreibt man diesen Straßennamen zusammen.

Die Gässchen dürfen weiter Gäßchen heißen

Ebenfalls korrekt sind die 66 „Gäßchen“-Bezeichnungen der Altstadt. Die Straßennamen dürfen als Eigenname die alte ß-Schreibung trotz der Rechtschreibreform beibehalten, was gelegentlich auch Redakteure und sogar Korrektoren übersehen. Immer wieder kommen auch Anfragen zur „Frölichstraße“. „Hier fehlt kein H“, weiß Wilfried Matzke. Namensgeber ist eine wohltätige Unternehmer- und Bankiersfamilie des 18. und 19. Jahrhunderts, wobei „Froelich“ die geläufige Schreibweise des Familiennamens war. Aber solche Nuancen gelten bei historischen Straßennamen nicht als Fehler.

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