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Interview

27.02.2019

Warum eine Grundschule nicht nach Werner Egk benannt sein soll

Die Werner-Egk-Schule in Oberhausen soll bald einen neuen Namen gekommen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Mit ihrer Empfehlung, die Schule umzubenennen, hat die Kommission für Erinnerungskultur eine Diskussion ausgelöst. Kulturreferent Weitzel spricht über die Entscheidung.

Zuletzt wurde viel über die Kommission für Erinnerungskultur gesprochen und dabei festgestellt, dass die Öffentlichkeit wenig über den Personenkreis weiß. Ist das ein Geheimnis?

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Thomas Weitzel: Nein, überhaupt nicht. Es ist kein Geheimausschuss. Die Mitglieder sind bekannt und die Zusammensetzung spiegelt ein breites Spektrum aus Mitarbeitern der Verwaltung, Stadträtinnen und Stadträten sowie Vertretern der Universität, Institutionen und bürgerschaftlichen Initiativen wider.

Seit wann gibt es die Kommission?

Warum eine Grundschule nicht nach Werner Egk benannt sein soll

Weitzel: Seit dem Jahr 2014. Damals hatte der Stadtrat eine Kommission berufen, um mit den Vertretern der verschiedenen Gruppierungen, die sich für Erinnerungszeichen im öffentlichen Raum einsetzten, eine Lösung zu erarbeiten, die sowohl den Vertretern der Stolpersteine wie auch dem Wunsch nach Alternativen Rechnung trägt.

So entstand der bundesweite beachtete „Augsburger Weg“, der Stolpersteine und Erinnerungsbänder beinhaltet. Mit welchen Themen beschäftigt sich die Kommission außerdem?

Weitzel: Derzeit beschäftigen wir uns mit strittigen Straßennamen. Dazwischen haben wir auf die Bitte des Bildungsreferats hin, die Vereinbarkeit der Persönlichkeit Werner Egk mit der Namensgebung der Oberhauser Grundschule bewertet.

Das Ergebnis ist bekannt. Die Kommission hat eine Umbenennung der Grundschule empfohlen. Wollten Sie mit dieser Entscheidung eine große Debatte auslösen?

Weitzel: Nein. Es wird übersehen, dass wir in unserer Empfehlung weder das künstlerische Schaffen noch die Bedeutung der Werke Werner Egks bewertet haben. Das war auch nicht unsere Aufgabe. Unsere Aufgabe war, eine Empfehlung auszusprechen, ob Werner Egk Namensgeber für eine Grundschule sein kann oder nicht. Mit unserer Empfehlung haben wir auch nichts entschieden. Für eine Entscheidung ist grundlegend, dass sich auch die Schulfamilie äußert, von der inzwischen ebenfalls eine differenzierte Stellungnahme vorliegt. Entscheiden muss letztlich der Bildungsausschuss beziehungsweise der Stadtrat.

Wie sind Sie zu Ihrem Ergebnis gekommen?

Weitzel: Wir hatten allein drei bis vier Treffen nur zu diesem Thema. Wir haben ausführlich Fachliteratur dazu ausgewertet. Natürlich war uns bewusst, welchem Spannungsfeld er als Künstler in diesem Regime ausgesetzt war. Aufträge der Nationalsozialisten gab es damals in allen gesellschaftlichen Feldern. Aber Künstler stehen natürlich gerade mit ihrem Schaffen mehr im Licht der Aufmerksamkeit als andere. Auch gab es eben nicht wenige Künstler, die sich – anders als Egk – dem Regime verweigert haben, eben nicht mit dem Strom schwammen.

Um was ging es der Kommission?

Weitzel: Uns ging es darum, ob er sich später selber kritisch mit seiner Zeit im Nationalsozialismus auseinandergesetzt hat. Wir kamen zum Schluss, dass er sich nach dem Krieg nicht in angemessener Weise selbstkritisch mit seiner Rolle und seinem Handeln in der Zeit des Nationalsozialismus auseinandergesetzt hat, weder Einsicht noch Schuldbewusstsein erkennen ließ und deshalb keine unzweifelhafte Vorbildfunktion für eine Grundschule übernehmen kann. Darüber hinaus hat die Schule selbst festgestellt, dass für eine umfassende, kritische Auseinandersetzung mit dem Namensgeber Grundschulkinder noch zu jung seien und die Kontextualisierung von Leben und Werk in einer solchen Altersstufe schwer zu leisten ist.

In ihrer Empfehlung schreibt die Kommission, dass der Dialog mit der Schulfamilie und der Oberhauser Bevölkerung gesucht werden soll, sie umfassend über Umbenennungspläne und deren Hintergründe informiert und sie bei der Suche nach einem neuen Namen mit einbezogen werden sollen. Ist das in Ihren Augen auch geschehen?

Weitzel: Wir haben die Empfehlung abgegeben. Diesen Prozess zu begleiten, war nicht unsere Aufgabe. Die Art der Umsetzung lag also nicht in unserer Hand. Nachdem die Eltern der Schüler, die sprengelbezogen zur Schule gehören, einbezogen wurden, sollte man meines Erachtens die Stimme der Schule selbst zur Grundlage von weiteren Entscheidungen machen.

Die Schulfamilie hat sich ihrer Empfehlung angeschlossen und will die Schule umbenennen lassen.

Weitzel: Das stimmt. Sie haben unterstrichen, dass der Namensgeber einer Schule sowohl in der Schule als auch im Stadtteil und darüber hinaus uneingeschränkt als menschliches und pädagogisches Vorbild gelten sollte. Für eine kritische Auseinandersetzung mit Werner Egk finden sie die Grundschulkinder allerdings zu jung. Sie möchten künftig den Namen Grundschule Augsburg Oberhausen Mitte tragen.

Thomas Weitzel.
Bild: Ulrich Wagner.

Die Themen, mit der sich die Kommission für Erinnerungskultur beschäftigt, werden in der Öffentlichkeit sehr emotional diskutiert. Warum ist das so?

Weitzel: Kulturelle Themen bewegen den Menschen emotional. Es ist ein offenes Feld, in dem es keinen Leitfaden oder keinen Rechtsrahmen für Entscheidungen gibt. Kulturelle Prozesse werden in einer demokratischen Gesellschaft dialogisch verhandelt und können im Gegensatz zu vielen anderen gesetzlich definierten Vorgängen individuell gestaltet werden. Es wäre schlimm, wenn das von der Politik vorgegeben, wenn das von anderen diktiert werden würde.

Wie empfinden Sie die Arbeit in der Kommission?

Weitzel: Es ist eine sehr spannende Arbeit, in der sich alle Mitglieder sehr engagiert und mit einem hohen Maß an wertvoller Zeit und Expertise ehrenamtlich einbringen. Man lernt, welche Bedeutung ein verantwortungsbewusster Umgang mit der Vergangenheit hat. Einerseits haben wir den nötigen zeitlichen Abstand, um die Vergangenheit kritisch zu bewerten. Gleichzeitig dürfen wir Personen und Ereignisse aber nicht nur aus heutiger Sicht und losgelöst von den damaligen Kontexten und Handlungsspielräumen beurteilen. Auf jeden Fall schärft die Beschäftigung mit den Ereignissen der Vergangenheit in jedem Fall den Blick dafür, wie wir unser gegenwärtiges Miteinander mit Blick auf die Zukunft gestalten.

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