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Medizin

03.12.2018

Was bedeutet die Uni-Klinik für die Patienten?

Das Klinikum wird zum Jahreswechsel zur Uni-Klinik.
Bild: Ulrich Wagner

Pro Augsburg befürchtet, dass die Versorgung in den Hintergrund rücken könnte. Die Mitarbeiter denken, dass es Mehrarbeit geben könnte. Klinikum und Wissenschaftsministerium sehen das anders

Wenn das Klinikum zum Jahreswechsel zur Uni-Klinik wird, dann wird Augsburg im Kreis der bayerischen Uni-Klinik-Städte eine besondere Stellung einnehmen: Anders als in München, Erlangen, Regensburg und Würzburg wird es in Augsburg kein zweites Krankenhaus geben, das im 24-Stunden-Betrieb Erwachsenen-Notfälle aufnehmen kann. Pro-Augsburg-Stadtrat und Arzt Rudolf Holzapfel sieht darin ein Problem: Die Notaufnahme des Klinikums sei momentan mit jährlich etwa 90000 Patienten ohnehin an der Grenze. „Durch die Uni-Klinik wird sich der Patientenzustrom noch erhöhen, und zusätzliches Personal ist auf dem leer gefegten Markt für diese Fachkräfte allenfalls mittelfristig zu bekommen“, sagt Holzapfel. Es fehle ein zweites Haus, das die Kerndisziplinen Chirurgie und Innere Medizin rund um die Uhr anbietet. Er fürchtet, dass Forschung und Lehre zulasten der Grundversorgung stattfinden.

Auch beim Personal des Klinikums machen sich manche Mitarbeiter Gedanken, wie das alles in der Praxis vereinbar sein wird, sagt Personalratsvorsitzende Eva-Maria Nieberle. Das Pflegepersonal frage sich, ob es Mehrarbeit geben könnte, wenn die Stationen in den Lehr- und Forschungsbetrieb einbezogen werden. Und auch bei den Ärzten frage sich mancher, ob es genug Stellenzuwachs für die Lehre geben werde, zumal die Studenten im Modellstudiengang von Anfang an mehr auf den Stationen unterwegs seien.

„Der Aufbau von Forschung und Lehre wird nicht zu Lasten der Krankenversorgung erfolgen“, kontert eine Sprecherin des Wissenschaftsministeriums. Man gehe davon aus, das zusätzlich nötige Personal für Forschung und Lehre gewinnen zu können. Ein Verschieben von Mitarbeitern aus dem Bereich Krankenversorgung in Richtung Forschung und Lehre werde es ohne deren Willen nicht geben. Auch das Klinikum und die Stadt Augsburg erklären, dass die Grund- und Regelversorgung für die Bevölkerung nach dem 1. Januar ohne Einschränkungen weiterläuft. Die bisherigen Klinikträger Stadt und Landkreis Augsburg haben dies so mit dem Freistaat vertraglich geregelt – andernfalls hätte in Augsburg ein weiteres Krankenhaus mit geringerem Versorgungsstandard gebaut werden müssen, oder es hätte eine Vereinbarung mit einem der Belegkrankenhäuser erzielt werden müssen.

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Denn prinzipiell sind die Städte und Landkreise dafür verantwortlich, die medizinische Grundversorgung für die Bevölkerung sicherzustellen. Bundesweit wird Augsburg auch nicht die einzige Stadt sein, in der eine Uni-Klinik die Grundversorgung übernimmt. Dass es in Augsburg so kommt, liegt auch an historischen Gegebenheiten – die Uni-Klinik wird hier nicht neu gegründet, sondern tritt an die Stelle des kommunalen Krankenhauses.

Allerdings gibt es am Klinikum seit Jahren durchaus Überlegungen, künftig stärker mit anderen Krankenhäusern in der Umgebung zusammenzuarbeiten. Ein Ansatz wäre, Schwerpunkte zu bilden – mit der Folge, dass die künftige Uni-Klinik sich verstärkt um Patienten mit schwereren Krankheitsverläufen kümmert, ohne sich aber aus der Grundversorgung zu verabschieden. Die Wertachkliniken, die der Landkreis Augsburg für die Bevölkerung im südlichen Augsburger Land betreibt, haben dafür schon angekündigt, sich durch die Uni-Klinik-Werdung des Klinikums in ihre Rolle als Grundversorger gestärkt zu sehen.

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03.12.2018

Insbesondere die Klinik in Bobingen sollte da ausgebaut werden. Zwischen der Stadtgrenze Augsburg und dem Krankenhaus in Bobingen liegen nur ein paar Felder, über die B17 ist es für die südlichen Stadtteile Augsburgs teilweise sogar schneller erreichbar als das ZK.

Und mit den neuen Möglichkeiten der sogenannten Telemedizin, die passenderweise im Rahmen der Medizininformatik einen Schwerpunkt der neuen Uniklinik Augsburg bilden soll, ist die Entfernung zwischen ZK und Krankenhaus Bobingen ohnehin vernachlässigbar.

Mithin könnte hier das Notwendige mit dem Praktischen verbunden werden, das ex Zentralklinikum könnte, im Verbund mit kleinen Krankenhäusern der Umgebung, modellhaft erforschen wie weit Telemedizin zur Bündelung von Fähigkeiten zwischen großen und kleinen Krankenhäusern dienen kann.

Ich finde diesen Ansatz sehr spannend!

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