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Unesco-Welterbe

02.02.2020

Was Augsburg aus dem Welterbe-Titel macht

Das historische Wassermanagement-System, zu dem auch die Wassertürme am Roten Tor mit ihrem Gewölbe gehören, brachte Augsburg den Welterbe-Titel.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Seit einem halben Jahr trägt Augsburg den Titel, doch im Alltag ist das kaum sichtbar. Dennoch könnte mittelfristig die ganze Region profitieren, sagen Kenner.

Gut ein halbes Jahr ist vergangen, seit Augsburg in die Reihen der Welterbestätten aufgenommen wurde. Im Juli verlieh die Unesco der Stadt den Titel für ihr historisches Wassermanagement-System. Über Jahrhunderte hinweg sicherte es der Ansiedlung zwischen Lech und Wertach frisches Trinkwasser sowie Antriebswasser für die Mühlen der Handwerksbetriebe. Der Aufstieg zum europäischen Handelszentrum und später zur Textilmetropole – ohne das Wasser wäre beides nicht denkbar gewesen.

Den Titel „Welterbestätte“ darf Augsburg seit Juli tragen. Offiziell wird die Ernennung aber erst diesen Samstag: Im Rahmen eines Festakts überreicht Staatsministerin Michelle Müntefering der Stadt die offizielle Unesco-Urkunde. Es ist ein symbolischer Akt, eine finanzielle Unterstützung ist damit nicht verbunden. Wohl aber ein Auftrag, denn Welterbestätten erklären sich nicht nur bereit, die ausgezeichneten Denkmäler zu erhalten, sie nehmen mit dem Titel auch einen Bildungsauftrag an.

Komplexes System aus Kanälen, Brunnen und Wasserwerken in Augsburg

Wer dieser Tage nach Augsburg kommt, sieht nicht viel vom neuen Status: Die Prachtbrunnen in der Maximilianstraße und vor dem Rathausplatz – alle drei Welterbe-Denkmäler – sind zum Schutz vor der Witterung eingehaust. Die Wassertürme am Roten Tor können nur im Rahmen von Führungen besichtigt werden, mehr als 15 Personen auf einmal dürfen sowieso nicht hinein; der Denkmalschutz schreibt es so vor. Auch die Wasserkraftwerke, viele von ihnen in Privatbesitz, können kaum besucht werden. Das Wassermanagement-System funktioniert noch heute und wo gearbeitet wird, dürfen Touristen nicht einfach ein- und ausgehen.

Dies und die Tatsache, dass sich ein komplexes System aus Kanälen, Brunnen und Wasserwerken schwerer erklären lässt als beispielsweise ein Altstadt-Ensemble, machen Augsburg die Vermittlung des Welterbe-Status schwer. Deshalb will die Stadt zunächst in ein einheitliches Informationssystem investieren: Vor jedem der 22 Welterbe-Denkmäler soll noch in diesem Jahr eine Infotafel aufgestellt werden, die die wichtigsten Zusammenhänge erklärt. Sukzessive sollen sich dann kleine, dezentrale Besucherzentren entwickeln, in denen Gäste mehr über Architektur, Natur, Technik und historische Zusammenhänge der Wasserversorgung erfahren können.

Unesco-Welterbe: Wichtigste Denkmäler saniert und in gutem Zustand

Große Summen in den Ausbau der Welterbe-Infrastruktur kann und will Augsburg nicht investieren. Gleich nach der Ernennung hatte die Stadtverwaltung betont, dass die wichtigsten Denkmäler saniert und in gutem Zustand seien. Man werde deshalb mit kleineren Investitionen auskommen. 2020 soll unter anderem ein Leitsystem entwickelt werden, anhand dessen interessierte Gäste zu den wichtigsten Orten der Welterbestätte geführt werden können. Intensiviert wurde die Zusammenarbeit mit Hochschule und Universität sowie diversen Forschungseinrichtungen. Das Wasser – eine Ressource, die nicht unendlich ist – soll auch in diesem Bereich künftig eine wichtigere Rolle spielen.

Augsburgs Bronzebrunnen – hier ein Teil des Herkules-Brunnens – tragen den Welterbe-Titel.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Zahl der Besucher, die wegen des Titels nach Augsburg kommen, hat seit Juli zugenommen. Touristiker bestätigen, dass es mehr Nachfragen speziell zum Welterbe gibt. Rund ein Jahr dauert es laut Augsburgs Tourismusdirektor Götz Beck, bis sich ein solcher Titel innerhalb Deutschlands herumspricht, bis zu fünf Jahre, bis er weltweit Publikum zieht.

Schon jetzt bescheren Touristen der Region Augsburg jedes Jahr einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro, größter Nutznießer ist der Einzelhandel. Mehr und mehr haben sich zuletzt auch Hotelketten um Standorte in Augsburg bemüht. Ihre Auslastung liegt mit knapp 50 Prozent über dem bayerischen Durchschnitt. Der Welterbetitel, so Kenner, dürfte diese in Zukunft weiter beflügeln. \u0009

Lesen Sie dazu auch unsere Multimedia-Reportage: Wie das Wasser Augsburg reich machte

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