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Augsburg

22.04.2019

Was die Augsburger zu Bob Dylan treibt

Bob Dylan spielte am Karsamstag in Augsburg.
Bild: Foto: Domenech Castello, efe, dpa

Für ein Konzert von Bob Dylan nehmen Fans weite Wege auf sich. Sie fachsimpeln nach dem Gig sogar im VGA-Bus und freuen sich über ein Lächeln des Stars.

Paris, Passau, München, Schwäbisch Hall, Wuppertal oder Berlin. Für einen Abend mit Bob Dylan ist dem Fan kein Weg zu weit. Wie für Achim Tullius und seine Frau. Sie sind aus Boppard (Rheinland-Pfalz) gekommen, das Wort Fan ist nicht ganz passend, eher Forscher des Dylan-Kosmos. Der 62-Jährige hat viele Auftritte des 77-jährigen Poeten gesehen, kennt alle Platten, alle Texte und weiß: „In Augsburg war Dylan richtig gut drauf“. Er habe auf der Bühne sogar gelächelt, eine Seltenheit, so Tullius, dessen 94. Konzert das Fuggerstädter war, ein paar Tage zuvor war er auf dem denkwürdigen Gig in Wien, als Dylan mit Abbruch droht, weil Besucher bei der Zugabe Handys zückten. In Augsburg wagt das keiner, schließlich ist es streng verboten.

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Als eine Berlinerin, nach dem Konzert im Bus 41 auf dem Weg in die Innenstadt, sagt, dass der Abend grottenschlecht gewesen sist, gibt es sofort hitzige Diskussionen. Zumal die Frau gesteht, zum ersten Mal Dylan live gehört zu haben. Sie habe die Songs kaum erkannt. Über so viel Ignoranz gerät der Mann aus Rheinland-Pfalz in Rage „Um ihn genießen zu können, muss man sich vorbereiten“, denn „es sind Messen, keine Konzerte“, die Veränderung seiner Lieder Markenzeichen des Künstlers.

Sie sind fast 400 Kilometer zum Dylan-Konzert gefahren

Mit zehn Terminen kann Walter Hartwig punkten. Fast 400 Kilometer ist er und seine Frau Waltraut gefahren, hat auf ebay 185 Euro bezahlt und ist hochzufrieden. „Es war musikalisch astrein“, nur beim Mittelteil habe es zeitweise vor sich hingeplätschert. Schon als 16-Jähriger hat der 69-Jährige diesen Poeten entdeckt, Platten gekauft, Tonbänder aufgenommen und sein Taschengeld investiert. „Er hat mich und viele andere mit seinen Texten und seiner Musik beeinflusst“. Dass Dylan sogar den Literaturnobelpreis bekommen hat, findet er gut und richtig. Da die Konzerte immer mitgeschnitten und in den USA als Botlegs angeboten werden, ist der Erwerb dieser Platte die nächste Investition.

Was die Augsburger zu Bob Dylan treibt

Bereits 25 Mal hat Udo Legner, Lehrer am Maria-Theresia-Gymnasium, dem Mann mit der unverwechselbaren Stimme gelauscht. „Ich bin mit dem Zug aus Paris gekommen, da dort meine Freundin lebt“. Jedes Lied in der Schwabenhalle hat eine besondere Intensität, „es ist eines der Topkonzerte“ ist sich der Pädagoge sicher, der am 24. Mai wie auch Dylan Geburtstag hat.

Das ist bei Ronja (33) und Tom Dittrich (68) nicht der Fall. „Bei uns ist es eine Vater-Tochter-Geschichte“ so die Dittrichs. Der ehemalige Besitzer des Liliom, der immer auch Musik gemacht hat, schenkte seiner Tochter zum 18. Geburtstag die erste Dylan-Konzertkarte. Seitdem gehen sie zusammen zum „Meister“ und genießen die Atmosphäre, das gedämpfte Licht, den perfekten Sound. Und werden wieder beim nächsten Gig in der näheren Umgebung dabei sein.

Wie auch Raimund Spies. Aus einem Guss, so die Reaktion des Augsburgers, der auf sechs Konzerte kommt. Er ist mit Freunden gekommen, da gehe es dann immer darum, wer zuerst ein Lied erkennt. Denn Dylan liebt die Verfremdung, den Rhythmuswechsel und Ansagen gibt es schon gar nicht.

Götz Beck hat Bob Dylan schon einmal getroffen

Das stört Götz Beck, Tourismusdirektor der Regio nicht. Er hatte mit Dylan sogar mal zu tun. Als er in Bad Mergentheim Anfang der 90er für die Stadt ein großes Open Air mit 5000 Besuchern veranstaltete. „Ich habe ihn dort getroffen, er ist an mir allerdings schweigend vorbeigegangen“. Trotzdem spürte er die große Ausstrahlung des Mannes. Und die Eintrittspreis waren damals schon ziemlich hoch, allerdings auch die Gage des Künstlers. Halt ein teurer Kultstar.

Das lässt Rudolf Mahl kalt. Er ist nicht begeistert. Der Aichacher, mit 15 Freunden angereist, trinkt während des Auftritts ein Bier in der Vorhalle „Heute ist er sehr unpräzise, ein einziger Kaugummi“. Sechsmal hat er ihn gehört, den Auftritt in der Schwabenhalle findet er schlecht.

Das kann Franky nicht beurteilen, er bleibt vor der Halle. Der Liedermacher, der außer seinem Vornamen nichts über sich verraten will und den die Berlinerin so wunderbar authentisch findet. Vor dem Konzert wird er von Sicherheitsleuten vertrieben, nach dem Konzert singt er, ausgestattet mit Gitarre, Mundharmonika und kleinem Verstärker auf dem Platz Song um Song, und zwar in Versionen, wie man sie aus den 60ern kennt. Die Tickets für den Meister kosteten zwischen 100 und 140 Euro, Franky hofft auf Spenden und die fließen reichlich, sein Auftritt hat sich gelohnt.

Nicht so für die Ticketverkäufer, die darauf hoffen, gehortete Billets für einen höheren Preis an die Frau oder den Mann verkaufen zu können. Vergeblich. So kosten kurz vor Beginn des Auftritts die 100-Euro-Tickets nur noch die Hälfte.

Denn der Fan, der von weither anreist, hat seine Karten. Viele haben dann in der Fuggerstadt übernachtet und kommen am nächsten Tag ins Brechthaus, normalerweise kein Hotspot der Stadt. Karin Kurzendörfer an der Kasse hat alle Hände voll zu tun. Viele stellen Fragen und informieren sich über den Augsburger Dichter, der für Dylan so wichtig ist. Dieser wird allerdings, was sich mancher doch erhofft, im Haus in der Altstadt nicht gesichtet.

Lesen Sie auch den Konzertbericht von Franz Neuhäuser: Bob Dylan in Augsburg: Dieser Musiker will einfach nur spielen

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