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Augsburg

23.10.2017

Was die Genuss-Esser empfehlen

Helmut Hengelmann setzt in seinem Restaurant Kappeneck auf regionale Produkte. In dem Lokal hält die Augsburger Ortsgruppe Slow Food Convivium ihren Stammtisch ab.
Bild: Silvio Wyszengrad

Anhänger der Slow-Food-Bewegung ernähren sich  am liebsten mit Produkten aus der Umgebung. Eine Ortsgruppe hat nun eine Landkarte herausgebracht, in der sie Betriebe auflistet.

Immer mehr Menschen ernähren sich bewusst und und achten darauf, woher ihre Lebensmittel kommen. Auch wenn das momentan ein Trend ist, ist das nicht neu. Genau dieser Ernährung hat sich die Slow-Food-Bewegung verschrieben. Der Dachverband in Deutschland feierte in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. „Slow Food“ ist eine weltweite Vereinigung von bewussten Genießern, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Kultur des Essens und Trinkens zu pflegen und lebendig zu halten. „Die Bewegung hat ihren Ursprung in Italien. Damals eröffnete ein Schnellimbiss in der Nähe der Spanischen Treppe in Rom. Slow Food sollte die Gegenbewegung von Fast Food sein“, erklärt Petra Kraft. Sie ist die Vorsitzende der Augsburger Ortsgruppe Slow Food Convivium, die es seit 15 Jahren gibt. 140 Mitglieder zählt die Vereinigung von Genussessern.

Keine Fertigprodukte oder Päckchen-Soßen

Sie haben nun eine „Landkarte des Genusses“ veröffentlicht. Auf der Karte, die es sowohl als Faltkarte als auch in digitaler Form im Internet gibt, sind Gasthöfe, Produzenten und Händler verzeichnet, deren Angebot ihren Kriterien entspricht. „Die Produkte müssen nachhaltig sein, also größtenteils regional und saisonal. Sie sollten also nicht dreimal um den Globus geflogen sein. Bei Lokalen ist uns wichtig, dass frisch gekocht wird“, sagt Petra Kraft. Das heißt, dass in den Küchen so gut wie keine Fertigprodukte oder Päckchen-Soßen verwendet werden.

68 Anbieter sind derzeit in der digitalen Karte im Internet in Augsburg und Umgebung verzeichnet, wie die Alte Liebe oder die Färberei in Augsburg, der Ochsnwirt in Pöttmes, die Ölmühle Hartmann in Biburg oder die Bäckerei und Konditorei Herbert Gellner in Aystetten. Die aufgelisteten Betriebe reichen bis Nördlingen, Gundelfingen und bis Krumbach. Und es werden immer mehr. „Wir besuchen regelmäßig Betriebe oder testen ein Lokal. Wir werden inzwischen auch angeschrieben, ob wir nicht einmal vorbei kommen wollen“, sagt Petra Kraft. Die Gruppe hat aber auch eine feste Anlaufstelle: Das Augsburger Kappeneck ist von den Slow-Food-Freunden schon lange zum Stammlokal auserkoren worden – dort hält die Gruppe ihren monatlichen Stammtisch ab. Dabei engagiert sich Inhaber und Koch Helmut Hengelmann gar nicht in der Bewegung: „Aber von der Grundidee ist vieles bei uns deckungsgleich“, sagt er.

Es gibt nicht immer alles

So bezieht er seine Tomaten und seinen Salat so lange es geht von einem Landwirt aus Augsburg-Oberhausen, die Kartoffeln stammen aus Affing, das Eis vom Bauernhof aus Mering. „Mit dem Landwirt Ewald Lindemeir kann ich mich richtig über Kartoffeln unterhalten, der kennt sich aus. Bei dem Bauernhof-Eis steht die Familie Lidl dahinter. Das ist gleich was anderes, als in anderen unpersönlichen Betrieben und das ist mir wichtig“, betont er. Lieber verzichtet er auf Produkte und Speisen. „Bei mir kommen keine Tiefkühl-Erdbeeren aus China auf den Tisch. Erdbeeren sind ein saisonales Produkt. Die gibt es eben dann, wenn sie hier in der Region auf den Markt kommen“, sagt er. Er will seinen Gästen nicht immer alles bieten. „Viele Waren gibt es nur in einer bestimmten Saison. Das bringt Abwechslung in meine Küche.“ Dass die Wertschöpfung bei seinem Einkaufsverhalten in der Region bleibt, findet er „sexy“.

Stefan Fuß, Küchenchef und Wirt vom Gasthaus Goldener Stern in Rohrbach, sieht das genauso: Er verfolgt mit seinem Angebot kein Konzept. „Wir leben es“, betont er. Die Handwerker kommen aus der unmittelbaren Umgebung, die Produkte auch – größtenteils. „Natürlich kommt die Soja-Soße oder das Olivenöl nicht aus der Region. Dafür versuchen wir, regionaltypische Gerichte zu bewahren, die teilweise schon in Vergessenheit geraten sind.“ So gibt es derzeit Rindertatar mit Holunderkapern und hiesigen Wildkräutern auf seiner Speisekarte. „Die Holunderbeeren werden dabei wie Kapern eingekocht. Das hat man früher so gemacht“, sagt er.

Zum Eierlegen und zum Schlachten

Regional wertvolle Lebensmittel, Nutztierarten und Kulturpflanzen vor dem Vergessenwerden zu bewahren, ist der internationalen Slow-Food-Bewegung wichtig. Sie haben das Projekt „Arche des Geschmacks“ gegründet, um die Individualität einer Region zu bewahren. Derzeit befinden sich weltweit 1000 Produkte, Tiere und Pflanzen darin. So wurde auch das Augsburger Huhn aufgenommen. Das Huhn wurde zunächst Ende des 19. Jahrhundert in Augsburg gezüchtet und breitete sich dann in ganz Bayerisch-Schwaben aus. Heute gibt es das Huhn auf dem Holler-Hof in Augsburg. „Es ist ein Zweinutzungshuhn, das heißt: Es ist eine Rasse, die sowohl zum Eierlegen als auch zum Schlachten gehalten werden kann. Es ist etwas Besonderes, da es ganz anders schmeckt als ein Hybridhuhn“, sagt Landwirtin Susanne Zimmermann.

Faltblatt Die Karte ist in den Betrieben und in der Bürgerinformation am Augsburger Rathaus erhältlich.

Internet www.genusslandkarte.de

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