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Augsburg

03.12.2015

Warum müssen bei der Wafa 157 Mitarbeiter gehen?

Es ist eine bittere Nachricht in der Vorweihnachtszeit: Bei der Wafa fallen 157 Stellen weg. Auslöser der Krise sollen zu viele Aufträge gewesen sein.
Bild: Silvio Wyszengrad

Es ist eine bittere Nachricht in der Vorweihnachtszeit: Bei der Wafa fallen 157 Stellen weg. Auslöser der Krise sollen zu viele Aufträge gewesen sein.

Für die Belegschaft des Automobilzulieferers Wafa ist es eine betrübliche Nachricht in der Vorweihnachtszeit: Fast die Hälfte des bisherigen Personals muss gehen. 142 Mitarbeitern wird bereits zum Jahresende gekündigt. Im Werk in Haunstetten in der Schafweidstraße bleiben danach noch 188 Beschäftigte. Beabsichtigt und vertraglich vereinbart ist zudem, das zur Jahresmitte 2016 nochmals 15 Mitarbeiter gehen müssen, weil zu diesem Zeitpunkt ein Auftrag ausläuft. Die Wafa steht vor einem einschneidenden Umbruch.

Unternehmen ist verkauft

Die Firma, die im Februar 2014 Insolvenz angemeldet hatte, wird verkauft. Käufer ist das Unternehmen Demmel mit Sitz in Scheidegg im Allgäu. Einsteigen wird zudem der Schweizer Finanzinvestor Aetna-Partner. Die neue Unternehmensführung will die Wafa wieder auf Kurs bringen. Es soll kräftig in den Standort investiert werden. Eine neue Galvaniklinie wird dem Vernehmen nach errichtet. Allerdings gibt es massive Einschnitte bei der Belegschaft, die nicht abzuwenden seien, heißt es. Begründet wird dieser Schritt mit dem unrentablen Agieren des Unternehmens in der Vergangenheit. Generell seien zu viele Aufträge abgewickelt worden, die unterm Strich nicht werthaltig waren. Teilweise seien bis zu 120 Zeitarbeiter eingesetzt worden, um den Auftragsstau abzuwickeln. Dies sagt Torsten Falke, Bezirksleiter der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE): „In den letzten 20 Monaten bestand die Hauptaufgabe des Insolvenzteams, des Betriebsrates und der Mannschaft darin, verlustbringende Geschäfte rentabel zu machen und damit die Chance für eine erfolgreiche Übernahme des Unternehmens zu erhöhen.“

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Insolvenzverwalter lobt Belegschaft

Während des nunmehr fast zweijährigen Insolvenzverfahrens hatte Anwalt Joachim Exner (Kanzlei Dr. Beck & Partner, Nürnberg) als Insolvenzverwalter das Sagen. Frühzeitig war es sein Ziel, einen Käufer zu finden, der das Unternehmen weiterführt. „Es ist ungewöhnlich, dass eine Belegschaft solange bei der Stange geblieben ist“, sagt er. Exner hob die gute Zusammenarbeit mit Gewerkschaft und Betriebsrat hervor. Dass die Übernahme geglückt sei, sei zunächst positiv, sagt Gewerkschafter Falke, „aber sie ist nun einmal mit einem harten Personalschnitt verbunden. Das ist ein harter Schlag für Augsburg und vor allem für die vielen Menschen, die bis zum Schluss dem Unternehmen treu geblieben sind.“ Bei einer Betriebsversammlung am Mittwochnachmittag wurden die Beschäftigten über die aktuelle Entwicklung informiert. „Es war für uns alle ein schwerer Tag“, sagten Betriebsratsvorsitzender Nebi Uzun und sein Stellvertreter Roland Winkelbauer.

Produkte für Automobilindustrie

Wafa fertigt Produkte für Automobilhersteller. Die von der Kündigung betroffenen Wafa-Mitarbeiter werden großteils in eine Transfergesellschaft übergeführt. Hier wird versucht, 120 Frauen und Männer zu qualifizieren, um ihnen den Einstieg in ein anderes Unternehmen zu ermöglichen. In dieser Zeit von fünf Monaten erhalten die Betroffenen eine Aufzahlung auf das Transferkurzarbeitergeld, das die Bundesagentur für Arbeit zur Verfügung stellt. Es sind 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens.

Wechselhafte Geschichte

Die Firma Wafa blickt auf eine durchaus wechselhafte Firmengeschichte. Im Jahr 1949 war sie von Walter Friedrich in Augsburg gegründet worden. Die Herstellung von Glas- und Metallschmuck war der Geschäftszweck. In späteren Jahren folgte die Herstellung technischer Teile aus Kunststoff. Im Jahr 1997 geriet das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten. Die Firma war zahlungsunfähig. Ende 1997 kaufte der Geschäftsmann Wolfgang Müller aus Bayreuth das Unternehmen. Er wurde auch Geschäftsführer in Augsburg, die Insolvenz im Februar 2014 konnte er nicht abwenden.

Jetzt steigt die Demmel-Gruppe ein. Das mittelständisches Familienunternehmen bietet Produkte und Systemlösungen aus den Bereichen dekorierte Oberflächen, Elektronik und mobiler Energieversorgung an. Produktionsstandorte sind in Scheidegg und Weiler (Allgäu) sowie in München, in der Schweiz, China und Singapur. 800 Mitarbeiter werden beschäftigt. Der Gruppenumsatz liegt bei 120 Millionen Euro.

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