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Augsburg

29.01.2016

Was Klöster für Menschen in Not tun

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Die Maria-Ward-Schwestern, links Provinzoberin  Sabine Adam und Oberin Mechtild Meckl vermieten das ehemalige Tagungszentrum an die Stiftung Sankt Johannes mit Geschäftsführer Robert Freiberger.
Bild: Annette Zoepf

Vom Kirchenasyl bis zu Behinderten: Ordensgemeinschaften wollen auf die Probleme der Zeit reagieren. Doch sie stoßen an ihre Grenzen. Manchmal bleibt da nur beten

In der Flüchtlingskrise wird der Ruf laut, Klöster sollten ihre Pforten für Asylbewerber öffnen. Doch auch andere bräuchten Unterstützung und (Wohn-)Raum: geistig oder körperlich Behinderte, psychisch Kranke, Alleinerziehende. Jetzt gaben die Maria-Ward-Schwestern bekannt, dass sie ihr ehemaliges Tagungszentrum im Domviertel an die Stiftung Sankt Johannes vermieten. Diese will dort ein Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung sowie Studenten einrichten. Provinzoberin Schwester Sabine Adam sagt: „Es gab mehrere Interessenten. Die Entscheidung ist uns schwergefallen.“ Doch sei es ein schöner Gedanke, einen Beitrag zur Inklusion zu leisten, gerade im Hinblick auf die benachbarten Schulen. Die „Englischen Fräulein“ mussten das beliebte Seminarhaus auch aufgeben, weil die Gemeinschaft altert und schrumpft. Dieses Problem haben auch andere Orden, die gerne helfen würden. Ein Überblick:

Zwei Muslime im Kloster

St. Stephan Zwei Asylbewerber, denen die Abschiebung drohte, lebten im Kirchenasyl der Abtei Sankt Stephan. Die elf Benediktiner nahmen den Syrer und den Afghanen – beides Muslime – auf. Nur beim Essen habe man etwas achtgeben müssen, sagt Pater Gregor Helms. Auch sonst würden die Mönche gerne mehr für Flüchtlinge tun. Sie boten Räume in ihrem Tagesinternat im Domviertel an, diese erwiesen sich aber als ungeeignet für jugendliche Flüchtlinge. Auch an Betreuungsmöglichkeiten fehlte es. „Das wäre eine Chance gewesen“, bedauert der Prior – gerade im Hinblick auf das Gymnasium. Dieses hat ein Sportprogramm für Schüler und Flüchtlinge auf die Beine gestellt.

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Maria Stern Jeden Sonntag gibt es eine Armenspeisung in dem Kloster am Elias-Holl-Platz. Schwestern besuchen Senioren im Jakobsstift, andere die Asylunterkunft Kanalstraße. Provinzoberin Schwester Beda Rauch hat selber schon Deutschunterricht gegeben. „Das sind alles mehr private Initiativen, aber unser Wille ist ausgeprägt“, sagt sie. Die Franziskanerinnen wollten auch Wohnungen für Flüchtlinge zur Verfügung stellen, doch das sei aufgrund der räumlichen Gegebenheiten schwierig. Allerdings überlegt der Orden, Häuser außerhalb der Stadtgrenzen anzubieten. Und demnächst bekommen sie ungewöhnliche Nachbarn: Im Frühling sollen über 30 minderjährige Flüchtlinge in der Sterngasse einziehen. Schwester Beda sagt, die Gemeinschaft sei offen für Kontakt: „Wir wollen gute Nachbarschaft.“

Wohnungen für Mütter mit Kindern

Barmherzige Schwestern Die Barmherzigen Schwestern des Heiligen Vinzenz von Paul sind als Betreiberinnen des Krankenhauses Vincentinum bekannt. Zudem investierten sie in ein Ärztehaus und einen Klosterneubau. Nun wollen die Vincentinerinnen an der Gögginger Straße Wohnungen bauen. Geplant sind auch 20 Wohnungen für alleinstehende Mütter mit Kindern. „Wir wollen mit den Menschen in Verbindung kommen, auf ihre Bedürfnisse und Nöte eingehen und mitten drin leben“, sagt Generaloberin Schwester M. Michaela Lechner. Als Frauengemeinschaft haben die Schwestern besonderen Bezug zu Problemen der Frauen.

St. Ursula Das Dominikanerinnenkloster in der Altstadt vermietet seit acht Jahren Zimmer an Studentinnen und Schwesternschülerinnen. 20 junge Frauen können dort günstig wohnen. Außerdem fanden drei Familien Unterkunft im nahen Haus Dominikus, das dem Kloster gehört und das es vor einigen Jahren renovierte. Mehr ist nicht möglich, denn es leben nur noch drei Ordensfrauen in St. Ursula, davon ist eine hoch betagt. „So leid es mir tut, aber wir können Flüchtlingen kein Angebot machen“, sagt Schwester Benedikta Hintersberger. Allerdings stellten die Schwestern Asylbewerbern Möbel zur Verfügung und spenden. Auch die Schülerinnen der Realschule St. Ursula erhalten bei Bedarf Unterstützung.

Evangelische Diakonissenanstalt Oberin Christiane Ludwig sagt: „Wir sehen die Not und tun, was uns möglich ist.“ Das hohe Alter der meisten Schwestern und der fehlende Nachwuchs setzen dem allerdings Grenzen. Doch sammelten die Diakonissen Spenden für minderjährige Flüchtlinge, luden diese zum Essen ein und brachten selbstgebastelte Geschenke in Asylunterkünfte. Räumlichkeiten haben sie jedoch nicht anzubieten; selbst die Dachböden sind wegen des Umbaus des Diakos belegt. Neben der Klinik betreiben die Schwestern das Pflegeheim Pauline-Fischer-Haus und Schulen – diese wiederum kümmern sich auch um Flüchtlinge. „Und jeden Mittag im Mittagslob bitten wir für Menschen in Not – auch für Flüchtlinge“, so Christiane Ludwig.

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