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Augsburg

31.03.2014

Warum wählen nur so wenige Migranten?

In Stadtvierteln mit einem hohen Migranten-Anteil war die Wahlbeteiligung bei den Augsburger Kommunalwahlen gering.
Bild: Erwin Wodicka

Der Beirat für Zuwanderer wird 40 und darf sich feiern lassen. Neben allen Erfolgen beschäftigt eine Frage viele: Warum wählen so wenige Migranten?

Seit 40 Jahren versucht der Integrationsbeirat, Augsburger und Migranten zusammenzubringen. Ein Grund zum Feiern der Erfolge, aber auch ein Anlass für kritische Gedanken. Ein wichtiges Thema war die geringe Wahlbeteiligung in Stadtvierteln mit einem hohen Migranten-Anteil bei den Augsburger Kommunalwahlen.

„Die geringe Wahlbeteiligung von Zuwanderern ist alarmierend. Das deutet auf ein gesellschaftliches Problem hin“, sagte Oberbürgermeister Kurt Gribl im Rahmen der Feierstunde im Goldenen Saal. Erfreulich sei aber, dass auf jeder Wahlliste ein Stadtratskandidat mit Migrationshintergrund zu finden war, so Gribl. Die meisten der Kandidaten wie Tugay Cogal (Pro Augsburg) haben es jedoch nicht in den Stadtrat geschafft. Der Vorsitzende des Integrationsbeirats Augsburg sieht den Grund für die schwache Wahlbeteiligung bei der fehlenden Anerkennung für Zuwanderer.

"Beide Seiten müssen sich um eine Eingliederung bemühen"

„Viele von ihnen fühlen sich hier nicht zu Hause und auch nicht als Teil der Gesellschaft, daher gehen sie auch nicht wählen“, sagte Cogal. Diese Problematik zu lösen, sei aber sehr schwer. Beide Seiten, Stadt und Migranten, müssten sich aktiv um eine Eingliederung bemühen, meinte Tugay Cogal.

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Laut SPD-Stadtrat Hüseyin Yalcin gestaltet sich bereits die Anfangsphase in Deutschland für Einwanderer oft schwierig. „Wir müssen eine Art Willkommenskultur entwickeln, die Migranten mit offenen Armen empfängt und ihnen hilft“, erklärte er. Dazu gehöre auch eine Reform der Ausländerbehörde, findet Yalcin. „Die meisten Leute bekommen schon Bauchschmerzen, wenn sie nur an das Amt denken, weil kaum jemand das System versteht“, sagt er. „Idealerweise könnte man jedem Neuankömmling eine Art Wegweiser in die Hand geben, in dem man Hilfestellung zu Versicherungsangelegenheiten und Behördengängen anbietet“, schlug Yalcin vor.

In den Schulen bestehe auch oft Nachholbedarf, weiß Mitra Sharifi, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns (AGABY). „Viele Schulen sind mit der notwendigen Sprachförderung einfach überfordert. Dabei ist die Bildung mit der wichtigste Schlüssel zur Integration“, sagte Sharifi.

Die Integration in Augsburg macht Fortschritte

Doch auch wenn es noch viel zu tun gibt – in Sachen Integration mache man große Fortschritte, waren sich alle Gäste einig. „Die Entwicklung der vergangenen 40 Jahre ist im Allgemeinen extrem positiv verlaufen“, sagte Annemarie Klein, stellvertretende Vorsitzende des Integrationsbeirats Augsburg. Man müsse den Weg kontinuierlich weitergehen, sagt Klein, und auf beiden Seiten für mehr Respekt und Akzeptanz werben, um auch die Zukunft der Integrationsarbeit in Augsburg erfolgreich zu gestalten.

Anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Augsburger Integrationsbeirats hatten sich im Vorfeld bereits Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns (AGABY) getroffen, um die Zukunftsthemen der Integrationsarbeit zu diskutieren. Themen waren unter anderem der Umgang mit Flüchtlingen und Asylbewerbern, der Kampf gegen organisierten Rechtsextremismus und der Aufbau eines Netzwerks für Frauen mit Migrationshintergrund.

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