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Augsburg

07.03.2019

Warum in Augsburg derzeit so viele Läden schließen

Am Mittwochnachmittag war die Annastraße belebt. Die Kunden können in diesem Bereich der Fußgängerzone vor allem bei Filialisten einkaufen.
Bild: Bernd Hohlen (Archiv)

Plus Binnen kurzer Zeit haben mehrere inhabergeführte Geschäfte in Augsburg ihr Aus angekündigt. Mit welchen Problemen die Händler kämpfen.

Erst war es die Spiegelburg , dann „Grüßen und Schenken“ , schließlich die Guzzie Bonbonmanufaktur und jetzt die Strumpfecke. Binnen weniger Wochen haben all diese inhabergeführten Augsburger Geschäfte ihre Schließung bekannt gegeben. „Was ist da nur los?“ fragen Kunden und auch Nutzer unserer sozialen Netzwerke.

Der normale Wandel im Einzelhandel, antwortet ihnen André Köhn vom schwäbischen Einzelhandelsverband. „Das ist Ausdruck der Dynamik vor Ort“, sagt der Branchenkenner. Die Gründe für die Geschäftsaufgaben sind nämlich ganz verschieden.

Während bei der Spiegelburg und auch bei „Grüßen und Schenken“ nach Aussage der Inhaber unter anderem die Baustellen in der Bäckergasse sowie am Judenberg Kunden gekostet hätten, nennt Werner Ullmann von der Guzzie Bonbonmanufaktur das veränderte Kaufverhalten als einen der Hauptgründe: „Einige Menschen, die in unseren Laden gekommen sind, haben sich über die hohen Preise beschwert oder sich einfach nur die Produktion angesehen und sind dann wieder gegangen, ohne etwas zu kaufen“, beschreibt er. Dazu sei die hohe Ladenmiete von 1700 Euro gekommen. Deshalb konzentriere man sich am neuen Standort in Lechhausen nun auf Veranstaltungen und Bestellungen.

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Bei der Strumpfecke ist der Fall dagegen anders gelagert. An treuen Kunden hat es hier nicht gefehlt. Es war schlichtweg eine Frage des Alters, warum das Geschäft spätestens an Ostern geschlossen wird. Inhaberin Peggy Stegmann will nämlich in Rente gehen, so wie ihre drei Mitarbeiterinnen auch. Eine Nachfolgerin hätte es gegeben, aber der Immobilienbesitzer hat ihres Wissens nach mit der Fläche andere Pläne.

In Augsburg gibt es mehr Filialen als früher

Obwohl diese Beispiele zeigen, wie vielfältig die Gründe für eine Geschäftsaufgabe sein können, gibt es auch Tendenzen im Einzelhandel, die solche Entwicklungen unterstützen. So bleibt Online-Shopping trotz zuletzt weniger rasant steigender Zahlen ein harter Konkurrent, dazu ändern sich beispielsweise die Betriebsformen. Weg von kleinen, inhabergeführten Läden hin zu großen, teils internationalen Filialisten und Ketten, weiß André Köhn. Er kann dies mit Zahlen von Brockhoff und Partner belegen. Seit 2014 ist der Filialisierungsgrad in Augsburg von etwa 44 Prozent auf derzeit 65 Prozent gestiegen. Je nach Lage liegen die Werte sogar bei über 71 Prozent (Bürgermeister-Fischer-Straße) und 72 Prozent (Annastraße).

„Gegen diese Filialisten zu bestehen, ist für kleinere Geschäfte mit kleinteiligerem Sortiment natürlich schwer“, gibt Köhn zu bedenken. Und auch der demografische Wandel mache sich zunehmend bemerkbar. Ältere Ladenbesitzer wollen zurücktreten, finden aber nur schwer Nachfolger oder Mitarbeiter, die sie einarbeiten könnten. Woran das liegt, ist spekulativ. „Viele scheuen meiner Meinung nach den höheren Aufwand, den ein eigener Laden macht“, glaubt Peggy Stegmann den Grund zu kennen. Verdienst und Aufwand stünden für viele junge Menschen in dieser Branche in keinem ausgewogenen Verhältnis.

Manchmal fehlt im Einzelhandel auch das Personal

Doch gerade das Nachwuchsproblem ist es, das Geschäfte vor eine Herausforderung stellt. Und das nicht nur im Hinblick auf den demografischen Wandel und anstehende Geschäftsübergaben. Schon im Tagesgeschäft ist der Personalmangel eklatant. Im Raum Aichach-Friedberg klagten Ladenbesitzer jüngst ihr Leid und berichteten davon, dass sie Öffnungszeiten kürzen mussten, weil es an Mitarbeitern mangelte. Ein Bäcker schloss gar eine ganze Filiale.

In Augsburg ist die Lage nicht ganz so dramatisch, sagt Köhn. Aber auch hier bekommen Kunden die Auswirkungen zu spüren. Sie beschweren sich vor allem in größeren Warenhäusern und Bekleidungsgeschäften immer wieder über fehlende Verkäufer und schlechten Service.

Auch Peggy Stegmann von der Strumpfecke hat diese Erfahrung schon gemacht. „Da werden sie dann im Untergeschoss über ein Schild aufgefordert, im Erdgeschoss zu bezahlen. Aber wie bekomme ich Ware wie Geschirr dahin?“, fragt sie sich. Für die Frau, die 31 Jahre lang ein Geschäft mit vielen Stammkunden geführt hat, ein Unding. „Solche Servicewüsten vermiesen dem Kunden den Spaß am Einkaufen.“

Handelsverband: Augsburg ist gut aufgestellt

André Köhn vom Handelsverband ist sich sicher, dass den Einzelhändlern diese Problematik bewusst ist und sie so weit möglich gegensteuern. Zumal Studien belegen, dass es eine Tendenz der Kunden gibt, wieder verstärkt im Einzelhandel einzukaufen. Dinge anfassen, erleben und direkt mitnehmen zu können, würde hierfür den Ausschlag geben. Gute Voraussetzungen also auch für Augsburg.

Einem Standort, dem Köhn unterm Strich ein gutes Zeugnis ausstellt. „Augsburg ist gut aufgestellt, kommt seiner Versorgungsfunktion für das Umland nach und ist als Standort auch bei internationalen Ketten nachgefragt“, sagt der Experte. Wenn Geschäfte schließen, liege dies auch nicht immer an den genannten Problemen. Manchmal gehe ein Ladenkonzept auch nicht auf. Wichtig sei daher, dass sich Ladeninhaber vorab gut informieren und beraten lassen, um das Risiko einer Geschäftsaufgabe zu minimieren.

Lesen Sie hier den Kommentar von Michael Hörmann: Handel: Woran Geschäfte auch scheitern

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