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Verkehr

20.07.2018

Was bringt die Osttangente für Augsburg?

Dieses Protestschild haben Osttangenten-Gegner neben der B2 zwischen Friedberg-Lindenau und dem Schwabhof aufgestellt.
Bild: Peter Kleist (Archiv)

Die Stadt äußert sich erstmals inhaltlich zum Straßenbauprojekt im Osten. Die Politiker begrüßen mehrheitlich das Konzept. Die Grünen sind sauer.

Eineinhalb Jahre, nachdem die konkreten Planungen für eine Osttangente im Augsburger Osten von der Autobahn bis nach Mering (und in einem weiteren Abschnitt bis nach Königsbrunn) angelaufen sind, äußert sich die Stadt Augsburg erstmals inhaltlich zu den Planungen. Die Botschaft: In der Summe werden die Pläne begrüßt, weil die Osttangente die heute schon verstopfte B17/Westtangente von Verkehr entlasten würde. Das Thema kam gestern im Bauausschuss des Stadtrates auf Antrag der Grünen auf die Tagesordnung – sie lehnen die Pläne ab. Allerdings waren sie im Gremium die einzigen. Die Mehrheit der Stadträte begrüßte die Pläne, weil sie sich eine verkehrliche Entlastung fürs Stadtgebiet versprechen.

Faktisch hat der Beschluss wenig Wirkung. Bei der Osttangente handelt es sich um ein staatliches Bauprojekt, bei dem die Stadt im Verlauf der Planung wie andere Gemeinden, Ämter und Verbände später eine offizielle Stellungnahme abgeben wird. Zum allergrößten Teil läuft die Ostumgehung auf dem Gebiet des Landkreises Aichach-Friedberg.

Mit der Osttangente soll die B17 entlastet werden

Wie berichtet laufen die Untersuchungen zur Osttangente im staatlichen Bauamt. Der Bund hatte als Begründung für das Projekt angeführt, dass auf diese Weise die B17 entlastet werden soll. Eine Erweiterung der B17 auf drei Spuren sei angesichts der beengten Verhältnisse im Stadtgebiet, wo die Straße zwischen Lärmschutzwänden tiefergelegt geführt wird, nicht möglich. Das sieht auch die Stadt so.

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Die Leistungsfähigkeit der B17 sei heute bereits voll ausgeschöpft, so Baureferent Gerd Merkle (CSU). Beim Bau waren 40.000 Fahrzeuge pro Tag prognostiziert, inzwischen sind des mehr als doppelt so viele. „In der Innenstadt vermüllt die Blechflut von Autos die Straßen. Da kann man versuchen, sie rauszubekommen“, so Merkle. Im überörtlichen Verkehr führten solche Überlegungen aber ins Leere. Auf die Ansiedlung von Logistikzentren in Graben beispielsweise habe die Stadt keinen Einfluss gehabt. Mit dem Verkehr müsse sie zurechtkommen. „Die Bequemlichkeit von uns allen, die wir die Waren an die Haustür geliefert haben wollen, erzeugt Verkehr auch in Augsburg“, so Merkle. Man müsse zumindest versuchen, die Lkw vom Stadtgebiet fernzuhalten. Eine Entlastung der B17 schaffe auch städtebaulich neue Perspektiven. So ließe sich bestehender Verkehr aus Inningen, Göggingen und Bergheim dann wieder auf die B17 verlagern, wenn diese Reserven gewinne. „Dann kann man neue Visionen für die Entwicklung dieser Stadtteile entwickeln“, so Merkle. Ein Beispiel sei die Bgm.-Aurnhammer-Straße in Göggingen, bei der Geschäftsleute und Bürger eine Neugestaltung wünschen.

Auch Stadträte von CSU, SPD und Pro Augsburg betonten die Chancen einer Osttangente. Möglicherweise ließe sich dann die alte B17 in Haunstetten wieder auf zwei Spuren verschmälern, so Margarete Heinrich (SPD). Schon jetzt hätten die südlichen Stadtteile mit Ausweichverkehr zu kämpfen, sobald es auf der B17 zu Staus komme, so Beate Schabert-Zeidler (Pro Augsburg). Die Grünen hielten massiv dagegen. Mit einer Osttangente begebe sich die Stadt künftig auch am Ostrand „in den Würgegriff des Verkehrs mit allen Emissionen“, so Cemal Bozoglu. Wer hoffe, durch neue Straßen Verkehrsentlastung zu erzielen, verkenne Ursache und Wirkung. „Die Probleme, die es jetzt in den westlichen Stadtteilen gibt, die von Ausweichverkehr der B17 betroffen sind, wird es für unsere Kinder einmal auch in den östlichen Stadtteilen geben, weil Ausweichverkehr von der Osttangente in die Stadt strömen wird.“ Wer Straßen baue, werde mehr Verkehr ernten.

Der Abschnitt von Mering nach Königsbrunn gilt als sensibel

Das Tiefbauamt sieht grundsätzlich die Chancen zur Entlastung, verweist aber darauf, dass genau untersucht werden müsse, ob östliche Hauptverkehrsstraßen künftig nicht mehr Verkehr abbekommen könnten. Das Grünamt äußert sich ablehnend und verweist auf den Flächenverbrauch einer vierspurigen Trasse. Auch wenn noch unklar sei, ob, wann und wo die Trasse von Mering bis Königsbrunn durchgezogen werde, sehe man die Nähe zu geschützten Waldgebieten und möglicherweise zum Trinkwasserschutzgebiet problematisch. Absehbar sei, dass die Straße weitere Gewerbegebiete anziehen werde. Das werde es auch für Augsburger Bauern schwierig machen, Pachtflächen außerhalb zu finden.

Die Osttangente soll die B17 entlasten.
Bild: AZ-Infografik

Wie berichtet laufen beim Staatlichen Bauamt aktuell die Vorplanungen für den Bereich zwischen Autobahn und Mering. Die Überlegung ist, die Trasse ab der Autobahn-Anschlussstelle Friedberg über die AIC25 neu und dann über den Chippenham-Ring in Friedberg laufen zu lassen, bevor sie auf die jetzige B2 kommt. Um Kissing und Mering zu entlasten, wird die Trasse von den Orten in Richtung Bahnlinie weggeführt.

Unklar ist noch, wie es von Mering nach Königsbrunn weitergeht. Dieser Abschnitt gilt als sensibel. Neben der Überlegung, die Trasse in verbreiterter Form auf der bisherigen Verbindungsstraße laufen zu lassen (rote Trasse in der Grafik), gibt es auch die Überlegung, weiter südlich auf Höhe Oberottmarshausen den Lech zu queren.

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