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Festakt

23.10.2017

Was Martin Junge für die Versöhnung tut

Martin Junge (Mitte) freut sich mit Regionalbischof Michael Grabow (links) und Oberbürgermeister Kurt Gribl über seine Auszeichnung mit dem Augsburger Friedenspreis.
Bild: Silvio Wyszengrad

Der höchste Repräsentant der Lutheraner erhielt am Samstag im Goldenen Saal den Augsburger Friedenspreis. Was Laudatoren und Vertreter der Kirchen über den Pfarrer sagen

Vor über 200 Gästen übergab Oberbürgermeister Kurt Gribl den Augsburger Friedenspreis an den Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, Martin Junge. Vertreter aus Religion, Kultur, Politik und Wirtschaft verfolgten den zweistündigen Festakt im Goldenen Saal, bei dem der gebürtige Chilene den mit 12500 Euro dotierten Preis in Form der Skulptur „Paxibile“ in Empfang nahm.

Dass die aus Wissenschaftlern, Kirchenvertretern und Politikern bestehende Jury den Generalsekretär der Mennonitischen Weltkonferenz, César García, für die Laudatio gewinnen konnte, hat Signalwirkung über die protestantisch-katholische Ökumene hinaus. Der Kolumbianer lobte in seiner Rede das erfolgreiche demokratische und unbestechliche Wirken Martin Junges während seiner Amtszeit in Chile zwischen 1989 und 2000. Die Erfolge des Lutherischen Weltbundes im Dialog mit dem Mennonitischen Weltkongress gehen, so García, vor allem auf Junges Engagement zurück. Der Mennonitenführer verwies jedoch auch auf weiteren Diskussionsbedarf. So schreibe Artikel 16 des Augsburger Bekenntnisses seit 1530 die Verdammnis der Täufer fest. Dieser Abschnitt der Confessio Augustana legitimiert „gerechte“ Kriege und verdammt die „Täufer“, die sich schon damals radikal gegen jegliche Gewalt wendeten. Der Text begründet das Zerwürfnis zwischen der Täufergemeinde und den großen Kirchen sowie ihre jahrhundertelange Verfolgungsgeschichte. Auch in ihrer Stellungnahme von 1992 relativierte die lutherische Kirche die Aussagen nur teilweise. Die Verdammnis gelte für heutige Mennoniten nicht mehr, heißt es in dem Papier, für damalige bestehe sie jedoch weiter.

Im Publikum verfolgt Wolfgang Krauß den Festakt. Er gehört der Mennonitischen Gemeinde Augsburg an und ist erleichtert, dass mit dieser Laudatio im Lutherjahr 2017 auch ein Versöhnungssignal an seine Gemeinde geht. Augsburg war um 1530 mit etwa 1000 Gläubigen geistiges Zentrum und damit auch Verfolgungsschwerpunkt der deutschsprachigen Täufer-Bewegung. Heute hat die hiesige Gemeinde etwa 40 Mitglieder und bemüht sich, ihre Geschichte ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

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Martin Junge selbst zeigte sich in seiner Dankesrede geehrt und forderte von den Kirchen, sich in Zeiten großer Polarisierungen als Mittler, Helfer und Brückenbauer zu engagieren. „Eine Ökumene kann sich nicht selbst genügen. Die Nächstenliebe muss in die Welt getragen werden“, so der Preisträger.

Oberbürgermeister Kurt Gribl betonte, dass der Preis, den die Stadt und die evangelische Landeskirche Bayern seit 1985 im Dreijahresturnus verleihen, nicht nur an die religiösen Konflikte bis zum Augsburger Religionsfrieden 1555 erinnert. „Die Auswahl der Preisträger soll immer auch unsere eigene Lebenswirklichkeit widerspiegeln. Das ist auch in diesem Jahr gelungen“, so Gribl. Junge, 56, ist der zwölfte Preisträger. 2014 wurde Lea Ackermann, die Gründerin und Vorsitzende des Frauenhilfsorganisation Solwodi ausgezeichnet, 2011 das Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche, Papst Shenouda III. von Alexandrien (1923-2012).

„Junge ist ein guter Preisträger“, urteilen Daniel Akgüç und Ercan Akgül von der syrisch-orthodoxen Kirche Augsburg. Er sei ein Mahner für den Umgang mit den Flüchtlingen in Deutschland. Aber welche Bedeutung hat ein Spitzenfunktionär einer internationalen Institution für die praktische Friedensarbeit an der Basis? Stadtdekanin Susanne Kasch erklärt, seine Vita in Chile zeige ja, dass er ein Mann der Praxis ist. „Er bringt die Ökumene in Bewegung. Das ist für unsere Arbeit vor Ort, auch mit der Mennonitischen Gemeinde, von großer Bedeutung.“ "Politik Seite 4

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