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Augsburg

31.01.2021

Was die Stadt Augsburg für Unternehmen in Not tun kann – und was nicht

Vor allem der stationäre Handel in der Augsburger Innenstadt leidet unter den Folgen der Corona-Pandemie.
Foto: Silvio Wyszengrad (Archivfoto)

Plus Täglich melden sich 30 Anrufer wegen der Corona-Krise bei der Wirtschaftsförderung. Referent Wolfgang Hübschle sagt, warum ein städtischer Hilfsfonds nicht infrage kommt.

Das Wirtschaftsreferat gilt als erster Ansprechpartner der Stadt Augsburg, wenn Firmen und Geschäftsleute ein Anliegen haben. Dass Anfragen wegen möglicher Ansiedlungen im Stadtgebiet gern gesehen sind, versteht sich. Während der Corona-Krise geht es aber fast ausschließlich darum, den Firmen in deren Notlage zu helfen. Die Nachfrage sei immens, bestätigt Referent Wolfgang Hübschle auf Anfrage. Er sagt, welche Formen der Unterstützung jetzt möglich sind – und welche nicht.

Der Lockdown geht in die Verlängerung, die wirtschaftliche Situation vieler Unternehmen in Augsburg ist schon jetzt angespannt. Über die telefonische Corona-Hotline der Wirtschaftsförderung gelangen derzeit täglich zwischen 20 und 30 Anrufer zu ihm durch. Die Sorgen der Betriebe ähneln sich, sagt Hübschle. Hohe bürokratische Hürden bezüglich Antragstellung und Auszahlung der Wirtschaftshilfen, eine schlechte Kommunikation der Hilfsmaßnahmen durch Bund und Freistaat sowie Rückfragen zur Umsetzung der Infektionsschutzmaßnahmen und Klagen zur derzeitigen wirtschaftlichen Perspektive werden oft erwähnt.

Die Anrufer bei der Stadt Augsburg schildern ihre Nöte

Mancher Anrufer schildert zudem die massiven Umsatzeinbrüche, die zu Liquiditätsengpässen führen können. Die meisten Hilferufe an die Adresse der Stadt kommen aus dem stationären Einzelhandel, von Soloselbstständigen aus dem kulturellen Bereich und der Kosmetikbranche.

Wolfgang Hübschle ist Augsburgs Wirtschaftsreferent.
Foto: Silvio Wyszengrad

Die Wirtschaftsförderung ist darüber hinaus aktiv auf Firmen zugegangen. Im Herbst gab es eine Konjunkturumfrage, deren Ergebnis die schwierige Situation widerspiegele, sagt Hübschle. Im Februar will die Stadt nun eine zweite Umfrage starten, um dann auch Vergleichswerte zu erhalten. Die städtischen Mitarbeiter seien bemüht, der Rolle als Ansprechpartner gerecht zu werden. Der persönliche Kontakt per Telefon und Mail sei dabei ebenso gefragt wie Rücksprachen über Videomeetings. Sofern möglich und nötig, werde auch auf Stellen verwiesen, die für Überbrückungshilfen zuständig seien. Hübschle sagt aber auch: "Neben akuten Hilfsmöglichkeiten muss es auch darum gehen, Perspektiven für die Zeit nach Corona aufzeigen".

Das Wirtschaftsreferat habe die Chance, gezielt einzelne Unternehmen zu unterstützen. Informationen allein seien es nicht. Es gebe zum Beispiel auch die Möglichkeit, eine Gewerbesteuerforderung oder im Fall der Gastronomen im Sommer die Gebühren für die Außengastronomie zu stunden.

Dass die Stadt jedoch mit Geld aus dem städtischen Haushalt die heimischen Firmen unterstützt, sei nicht machbar: "Die Wirtschaftsförderung agiert als Koordinator zwischen den vielfachen Förderungen des Bundes, der alle Bereiche abdeckt". Die Zuständigkeit einer Kommune liegt aber aus Gründen des Haushalts- und Beihilferechts nicht in der Gewährung eigener Wirtschaftshilfen. Hier handle es sich um bundes- und landesrechtliche Entscheidungen. Hübschle: "Ein eigener Hilfsfonds würde zudem viele ungeklärte Fragen aufwerfen: Wer wird gefördert? Ist die Chancengerechtigkeit gewahrt? Wie wirksam ist eine solche Förderung?"

Die Augsburger Innenstadt steht vor Herausforderungen

Dass einzelne Unternehmen, gerade im Bereich des Handels bereits aufgehört hätten, sei zu bedauern. Die Innenstadt stehe vor Herausforderungen. Allerdings verweist der Wirtschaftsreferent auf zahlreiche Aktivitäten der Stadt im Zusammenspiel mit der Stadtmarketinggesellschaft Augsburg Marketing. "Von Gutscheinaktionen über Marketingkampagnen bis hin zu einzelnen Attraktionen im Zentrum haben wir den Innenstadtakteuren geholfen. " Derzeit werde unter anderem ein Konzept forciert, um Geschäfte beim Click&Collect-System zu unterstützen.

Auch wenn die Corona-Pandemie derzeit die Wirtschaft auf vielen Feldern ausbremse, gebe es in Augsburg ermutigende Signale. Hübschle verweist hier auf das 100-Millionen-Euro-Förderprojekt durch den Freistaat, von dem Augsburg profitieren werde. Die derzeitige Entwicklung dokumentiere darüber hinaus, wie bedeutend die Digitalisierung sei. Für den Wirtschaftsreferenten ist dies eine Bestätigung, dass die Stadt weiter daran arbeiten werde, die Menschen enger zusammenzubringen: "Deshalb steht der Vernetzungsgedanke ganz stark bei uns im Mittelpunkt". Auch die Start-up-Szene sei in der Stadt ein Zeichen der Hoffnung.

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