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Zukunft

10.02.2015

Was am Gaswerk geht – und was nicht

Tobias Michl hat Zukunftspläne für das Gaswerk entworfen. Eines ist für ihn klar: Es darf keiner reiner „Künstler-Zoo“ werden.
Bild: Silvio Wyszengrad

Diplom-Geograf Tobias Michl sieht große Chancen für das Industriegelände. Er sagt aber auch, dass vorher noch einiges geschehen muss

Tobias Michl ist Augsburger. Während seines Geografie-Studiums an der Universität Augsburg hat er gelernt, über den Tellerrand hinauszuschauen, und natürlich auch über die Stadtgrenzen hinweg. Für seine Diplomarbeit wollte er aber nicht in die Ferne schweifen, sondern wählte ein Augsburger Gelände, das er sich genauer ansah: das Areal rund um den Oberhauser Gaskessel.

Er untersuchte seit 2013 die Chancen des Gaswerks-Geländes für eine kreative Stadtentwicklung und kommt zum Schluss: Das Gelände hat viel Potenzial und muss in seiner künftigen Ausrichtung aber für die gesamte Stadtgesellschaft relevant sein, sonst wird es als neuer Standort für Kultur- und Kreativwirtschaft nicht funktionieren und von der Bevölkerung nicht akzeptiert werden. „Nur den Kulturpark West umzuziehen, ist zu wenig. Das würde von der Strahlkraft her nicht in die Stadt hineinreichen“, sagt der 27-Jährige – ein reiner „Künstler-Zoo“ sei nicht erwünscht.

Das ist von der Stadt offensichtlich auch nicht gewollt. Für Entscheidungsträger und Interessenvertreter hat er aber weitere interessante Erkenntnisse herausgefunden.

So hält er eine Umsetzung der Machbarkeitsstudie für nicht zielführend. „Ich finde sie als Ideengeber hilfreich. Aber der Vorschlag, im Gaskessel Band- und Proberäume unterzubringen, ist sicherlich nicht umsetzbar. Das Industriedenkmal soll meiner Ansicht nach auch nicht im Inneren verändert, das Gelände nicht komplett verbaut werden.“ Viel wichtiger sei es, den Gaskessel als herausragendes Merkmal zu erhalten und für Besucher erlebbar zu machen. Eine Kunstaktion, wie zuletzt das Geheimherz des katalanischen Künstlers Jaume Plensa, würde neues interessiertes Publikum auf das Gelände bringen.

Für seine Arbeit hat Tobias Michl Experten-Interviews mit 14 Gesprächspartnern aus der Stadtverwaltung, den Stadtwerken und mit Künstlern und Kreativwirtschaftlern geführt.

Er verfolgte auch den moderierten Prozess der Zukunftswerkstatt, leitete bei der Abschlussveranstaltung Mitte November 2014, bei der rund 100 Interessenvertreter und städtische Mitarbeiter über die Zukunft des Gaswerk-Areals diskutierten, einen Thementisch.

Tobias Michl: „Dabei habe ich festgestellt, dass es bereits viele sehr interessierte Mitglieder aus der Kultur- und Kreativwirtschaftsszene gibt, die in den Startlöchern stehen und gerne mit ihrem Büro oder Start-up auf das Gelände ziehen würden. Was aber fehlt, ist Planungssicherheit und ein Ansprechpartner. Das ist als nächster Schritt genauso wichtig wie die Festlegung eines Betreiberkonzepts und die Erstellung eines Bebauungsplans.“

Was ebenfalls bislang fehlt, sei eine Netzwerk-Analyse. Welche Berufszweige können zusammen arbeiten, voneinander profitieren. Michl: „Ein Softwareentwickler kann mit einem bildenden Künstler wahrscheinlich nicht so viel anfangen, aber vielleicht mit einem darstellenden Künstler?“ Das gelte es herauszufinden.

Kreative Quartiere, wie in Karlsruhe (Kreativpark Alter Schlachthof) und Amsterdam (NDSM-Werft und Westergasfabrik) hätten bewiesen, dass es funktionieren kann, führt er in seiner Arbeit an. Teilweise auch so erfolgreich, dass aus städtischen Betreibergesellschaften nach ein paar Jahren privatwirtschaftliche wurden.

Davon ist Augsburg aber noch weit entfernt. Was in seinen Augen ebenfalls fehlt, ist ein integriertes Gesamtkonzept, das auf die kommenden zehn Jahre angelegt ist und sich sukzessive und flexibel entwickeln kann. Wenn der Moderator der Zukunftswerkstatt Bastian Lange nun, wie angekündigt, Ende Februar, Anfang März die Ergebnisse der Workshops und der Abschlussveranstaltung im Stadtrat vorstellen werde, dann müsse es auch eine öffentliche Veranstaltung dazu geben. „Der Prozess darf nicht in den Tiefen der Politik und Verwaltungsebene weiter diskutiert werden, sondern muss ein Öffentlicher bleiben“, betont er.

Lassen sich Industrie-Areale mit der Bahn verbinden?

Inzwischen arbeitet der Diplom-Geograf am Lehrstuhl für Humangeografie an der Universität Augsburg und entwickelt weitere Visionen. Etwa, wie das Gaswerks-Gelände, das sich in einer „Insellage“ befindet, besser vernetzt werden kann. „Über das Netz der Bundesbahn als auch das der Localbahn könnten verschiedene Areale, wie das Gaswerk, Riedinger Park, Textilviertel oder den Bahnpark miteinander verbunden werden“, überlegt er. Solch eine Vernetzung könnte weitere Impulse geben.

Das ist allerdings alles Zukunftsmusik. Ob er den glaube, dass in naher Zukunft, also bis 2017, der Kulturpark West auf das Gaswerks-Gelände ziehen könnte? „Nein, das halte ich für ausgeschlossen“, so der Diplom-Geograf.

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