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Augsburg

28.01.2019

Was der neue Revier-Chef zur Situation in der Innenstadt sagt

Dirk Schmidt ist der neue Leiter des Innenstadt-Reviers der Augsburger Polizei.
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Dirk Schmidt ist der neue Leiter des Innenstadt-Reviers der Augsburger Polizei.
Bild: Silvio Wyszengrad

Dirk Schmidt ist der neue Chef des Innenstadt-Reviers der Polizei in Augsburg. Im Interview erzählt er, wie er das Thema „Holl-Platz“ sieht und was ihn besorgt.

Herr Schmidt, Sie sind jetzt seit etwa einem Vierteljahr Chef des Innenstadtreviers der Polizei. Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen?

Dirk Schmidt: Die Lage der Inspektion ist geprägt durch eine enorme Arbeitsbelastung in allen Bereichen, aber auch durch große Motivation. Es ist eine leistungsbereite, funktionierende Dienststelle. Was ich beunruhigend finde, ist die teilweise wie aus dem Nichts auftretenden Gewaltausbrüche der Menschen sowohl untereinander, also auch der Polizei gegenüber, gerade im Nachtleben. Gut finde ich die Zusammenarbeit mit der Stadt Augsburg. In den wesentlichen Punkten ziehen wir an einem Strang.

Sie leiten ein Revier, das im besonderen Fokus steht. Was haben Sie sich vorgenommen?

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Schmidt: Zunächst einmal: Mich gründlich einzuarbeiten. Dann wird es darum gehen, die Dienststelle gut weiterzuentwickeln. Meine Aufgabe wird es auch sein, mich für die Kollegen einzubringen – für sie da zu sein, das halte ich für selbstverständlich. Und natürlich geht es darum, die täglichen Herausforderungen anzunehmen und unserem Auftrag gerecht zu werden, für die Bürger eine sichere, lebenswerte Innenstadt zu garantieren, in der sich die Menschen frei entfalten können.

Ein Thema der vergangenen Monate waren die öffentlichen Plätze in der Innenstadt, für die Ihre Inspektion zuständig ist, etwa der Königsplatz mit der eingeführten Videoüberwachung, oder der Elias-Holl-Platz. Wie schätzen Sie da jeweils die Lage ein, gibt es schon so etwas wie ein Zwischenfazit?

Schmidt: Beim Thema Videoüberwachung wäre es noch zu früh und unseriös, ein Fazit zu ziehen. Wir machen unsere ersten Erfahrungen damit. Die, so viel lässt sich sagen, sind durchaus positiv. Die Videoüberwachung ließ uns einige Sachverhalte früher erkennen, sie ersetzt aber nicht den Polizeibeamten vor Ort. Darüber hinaus wird sie Einsatz und Arbeit kosten. Wir nehmen einige Dinge besser wahr, die uns vorher so nicht aufgefallen wären. Aber das ist ein allererster Eindruck, auch von einem Zwischenfazit sind wir noch weit weg.

Und was ist mit dem Holl-Platz? Gerade ist es ruhig, aber in der wärmeren Zeit beklagten Anwohner aus ihrer Sicht unzumutbare Zustände.

Schmidt: Es fand zuletzt auf Einladung der Stadt Augsburg der erste Workshop statt, in dem die Vorschläge des Bürgertalks aus dem November diskutiert wurden. Aus meiner Sicht ist das Thema ernsthaft angegangen worden; man hat sich der Situation gestellt und die Sorgen der Anwohner werden ernst genommen. Es gibt ein wirkliches Bemühen, eine angemessene, gute Lösung zu finden.

Nun ist es so, dass auf dem Holl-Platz kaum Straftaten stattfinden, auf anderen Plätzen hingegen regelmäßig, auf dem Kö etwa, oder dem Haller-Platz in Oberhausen.

Schmidt: Das stimmt, man muss schon sehen, wo der Holl-Platz im Vergleich zu anderen Plätzen steht, aber wie gesagt, es gilt, die Sorgen der Anwohner aufzugreifen. Gleichzeitig gilt aber: Wir sind eine Stadt, in deren engerem Einzugsraum etwa 400000 Menschen leben, und in einer Großstadt gibt es Licht und Schatten. Wir haben die Plätze in der Innenstadt im Blick, unser Ziel ist es für jeden Ort eine angemessene und verhältnismäßige Lösung zu finden. Ein Übermaß an Präsenz und Überwachung ist auch keine.

Wie ist die personelle Situation im Innenstadtrevier?

Schmidt: Wir wünschen uns selbstverständlich Personalzuwachs. Unsere Situation ist aber dem Präsidium bewusst und wir bekommen von dort auch Unterstützung. Wir können unserem Auftrag gerecht werden, aber natürlich wäre es absolut wünschenswert, die Belastung auf mehr Schultern innerhalb unserer Dienststelle zu verteilen. Wie in anderen Dienststellen auch liegen wir derzeit deutlich unter unserer eigentlich planmäßigen Stärke, dies ist aber kein singuläres Phänomen. Durch die kontinuierlich bayernweit steigenden die Einstellungszahlen erhoffen wir uns in absehbarer Zeit Besserung. Aber die Polizisten müssen erst einmal ausgebildet werden.

Leben Sie selbst in der Innenstadt und haben Sie hier einen Lieblingsplatz?

Schmidt: Ja, seit 2010. Aber einen Lieblingsplatz habe ich gar nicht – und das ist positiv gemeint. Ich lebe gerne in Augsburg, und zwar rundum.

Zur Person: Dirk Schmidt, ist 52 Jahre alt und neuer Chef des Innenstadtreviers der Augsburger Polizei. Der Leitende Polizeidirektor ist in Nördlingen geboren und war in früheren Stationen unter anderem stellvertretender Leiter der Augsburger Kripo und Leiter der Kriminalpolizeiinspektion für Zentralaufgaben – die hiesige Dienststelle für Organisierte Kriminalität. Zuletzt war er mehrere Jahre im Innenministerium tätig.

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