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Augsburg

28.02.2018

Was erwartet die Plärrer-Besucher des dritten Festzelts?

Die Betreiber der Sterndl-Alm gaben das dritte Plärrer-Festzelt nach sechs Jahren auf. Nun wird wieder ein Betreiber für ein drittes Festzelt gesucht.
Bild: Annette Zoepf (Archiv)

Im Herbst soll es wieder eine drittes Zelt auf dem Plärrer geben. Die Stadt stellt einige Anforderungen. Einer von zwei Bewerbern verrät, was ihm vorschwebt.

Vor sechs Jahren war das dritte Plärrerzelt begehrt. Acht Bewerber rissen sich um den Zuschlag für die Gastronomie. Edmund Diebold erhielt ihn damals. Doch der Betreiber der Sterndl-Alm kapitulierte vergangenes Jahr aus wirtschaftlichen Gründen. Jetzt haben sich nur noch zwei Interessenten auf die Ausschreibung der Stadt beworben. Während Diebold dafür eine Erklärung hat, spricht einer der Kandidaten schon offen über sein Konzept.

"Mich überrascht es nicht, dass sich nur zwei Leute für das dritte Plärrerzelt interessieren", sagt Diebold. "Die Bewerber, die damals mit mir im Boot waren, kamen danach alle als Kunden zu mir. Sie sahen, wie schwierig das Geschäft ist." Nach sechs Jahren hatten die Wirtsleute Monika und Edmund Diebold im Herbst 2017 ihre Sterndl-Alm aufgegeben.

Sie war mit rund 400 Sitzplätzen das kleinste Zelt auf dem Augsburger Volksfest. Das Schaller-Zelt hat im Vergleich rund 2500 Plätze, das Binswanger & Kempter circa 4000. Das dritte Zelt sollte nach Vorstellung der Stadt ein gehobeneres Ambiente bieten. Nicht immer schafften es die Diebolds, am Ende des Plärrers eine schwarze Null zu schreiben. "Wir haben es grundlegend nicht verkehrt gemacht, aber die Rahmenbedingungen sind schwierig." Diebold meint damit auch einige Vorgaben der Stadt. Besonders störte ihn, dass er kein Essen im Straßenverkauf anbieten durfte. Er findet, dass die zwei aktuellen Bewerber in ein Risiko gehen. Das sieht selbst Helmut Wiedemann so. Dabei ist er einer der Interessenten. "Wenn einer meint, dass er mit dem dritten Zelt reich wird, ist das der falsche Ansatz", sagt der 54-Jährige. Er ist überzeugt, dass es einige Veranstaltungen dauern werde, bis man mit einem Plus rausgehe. Das hat ihm seine Erfahrung gezeigt.

Helmut Wiedemann hat einen langen Atem

Der gebürtige Augsburger, der eine Bauträgerfirma hat, betreibt seit acht Jahren in der Vorweihnachtszeit das Winterland an der City-Galerie mit einer Almhütte, Buden und Eislauffläche. Auch hier habe es einige Jahre gebraucht, bis er schwarze Zahlen schrieb. Wiedemann habe einen langen Atem. Er lebe nach dem Grundsatz, den Spaß an einer Sache in den Vordergrund zu stellen und das Geldverdienen hintenan. "Damit hat man langfristig mehr Erfolg."

Winterland-Betreiber Helmut Wiedemann hofft auf den Zuschlag für das dritte Zelt.
Bild: Silvio Wyszengrad

Seine Vorstellungen für das dritte Plärrerzelt sind konkret: Eine doppelstöckige Almhütte mit Galerie, die innen 550 Sitzplätze bietet. Dazu kommt ein Biergarten. Die Holzhütte soll eine Augenweide werden. "Die Sterndl-Alm war nicht Fisch, nicht Fleisch. Sie sollte eine Alm sein, war aber ein Zelt und als Zelt zu klein."

Mit seinem Konzept erfüllt Wiedemann eine der Anforderungen der Stadt: Dass die dritte Plärrer-Gastronomie sich optisch von den Bierzelten abheben soll, steht unter anderem in der Ausschreibung. Wie auch, dass eine Almhütte mit Doppelgeschoß und einer Galerie möglich sei. Die Speisekarte soll schwäbisch-bayerische Schmankerl anbieten. Volksfestklassiker wie Grillhendl und Schweinshaxen, aber auch vegetarische Gerichte dürfen nicht fehlen. Ordnungsreferent Dirk Wurm findet, dass die Anforderungen von Seiten der Stadt zwar konkret sind, aber genügend Spielraum für ein eigenes Betriebskonzept lassen. "Mit einer Ausnahme", fügt er hinzu: "Wir wollen kein Partyzelt, sondern Musik mit einer angepassten Lautstärke. Das ist die einzige Spezifizierung." Man befürworte eine Gastronomie, in der sich Familien mit Kindern wohl fühlen und die nicht hochpreisig ist.

Wiedemann, der für seine Après-Ski-Partys im Winterland bekannt ist, möchte aber beides bedienen: bis zu einer gewissen Uhrzeit für Familien ein ruhigeres Ambiente, zu späteren Stunde soll dann aber auch das Feiern möglich sein. "Die Menschen geben Geld aus, wenn sie Spaß haben. Und ein gewisser Umsatz muss ja generiert werden."

Für Tobias Emminger wäre es eine Art Rückkehr

Der zweite Bewerber, Tobias Emminger, gibt von seinen Plänen für die dritte Plärrer-Gastronomie noch nichts preis. Er werde sich erst nach der Entscheidung des Stadtrates zu seinem Konzept äußern, betont der 43-Jährige. Emminger ist Geschäftsführer der Marketing & Event Agentur "Stadtjäger Augsburg", die auch Großveranstaltungen, Messen und Caterings organisiert.

Tobias Emminger ist einer der beiden Bewerber für das dritte Plärrerzelt.
Bild: Ingo Hinrichs

Er selbst war jahrelang in der Gastronomie tätig, betrieb einst die "Sandwich Bar" und das Lokal "Goldener Stern" in und um Augsburg. Seit ein paar Jahren kümmert er sich um das Konzept und die Organisation des Knusperhäusls der Bäckerei Laxgang auf dem Augsburger Christkindlesmarkt. Plärrer-Besucher kennen Emminger vielleicht sogar noch vom Plärrer: Im Biergarten der Sterndl-Alm betrieb er für Edmund Diebold die Maibaum-Bar. Für ihn wäre es also eine Art Rückkehr.

"Das bessere Konzept gewinnt", sagt Ordnungsreferent Dirk Wurm. Die Entscheidung werde voraussichtlich am 22. März im Stadtrat fallen. Ob Wurm enttäuscht sei, dass sich nur zwei Interessenten für das dritte Plärrerzelt beworben haben? "Es ist so wie es ist. Das ist keine Frage der Enttäuschung." Mehr will Wurm dazu nicht sagen. Edmund Diebold wünscht beiden Bewerbern jedenfalls Glück. "Vor allem Wetterglück. Sonst wird das eine knappe Geschichte."

Termin, Sicherheit oder Tisch-Reservierung: Hier lesen Sie, was Sie zum Osterplärrer 2018 wissen sollten.

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Kommentar: Gäste sollten auch im dritten Plärrer-Zelt feiern!  

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28.02.2018

Als Musiker, der mit seiner Band "Flottn3er" jahrelang in der Sterndl Alm gespielt hat, möchte ich gerne mit meinem Kommentar Stellung beziehen. Sollte die Stadt Augsburg nicht auch das dritte Zelt zum Party machen freigeben, wird meiner Meinung nach über kurz oder lang jeder Wirt scheitern.Die Menschen wollen sich auf einem Volksfest amüsieren und auch selbst entscheiden, ob sie etwas essen wollen oder nicht. Je zwangloser alles abläuft, umso besser und frequentierter wird auch das neue Zelt werden. Möchte ich bei ruhiger Hintergrundmusik gemütlich etwas essen gehen, dann werde ich mit Sicherheit eines der vielen netten Augsburger Lokale bevorzugen.Ein Zelt auf einem Volksfest ist aber nunmal zum feiern da und das wollen auch die Leute.Wie die Erfahrung zeigt, kann man sie auch nicht dazu bewegen von den Bänken zu steigen, wenn sie schon mal in Stimmung sind. Sollte es trotzdem passieren, so wird das für Unmut sorgen und die Menschen suchen sich halt ein Zelt in dem sie gerade diese ausgelassene Stimmung vorfinden.So gesehen ist das ein klarer Vorteil für die beiden großen Zelte und eben eine existenzielle Gefährdung des neuen, dritten Zeltes. Es wäre wirklich schade drum, da gerade eine Apres Ski Hüttn mit ziemlicher Sicherheit der große Renner auf dem Augsburger Plärrer werden könnte.

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