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Was bringen Söders "Geschenke" für Augsburg?

Kommentar Von Nicole Prestle
18.01.2020

Plus Eine neue Behörde und 600 zusätzliche Studienplätze sollen Augsburg aufwerten. Doch diese Veränderungen allein können nicht den notwendigen Strukturwandel bewirken.

Es gab Zeiten, und die sind nicht lange her, da wurde Augsburg von München mit reichlich Geschenken bedacht: Es bekam eine Uniklinik und ein Staatstheater, das mit einem Zuschuss im höheren dreistelligen Millionenbereich vom Freistaat Bayern saniert werden kann. Obendrauf flossen weitere Millionen für die maroden Schulen dieser Stadt. Als Kurt Gribl vergangenes Jahr seinen Rückzug aus dem Amt bekannt gab, fürchteten Politik-Kenner, diese Zeit könnte vorbei sein: Gribl galt als enger Vertrauter von Ex-Ministerpräsident Horst Seehofer, die CSU-Politiker hatten Uniklinik und Staatstheater eingefädelt. Zu Seehofers Nachfolger Söder war Gribls Draht nicht so gut – und wer weiß, wie es nach Gribl werden würde …

Diese Woche nun zeigte: Auch der „neue“ Ministerpräsident hat Augsburg auf dem Schirm. Die Stadt bekommt 600 neue Studienplätze und eine Zweigstelle des bayerischen Bau- und Verkehrsministeriums mit rund 200 Mitarbeitern. Auch wenn Schwaben damit nicht so gut bedacht wird wie andere Regierungsbezirke, sind beide Entscheidungen zu begrüßen.

Söder strukturiert mitten im Kommunalwahlkampf um

Söders Umstrukturierungen mitten in der heißen Phase des Kommunalwahlkampfs sind nicht schwer zu interpretieren: Mit der CSU an der Spitze, so darf man es übersetzen, geht es auch den strukturschwächeren Regionen Bayerns gut. Beim Neujahrsempfang der Augsburger CSU vergangenes Wochenende hatte Söder die Lage ebenfalls deutlich gemacht: Sollte die Augsburger CSU-OB-Kandidatin Eva Weber gewinnen, könnte die politische Freundschaft zwischen München und Augsburg nahtlos so weitergehen, wie sie zu Zeiten Gribls und Seehofers bestand. Kommunalwahlkampf also auf höchster bayerischer Ebene.

Doch was bringen Söders aktuellste Entscheidungen für Augsburg? Noch ist das schwer zu sagen, weil man weder weiß, wo die Mitarbeiter des Bauministeriums einmal ihre Büros haben werden, noch – und das ist viel interessanter – wo sie leben werden. Bekommt Augsburg neue Bürger oder eine Reihe neue Pendler?

Auch Jahrzehnte nach dem Niedergang der Textilindustrie ist Augsburg stark von dieser Zeit geprägt. Dass in der Branche vor allem Menschen mit geringeren Einkommen beschäftigt waren, wirkt sich bis heute auf die Sozialstruktur der Stadtgesellschaft aus: Das Durchschnittseinkommen je Einwohner ist in Augsburg geringer als andernorts im Freistaat, die Renten ebenso. Diese und andere Fakten haben der Stadt in Studien schon öfter den Beinamen „Armenhaus Bayerns“ eingebracht.

Augsburg braucht mehr hoch dotierte Arbeitsplätze

Ändern könnte sich das, würden sich in Augsburg bald mehr Menschen mit gut dotierten Arbeitsplätzen niederlassen. Arbeitsplätze, die bestenfalls in der eigenen Stadt angeboten werden. Insofern ist die Verlagerung eines Teils des Bauministeriums ein guter Ansatz. Doch eine Behörde mit 200 Mitarbeitern genügt nicht, um die Struktur einer Gesellschaft zu verändern.

Hier kommen die 600 neuen Studienplätze ins Spiel, die Augsburgs Hochschulen seit Langem gefordert hatten: Sie entstehen in neuen Fakultäten und Studienfächern und machen die Stadt als Studienort attraktiver. Auch das seit Herbst angelaufene Medizinstudium wurde sehr gut angenommen. Die Frage wird jedoch sein, ob Augsburg den Studenten nach ihrem Abschluss gut bezahlte und inhaltlich anspruchsvolle Arbeitsplätze bieten kann. Ist dies nicht der Fall, werden die jungen Akademiker in andere Städte abwandern. Augsburg hätte nur kurze Zeit von ihnen profitiert.

Der Freistaat kann den Strukturwandel in der Stadt durch (finanzielle) Förderungen und Behördenverlagerungen allenfalls unterstützen. Wandeln muss sich Augsburg aus eigener Kraft und mit guten Ideen für drängende Probleme wie beispielsweise den Wohnungsmarkt mit seinen überteuerten Mieten.

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