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Forschung

29.05.2015

Was Roboter Reeti im Altenheim erlebt

Roboter Reeti

Ein Uniwissenschaftler untersucht, wie Mensch und Maschine eine gemeinsame Sprache finden können.

Moderne Technik macht das Leben angenehmer: Roboter erledigen lästige Arbeiten wie Staubsaugen oder Rasenmähen selbstständig. Doch diese Geräte werden, genauso wie Smartphones, überwiegend von jüngeren Menschen genutzt. Dabei sind ältere Menschen weitaus häufiger auf Hilfen angewiesen. Oft sagen sie aber, dass sie die komplizierte Technik nicht verstehen. Dieses Problem wollen Wissenschaftler der Uni Augsburg lösen. Sie kamen mit einem netten kleinen Roboter namens Reeti ins städtische Altenheim St.-Jakobs-Stift.

Berührungsängste gegenüber moderner Technik seien eine der wesentlichen Ursachen, warum der Einsatz dieser Maschinen in der Pflege hierzulande bisher wenig beachtet wird, sagen die Forscher am Lehrstuhl für „Multimodale Mensch-Technik-Interaktion“ von Professorin Elisabeth André. Andererseits werde in Japan deren Entwicklung und Einsatz durch Konzerne wie Toyota stark gefördert. Roboter nehmen dort den Pflegekräften oft schon anstrengende Arbeiten wie das Umlagern der Patienten ab.

Mit der Entwicklung einer „gemeinsamen Sprache“ von Mensch und Maschine beschäftigt sich Sergey Bogomolov in seiner Masterarbeit. Mit Hilfe eines humanoiden Roboters untersucht er die Reaktionen der Senioren auf die Maschine und die von ihr angebotene Kommunikation.

„Mich interessiert vor allem, wie sich der Roboter verhalten sollte, damit er als höflich empfunden wird“, sagt Bogomolov. Soll Reeti besser sagen „Mach’ doch einmal das Fenster auf“ oder „Ich würde jetzt das Fenster aufmachen“? Ein Roboter ist zwar nur eine Maschine. Studien haben jedoch gezeigt, dass Menschen von Robotern ein ähnliches Verhalten wie von menschlichen Gesprächspartnern erwarten.

Zum Einsatz kommt ein kleiner Roboter, der in Frankreich hergestellt wurde. Er sieht aus wie die Kreuzung zwischen einem Marsmännchen und einem Kegel. Die Wissenschaftler gaben ihm den Namen Reeti. Der Roboter verfügt über alle für die Studien notwendigen Funktionen: Mikrofon und Lautsprecher ermöglichen die Kommunikation über Sprache. LED-Lämpchen und ein bewegliches Gesicht mit großen Augen sorgen für eine emotionale Mimik.

Um die Kommunikation zwischen Mensch und Roboter lebensnah zu untersuchen, hat sich Sergey Bogomolov an verschiedene Augsburger Senioreneinrichtungen gewandt und diese um Unterstützung gebeten. Letztendlich entschied er sich für das Paritätische St.-Jakobs-Stift der Stadt Augsburg. Dort war die Bewohnerstruktur für den Versuch am besten geeignet.

Anfangs überwog die Skepsis bei den 14 beteiligten Senioren. Doch bald weckte die lustige kleine Gestalt auf dem Tisch ihr Interesse. Selbst diejenigen, die das Ganze zunächst für „Blödsinn“ hielten, fingen nach wenigen Minuten an, mit dem Roboter zu kommunizieren, berichtet Einrichtungsleiterin Justine Bohn.

Sergey Bogomolov versichert: „Wir wollen nicht den Menschen ersetzen, sondern der Roboter soll eine zusätzliche Hilfe sein.“ Durch die Senioren habe er wertvolle Erkenntnisse für seine Masterarbeit gewonnen. Sie sollen in die weitere Entwicklung der Technik einer roboterunterstützten Pflege einfließen.

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