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Augsburg

30.04.2015

Warum es sich lohnt, am 1. Mai früh aufzustehen

Die Kundgebung am 1. Mai ist für DGB-Regionsvorsitzenden Helmut Jung jedes Jahr ein Höhepunkt: In diesem Jahr wird er seine Rede allerdings nicht auf der Freilichtbühne halten. Die Gewerkschaft zieht auf den Augsburger Rathausplatz um.
Bild: Anne Wall

Gewerkschafts-Boss Helmut Jung sieht viele Erfolge für Arbeitnehmer, aber auch noch genügend Gründe, am Feiertag auf die Straße zu gehen, denn: „Das Soziale wird immer mehr ausgeklammert“

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ruft am Freitag, 1. Mai, zur großen Kundgebung auf dem Augsburger Rathausplatz auf. Ans Rednerpult tritt dabei unter anderem Helmut Jung, der DGB-Regionsvorsitzende.

Herr Jung, eine persönliche Frage. Wann stehen Sie an einem Feiertag normalerweise auf?

Helmut Jung: An einem normalen Feiertag gegen 8 Uhr, da dieser Tag für sportliche Aktivität genutzt wird.

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Und wann stehen Sie am 1. Mai auf?

Jung: Am 1. Mai ganz normal um 6.30 Uhr, wie an jedem Werktag.

Respekt. Wie sieht denn Ihr ganz persönlicher Tagesablauf als Augsburgs DGB-Chef am Tag einer Mai-Kundgebung aus?

Jung: Frühstück, dann noch mal die Begrüßung- und Eröffnungsrede durchgehen. Zwischen 7.30 und 8 Uhr fahre ich zu den Kollegen, die den Aufbau für die Kundgebung machen. Und am Abend nach der Kundgebung werde ich die Füße hochlegen.

Warum lohnt es sich aus Ihrer Sicht, am 1. Mai nicht nur aufzustehen, sondern auch an der Demo und Kundgebung teilzunehmen?

Jung: Arbeitgeber und Politik beachten sehr stark die Teilnehmerzahl unserer Veranstaltung zum 1. Mai. Je mehr Teilnehmer kommen, umso besser können wir die Interessen der Arbeitnehmer vertreten. Das ist ein ähnliches Prinzip wie bei Tarifrunden. Je größer die Beteiligung bei den Warnstreiks ist, umso einfacher kommt es zum Tarifabschluss.

Protestzug und Kundgebung, so kennt man in Augsburg den traditionellen 1. Mai. Ist dies noch zeitgemäß?

Jung: Zweifellos ja. Solange es noch Behinderungen bei Betriebsratswahlen gibt, solange vielen Arbeitnehmern der Tariflohn vorenthalten wird, solange wir noch den Mindestlohn gegen Angriffe verteidigen müssen, solange ist auch der 1. Mai noch zeitgemäß.

Welche Erwartungen verknüpfen Sie mit dem Rathausplatz als neuem Kundgebungsort in diesem Jahr?

Jung: Wir Gewerkschafter feiern dieses Jahr „125 Jahre 1. Mai“ und aus diesem Grunde ist der Rathausplatz Mittelpunkt von Augsburg und die richtige Stelle.

125 Jahre Mai-Kundgebungen. Was bedeutet dieses Jubiläum für Sie?

Jung: Eine tolle Erfolgsgeschichte für die Gewerkschaften und die Arbeitnehmer, die auch schwere Zeiten aufweist. Wir haben gekämpft. Es hat sich gelohnt. Die Erfolge sind da: von der 6-Tage-Woche zur 35 Stunden-Woche. Von der Not im Krankheitsfall zur Lohnfortzahlung. Betriebliche Mitbestimmung und Mutterschutz sind weitere Beispiele, um nur einiges zu nennen.

Was macht die Gewerkschaften stark?

Jung: In der Vergangenheit wie in der Zukunft ist es die Einigkeit. Mit dieser Einigkeit gilt es, die Interessen der Beschäftigten zu vertreten.

Gibt es Punkte, wo aus Ihrer Sicht Nachholbedarf aus gewerkschaftlicher Sicht besteht? Wo krankt es im System?

Jung: Für mich ist es die Entwicklung, dass alles nur noch nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet wird. Das fängt im Kindergarten an und hört im Alter auf. Das Menschliche, das Soziale wird immer mehr ausgeklammert. Sozialstaat wird mit Wohlfahrt verglichen, hat aber nichts miteinander zu tun.

Ein persönliches Wort zum Abschluss. Und wann stehen Sie am Samstag, 2. Mai, auf?

Jung: Um 8 Uhr. Denn es geht nach Salzburg, um am 3. Mai an einem Halbmarathon teilzunehmen.

Interview: Michael Hörmann

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