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Augsburg

13.09.2019

Warum diese zwei Augsburger Schokolade aus Amsterdam holen

Andreas und Carola Mahler machen sich in drei Wochen auf den Weg nach Amsterdam. Von dort aus wollen sie 50 Kilo Schokolade mit dem Lastenrad nach Augsburg bringen. Sie hoffen auf eine schöne Radtour, wollen mit der Aktion aber auch einen Denkanstoß geben.
Bild: Leonie Küthmann

Andreas und Carola Mahler werden im Oktober mit etwa 550 Tafeln Schokolade im Lastenrad von Holland nach Augsburg fahren. Was hinter der Aktion des Ehepaares steckt.

Andreas und Carola Mahler werden am 3. Oktober zu einer besonderen Radtour aufbrechen: Sie werden mit ihren beiden Lastenrädern von Augsburg mit dem Zug nach Amsterdam fahren, dort um die 50 Kilo Schokolade aufladen und mit den etwa 550 Tafeln im Gepäck eine Woche lang zurück nach Augsburg radeln. „Wir wollen zum einen einfach eine tolle Radtour machen und freuen uns auf Amsterdam“, sagen die Mahlers aus der Hammerschmiede, die seit fünf Jahren statt eines Familienautos auf Lastenräder setzen. Zum anderen gehe es darum, zu zeigen, mit welchem Aufwand Alltagsgegenstände, die man im Supermarkt wie selbstverständlich kauft, vorher durch die halbe Welt gefahren wurden.

Seit 2017 gibt es die sogenannten Schokofahrten. Nachdem Münster den Anfang machte, fahren inzwischen Radler aus mehr als 50 Städten und Regionen zweimal im Jahr nach Amsterdam, um dort Schokolade zu übernehmen und in Deutschland auszuliefern. Ziel ist es, ein Statement für nachhaltige Mobilität abzugeben. Der Kakao für die Schokolade (biologisch und fair) wurde mit dem Segelschiff von der Karibik nach Europa gebracht, so die Initiatoren. In Amsterdam wird er dann zu Schokolade verarbeitet.

„Wenn man bedenkt, dass es die Kakaobohnen emissionsfrei schon um die halbe Welt geschafft haben, wäre es doch irgendwie ein Witz, wenn die letzten 800 Kilometer mit dem Lkw über die Bühne gingen“, sagt Andreas Mahler zu seiner Motivation. Zu kaufen wird es die Schokolade dann in den Fahrradläden Dynamo und Radstation geben. Doch bis es so weit ist, steht noch etwas Arbeit an.

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Augsburger fahren mit dem Lastenrad täglich 120 Kilometer

Die eigentliche Fahrt mit dem Rad macht den Mahlers am wenigsten Sorgen. Sieben Etappen von durchschnittlich 120 Kilometern sind vorgesehen. Weil die Lastenradakkus solche Distanzen mit dieser Zuladung nicht mitmachen, sind Wechselakkus im Gepäck. Nachts im Hotel wird dann aufgeladen. Die Übernachtungsmöglichkeiten will das Ehepaar kurzfristig suchen. „Am spannendsten wird die Hinreise“, sagt Mahler. Die Bahn transportiert seit August keine Lastenräder mehr, allerdings hatten Mahlers ihre Tickets noch im Juli gekauft. „Nach einigen Mails bekamen wir dann die Zusage, die Räder wie geplant mitnehmen zu dürfen – jetzt hoffen wir, dass die Zugbegleiter das auch wissen“, so Mahler. Eine Münchner Initiative, die auch an der Schokofahrt teilnimmt, geht einen anderen Weg. Nach Gesprächen mit einer Gärtnerei werden ihre Lastenräder mit einem Blumen-Lkw nach Holland gefahren, der nach dem Abliefern seiner Ware in Deutschland sonst leer zurückfahren würde.

Mit der Aktion gehe es vor allem darum, sich ins Bewusstsein zu rufen, wie viel Verkehr der tägliche Konsum verursache, sagen die Mahlers. „Wir sind realistisch genug, um zu wissen, dass man nicht die ganze Logistikbranche von einem auf den anderen Tag auf den Kopf stellen kann, aber es soll aufzeigen, dass es Alternativen gibt.“

In Augsburg setzt unter anderem der Paketlieferdienst UPS in der Innenstadt auf Lastenfahrräder. Zu den Hauptnutzern zählen aber vor allem junge Familien mit Kleinkindern. Die Stadt hatte im Sommer ein Förderprogramm über 100000 Euro für die Anschaffung von Lastenrädern aufgelegt. Allerdings war der Fördertopf in kurzer Zeit ausgeschöpft.

Lesen Sie dazu auch: Fördertopf schon leer: Lastenräder sind in Augsburg sehr gefragt

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