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Augsburg

31.03.2015

Warum lag der Koffer vor der Bankfiliale? 

Zwei Stunden lang hat die Polizei die Kurze Maxstraße dicht gemacht. Hinzugerufene Experten aus München gaben Entwarnung. Dann folgte gleich nebenan der nächste Einsatz.

Ein Koffer lag am Dienstag plötzlich in der Augsburger Maximilianstraße. Die Polizei sperrte den Bereich ab – bis ein Experte Entwarnung gab. Wollte jemand den Alarm provozieren?

Der braun karierte Koffer liegt plötzlich da. Keiner hat gesehen, wie er dort hin gekommen ist, direkt vor der Filiale der Augusta-Bank in der Maximilianstraße. Es ist ein älteres Modell, an den Kanten ist der Stoff schon etwas verschlissen. Eine Angestellte der Bank bemerkt den Koffer am Dienstagvormittag gegen 11.30 Uhr. Die Mitarbeiter des Kreditinstituts überlegen kurz, was sie mit dem Gepäckstück tun sollen. Dann entscheiden sie: Sie wollen keinerlei Risiko eingehen, sie verständigen die Polizei.

Bei der Polizei nimmt man den Fund des herrenlosen Koffers sehr ernst. „Wir müssen zunächst immer davon ausgehen, dass von solch einem Koffer eine Gefahr ausgeht“, sagt Polizeisprecher Michael Nagl. Meist geht es gut aus – doch es kann eben auch den Fall geben, dass eine Sprengladung darin deponiert ist. Mehrere Streifenwagen eilen sofort zur Maximilianstraße und sperren den Bereich um die Bank ab. Auch die Straßenbahnen müssen stoppen.

Die Orkanböen zerren wild an den rot-weißen Absperrbändern, immer wieder setzt Regen ein. Immer mehr Polizisten treffen ein. Nach einiger Zeit wird der gesperrte Bereich noch einmal deutlich vergrößert – zwischen Rathausplatz und Moritzplatz darf sich niemand mehr aufhalten, alle Gebäude in dieser Zone werden geräumt. Mitarbeiter und Kunden müssen die Geschäfte verlassen. Eine Hundeführerin der Polizei trifft ein. Doch der Hund darf am Koffer nicht schnüffeln – zu riskant wäre das, falls sich daran wirklich eine Bombe befindet.

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Das Sprengkommando aus München rückt an

Schließlich rückt das Sprengkommando aus der Landeshauptstadt an. Es dauert bis gegen 13.15, bis der dunkle VW-Bus mit Münchner Kennzeichen mit Blaulicht in der Innenstadt eintrifft. Ein Experte in Schutzkleidung untersucht den Koffer. Er nutzt dazu auch ein mobiles Röntgengerät, das die Schale durchleuchtet. Kurz darauf gibt der Fachmann Entwarnung. Ein Blick in den Koffer zeigt: Es befinden sich nur einige Zettel darin, ansonsten ist er völlig leer. Ungeklärt bleibt zunächst die Frage, wie der Koffer vor die Bankfiliale kam.

Hat jemand den Koffer einfach nur vergessen? Wurde er, weil er nicht schwer war, durch den Sturm dorthin geweht? Oder wollte jemand ganz bewusst den Polizeieinsatz auslösen? „Wir haben niemanden gesehen, der den Koffer dort abgestellt hat“, sagt die SPD-Fraktionschefin im Stadtrat, Margarete Heinrich, die bei der Bank arbeitet. Heinrich und die anderen Bankmitarbeiter bleiben zunächst hinter der Absperrung stehen und beobachten das Geschehen – dann entscheiden sie sich, in einem Lokal vor Wind und Wetter Schutz zu suchen. Auch im Café direkt gegenüber hat niemand einen Mann oder eine Frau mit einem Koffer gesehen.

Die Polizei untersucht jetzt den Koffer

Die Polizei hat bis jetzt zumindest keinen Hinweis darauf, dass der herrenlose Koffer etwas mit der Bank zu tun hat. Auf den in dem Koffer gefundenen Zetteln befinde sich keine Drohung, heißt es am Nachmittag bei der Polizei. Der handliche Koffer wird, nachdem die Experten Entwarnung geben, von den Beamten sofort in einen Streifenwagen gepackt. Er wird jetzt untersucht auf Hinweise, wer der Besitzer ist. Auch die Spurensicherung kann sich des Gepäckstücks annehmen.

Ein Bereich nahe des Rathausplatzes war gesperrt, der Tramverkehr musste eingestellt werden.
9 Bilder
Herrenloser Koffer löst Polizeieinsatz in Augsburg aus
Bild: Jörg Heinzle, Silvio Wyszengrad

Einige Passanten wollen die Absperrungen der Polizei nicht akzeptieren. Immer wieder fragen Passanten bei den Polizisten nach, ob sie nicht doch kurz durchgehen dürfen. Eine Frau schimpft sogar lautstark: „Das ist doch ein Witz.“ Ein älterer Mann ignoriert einfach die Absperrbänder und geht so lange weiter, bis zwei Polizeibeamte ihn festhalten. Die Beamten nehmen das gelassen. Ein Polizist sagt: „Das Wichtigste ist: einfach trotzdem ruhig und freundlich bleiben.“

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