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Augsburg

07.04.2019

Was das neue Sozialkaufhaus in Augsburg alles bietet

Sie betreiben in der Steinernen Furt 55 das neueste Sozialkaufhaus Augsburgs: Ines Büßler, Stefanie Riegel, Barbara Hofmann, Rosmarie Muser (vorn von links), Gerhard Skrapar und Martin Riegel (hinten von links).
Bild: Michael Eichhammer

Im Osten der Stadt Augsburg gibt es nun eine Einkaufsmöglichkeit in der Steinernen Furt in Lechhausen. Als Kunden sind nicht nur Bedürftige in der Niederlassung gerne gesehen.

Seit Montag, 1. April, hat Augsburg ein weiteres Sozialkaufhaus. Der Besucherandrang war gleich zur Eröffnung um 12 Uhr mittags groß. „Der Bedarf ist da, das zeigt auch der städtische Armutsbericht“, erklärt Florian Vierling, Sozialarbeiter bei der Arbeitshilfe 2000. Die gemeinnützige Arbeitsprojekt-GmbH betreibt auch das bekannte Sozialkaufhaus im Bärenkeller. Im Osten Augsburgs gab es bis dato noch keine vergleichbare Einrichtung, so Vierling. Aus einem weiteren Grund schließt das neue Sozialkaufhaus eine Lücke: Das Riedinger Schnäpple war aufgrund von Brandschutzauflagen nicht mehr öffentlich zugänglich, daher wurde eine Ausweichfläche gebraucht. Nachdem der Vormieter der Halle, ein Blumengroßhandel, auszog, lag die Lösung im doppelten Wortsinn nah: Der zusätzliche Vollsortimenter für sozial Schwächere liegt an der Steinernen Furt 55 direkt bei der Zentrale der Arbeitshilfe 2000.

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Mehr als Möbel und Mode

„Ein bisschen kleiner als das Kaufhaus im Bärenkeller“, beschreibt die Leiterin Stefanie Riegel das neue Sozialkaufhaus in Lechhausen. Sie kann das gut beurteilen, denn früher betreute sie die Filiale im Bärenkeller. Stolz sind die Betreiber des frisch eröffneten Sozialkaufhauses in Lechhausen darauf, dass sie hier ausreichend Parkplätze anbieten können sowie Außenflächen, um einen Teil der Waren auch Outdoor zu präsentieren. Nicht nur Möbel und Kleidung werden angeboten, sondern alle erdenklichen Warengruppen. Schon beim Eröffnungstag sind die Regale und Kleiderständer voll bestückt. Zwar stammt ein Teil der Erstbestückung auch aus Artikeln aus dem ehemaligen Großlager des Riedinger Schnäpple, doch die Mehrheit setzt sich zusammen aus dem täglichen Warendurchsatz durch die Haushaltsauflösungen, welche die Arbeitshilfe 2000 durchführt. Dazu kommen Artikel von Menschen, die ihre nicht mehr benötigten Produkte lieber spenden wollen, anstatt sie einfach wegzuwerfen. Der Frühjahrsputz sei ein guter Zeitpunkt, um auch unter diesem Aspekt den eigenen Bestand zu durchforsten, weiß Stefanie Riegel. Als Spenden besonders gern gesehen sind Markenkleidung, Bettwäsche, Schuhe – alles, was in den Textilbereich geht. „Derzeit werden natürlich luftige Sachen für den Sommer gesucht“, so Stefanie Riegel. Wer gleichzeitig den eigenen Kleiderschrank ausmisten und etwas Gutes tun will, kann seine Gebrauchtwaren zu den Öffnungszeiten vorbeibringen. Wer sperrige Gegenstände wie Möbel spenden will, sollte vorab ein Foto davon schicken. Bei Interesse holen die Betreiber des Sozialkaufhauses dieses auf Wunsch kostenlos ab.

Etwas ganz Bestimmtes suchen die wenigsten Kunden. „Das ist hier eher wie ein Flohmarkt“, findet Claudia M. Sie hat sich vorgenommen, am nächsten Tag wieder vorbei zu schauen. Diesmal allerdings nicht als Käuferin, sondern als Spenderin. Wolfgang Schneider dagegen ist aus einem bestimmten Grund hier: Der Schallplattensammler hofft im Sozialkaufhaus auf Schnäppchen und rare Tonträger. Eine Single kostet 50 Cent, eine Langspielplatte einen Euro. Dass neben Bedürftigen auch Kunden kommen, die sich hochpreisige Neuware eigentlich leisten könnten, wird von den Betreibern nicht nur geduldet, sondern ist im Gegenteil sehr willkommen: „Es ist für jeden etwas dabei und wir sind für jedermann offen“, sagt Stefanie Riegel. Wenn beispielsweise bei der Hausräumung einer älteren Dame alte Gegenstände zutage kommen, für die Bedürftige keine Verwendung hätten, wohl aber ein Sammler auf der Suche nach Fundstücken, haben alle Seiten etwas von einem Besuch im Sozialkaufhaus, so die Betreiberin. „Wenn am gleichen Tag Bedürftige günstig Kleidung kaufen und ein Sammler eine Rarität ersteht, für die man auch mehr Geld verlangen kann, hilft uns das dabei, die Nebenkosten wie Miete, Strom und Personalkosten abzudecken“, erklärt Stefanie Riegel. Insofern unterstützen nicht nur Menschen das Projekt, die ihre nicht mehr benötigten Waren spenden, sondern auch jeder Käufer.

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Arbeitshilfe 2000 unterstützt Menschen

Der Erlös unterstützt unter anderem die Bezahlung der Mitarbeiter. Wie der Name Arbeitshilfe 2000 andeutet, ist ein Ziel des Projekts, Menschen zu unterstützen, die aus unterschiedlichsten Gründen Schwierigkeiten haben, mit geregelten Arbeitsabläufen zurecht zu kommen – von psychischen und physischen Problemen über Obdachlosigkeit bis zur Straffälligkeit. Laut Florian Vierling ein einzigartiges Konzept in Deutschland. „Der Erfolg gibt uns recht: Viele haben es danach aus eigener Kraft zurück in den ersten Arbeitsmarkt geschafft“, erklärt der Sozialarbeiter.

Die Preisgestaltung im Sozialkaufhaus erfolge meist „aus dem Bauchgefühl“ während des Vorsortierens, berichtet die Leiterin Stefanie Riegel. Bei außergewöhnlichen Stücken recherchiert sie gern im Internet – sei es, um herauszufinden, wie vergleichbare Gegenstände gehandelt werden oder bei Bedarf auch mal, um zu klären, für welche Zwecke das unidentifizierte Verkaufsobjekt überhaupt gedacht ist.

Das Sozialkaufhaus in Lechhausen befindet sich in der Steinernen Furt 55. Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Freitag zwischen 12 und 17 Uhr, am Samstag von 10 bis 14 Uhr. E-Mail: service@arbeitshilfe2000.de

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