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Warum neue Wohnungen trotz Ende des Bevölkerungsbooms nötig sind

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Kommentar Von Stefan Krog
18.05.2019

Der Zuwachs an Einwohnern scheint zu einem Ende zu kommen, doch nach den vergangenen Jahren hat Augsburg Nachholbedarf an Wohnungen. Es müssen aber die richtigen sein.

Die Zeiten des großen Bevölkerungszuwachses in Augsburg scheinen vorbei. Das ist auch in Ordnung so – Wachstum um des Wachstums willen bringt niemandem etwas. Im Gegenteil: In den vergangenen Jahren machten sich auch die negativen Folgen bemerkbar. Kita-Plätze wurden knapp, und vor allem wurden Wohnungen zur Mangelware bzw. immer teurer. Wenn die Entwicklung so weitergegangen wäre, dann wäre das Thema Verkehr irgendwann noch drängender geworden – mehr Menschen auf größerer Fläche verursachen einfach mehr Verkehr.

Das soziale Gefüge der Stadt hat sich geändert

Und es lohnt durchaus ein Blick darauf, wie das Wachstum die Bevölkerungsstruktur verändert hat. Die Zuzügler verändern das soziale Gefüge der Stadt.

Die Zuzügler sind häufig überdurchschnittlich gut gebildet, jung und (noch) kinderlos – die Klientel, die sich höhere Mieten noch eher leisten kann. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das zu einem Verdrängungswettbewerb mit alt eingesessener Bevölkerung führen kann – vermutlich hat er schon eingesetzt.

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Die andere Seite der Medaille ist: Augsburg als Stadt mit dem statistisch höchsten Armutsrisiko in Bayern tut der Zuzug von hochqualifizierten Beschäftigten gut. Sie steigern die durchschnittliche Kaufkraft und bringen über die Steuern Geld ins Stadtsäckel. Die Frage ist: Bleiben die Zuzügler auch in der Stadt oder ziehen sie nicht früher oder später weiter, weil woanders das bessere Jobangebot lockt?

Und dann ist der Blick auch auf eine andere Gruppe unter den Zuzüglern zu richten: Das Wachstum der vergangenen Jahre speiste sich zum großen Teil aus Ausländern. Flüchtlinge spielen nicht die große Rolle, sondern EU-Ausländer, vor allem aus Osteuropa. Der Arbeitsmarkt saugt diese Menschen auf, doch klar ist auch, dass sich damit das soziale Gefüge der Stadt ändert. Die Zahl der Augsburger ohne Migrationshintergrund geht seit Jahren leicht zurück, die Zahl der Augsburger mit ausländischem Pass ist in den vergangenen Jahren hingegen überproportional stark gestiegen. Augsburg hat schon gezeigt, dass es die Herausforderungen der Integration meistern kann – klar ist aber auch, dass die Herausforderungen bestehen bleiben.

Wachstum lässt sich nicht verhindern, aber steuern

Das kurzfristig drängendste Problem ist aber: Wo sollen all die neuen (und bisherigen) Bürger wohnen? Und wie lassen sich die Wohnkosten für alle im Rahmen halten? In den vergangenen Jahren dürfte die Leerstandsquote bei den Augsburger Wohnungen angesichts des Zuzugs deutlich nach unten gegangen sein. Reserven gibt es inzwischen also kaum noch. Allein schon um wieder etwas Entspannung in den Wohnungsmarkt zu bringen, ist es wünschenswert, dass weiter gebaut wird. Der Wunsch hat nicht einmal etwas damit zu tun, dass so neue Bewohner angelockt werden sollen. In München gibt es schon Bürgerinitiativen, die ein weiteres Wachstum der Stadt stoppen wollen, um weiteren Zubau und Verdichtung zu verhindern. Das ist verständlich, führt aber letztlich zu nichts – außer, dass der Druck im Kessel auch für die Bestandsbevölkerung wächst. Letztlich muss es darum gehen, Wachstum halbwegs verträglich zu gestalten – bei Neubaugebieten wie auch bei Nachverdichtung.

Was Familien wollen, lässt sich in der Stadt nur schwierig bauen

Die Stadt hat zuletzt neue Baugebiete mit hunderten von Wohnungen ausgewiesen, weitere Projekte in dieser Größenordnung sind in Bearbeitung. Spannend wird sein, wie es in Haunstetten Südwest laufen wird. Das riesige Gebiet dürfte ab 2025 bebaut werden können – unklar ist, ob dann überhaupt noch so viele Wohnungen gebraucht werden oder nicht. Doch es wäre fahrlässig, wenn die Stadt sich keine Gedanken über das Thema machen würde. Zumindest ist es nötig, einen Plan in der Schublade zu haben, auch im Hinblick darauf, dass Entwicklungen wie die Uni-Klinik in ihren Auswirkungen nicht voll abschätzbar sind und der Wohnungsdruck in München noch wachsen könnte, was auch Auswirkungen auf Augsburg hätte.

Im Hinterkopf muss die Stadt auch etwas anders haben: Die stagnierenden Einwohnerzahlen und demographischen Entwicklungen können auch damit zu tun haben, dass junge Familien ins Umland ziehen, weil sie in Augsburg kein bezahlbares Eigentum finden. Doch gerade junge Familien gälte es im Sinne einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung zu halten. Die Stadt bemüht sich mit ihrem Familienförder-Programm, doch die Grundstückszahl ist überschaubar. Und im Hinblick auf die Stadtplanung ist es ein Dilemma, dass diese Gruppe besonders auf Reihen- oder Einfamilienhäuser mit Garten aus ist - etwas, das in der Stadt mit ihrer Flächenknappheit am schwierigsten zu realisieren ist.

Und auch ein anderer Punkt ist wichtig: Als Heilmittel „Bauen, bauen, bauen“ zu propagieren, greift zu kurz. Richtig ist: Neue Wohnungen müssen gebaut werden, aber es müssen auch die richtigen sein. Ein verbindliches Konzept, das den Anteil von geförderten Wohnungen in neuen Baugebieten sowie weitere Rahmenbedingungen festlegt, ist überfällig. Die Stadt will es im Sommer vorstellen.

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18.05.2019

Mich erstaunt immer wieder, dass Menschen die sonst so gerne das "Wachstum" kritisieren, bei wachsendem Wohnungsbau und Bevölkerungswachstum komplett still sind.

Nein - die Bewohner dicht besiedelte Städte brauchen keine neuen Einwohner - so einfach ist das. Einwohnerzuwachs ist nur Kommerz - hsl. für die Bau- und Sozialindustrie.

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