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Uni Augsburg

29.01.2014

Was für Bedingungen! Augsburgs kleinster Studiengang

Sebastian Glatz ist derzeit der einzige anwesende Student im Philosophie-Masterstudiengang „Deutung, Wertung, Wissenschaft“ an der Universität. Betreut wird der im Sommersemester 2013 gestartete Studiengang von Professor Uwe Voigt.
Bild: Peter Fastl

Sebastian Glatz hat Bedingungen, von denen Juristen in vollen Hörsälen nur träumen können. Der Philosophiestudent hat einen Professor ganz für sich als Betreuer.

In Augsburg gibt es immer mehr Studenten. 25.000 sind es mittlerweile. Für die Universität und die Hochschule ist der Andrang eine Herausforderung. Doch nicht alle Studiengänge werden deshalb automatisch zum Massenfach.

Philosophie Sebastian Glatz hat an der Universität Studienbedingungen, von denen viele nur träumen können. Er ist derzeit der einzige Student des Masterstudiengangs „Philosophie – Deutung, Wertung, Wissenschaft“. Es ist zwar noch eine weitere Kommilitonin eingeschrieben, sie absolviert allerdings derzeit ein Praktikum in Rom. „Ich bin zwar jetzt je nach Sichtweise der Crash-Test-Dummy oder Pionier des neuen Studiengangs, freue mich aber darüber, dass es das Angebot gibt und hoffe, dass weitere Masterstudenten dazukommen“, sagt Glatz. Für Augsburg entschied er sich wegen der „guten Erfahrungen“ während seines Bachelorstudiums Germanistik mit Philosophie im Nebenfach. Nach dem Master würde er gerne noch habilitieren.

Dass es so nur zwei Studenten sind, liegt laut Professor Uwe Voigt daran, dass der Studiengang erst anläuft. „Wir waren 2011 positiv überrascht, wie schnell die Bewilligung für den Masterstudiengang kam und hatten damit gerechnet, erst zwei Semester später starten zu können.“ Weil der Studiengang so klein ist, gibt es derzeit aber keine eigenen Seminare. Glatz sieht darin keinen Nachteil. „Es gibt Lehrangebote, die auch anderen Studiengängen offen stehen und einen größeren, interdisziplinären Austausch ermöglichen.“ Laut Voigt ist das Betreuungsverhältnis so gut, dass steigende Studierendenzahlen gut aufgefangen werden könnten.

Was für Bedingungen! Augsburgs kleinster Studiengang

Die Gefahr wegrationalisiert zu werden

Die Philosophen kennen aufgrund ihrer Größe aber auch ein anderes Problem: Als kleiner Studiengang laufen sie eher Gefahr wegrationalisiert zu werden. „Als es darum ging, wie die Universität den personellen Ausbau stemmen kann, gab es Befürchtungen, die Philosophie würde aufs Lehramt reduziert oder gar komplett verschwinden“, erinnert sich Voigt. Dies habe sich aber als unnötig erwiesen, auch weil Uni-Präsidentin Sabine Doering-Manteuffel die interdisziplinäre Vernetzung wichtig sei.

Jura Von Betreuungsbedingungen wie sie Philosoph Glatz hat, ist Julia Kilp weit entfernt. Sie studiert im ersten Semester Rechtswissenschaften – wie 2500 Kommilitonen. Am Anfang seien die Vorlesungen „extrem voll“ gewesen. „Bei der Masse an Leuten gibt es entsprechend viele Störfaktoren, was es erschwert, dem Dozenten zu folgen.“ Nach eineinhalb Monaten besuchten jetzt mehrere Bekannte nur noch die Fallbesprechungen: Kurse, in denen 50 bis 60 Studierende sitzen. Vor allem in den tieferen Semestern sei die Situation problematisch, sagt Fachdekan Matthias Kober. Er ist der Cheforganisator bei den Juristen. „Viele wissen nicht, was sie nach dem Abitur machen wollen und fangen erst mal mit Jura an und hören schnell wieder auf.“

Auch für die Dozenten ist die hohe Zahl an Studenten eine Herausforderung. Der größte Hörsaal der Juristen hat einer Kapazität von 350 Plätzen. Oft sind zu Beginn des Semesters auch die Treppen voll. Der Dozent könne unter den Bedingungen fast nur noch Frontalunterricht abhalten, sagt Studiendekan Matthias Rossi. „Ob letztlich 100 oder 350 Studierende im Raum sind, sei egal. In begrenztem Umfang kann ich noch auf die Studierenden eingehen. Zehn bis 15 machen meist aktiv mit, während die Studenten in den hinteren Reihen vielleicht im Internet surfen. Das bekommt man nicht mehr mit.“ Verschärft hat sich die Situation mit dem doppelten Abiturjahrgang 2011. Damals stieg die Zahl der Studierenden noch einmal um 500 an.

Nicht nur die Akustik wurde verbessert

Die Juristen reagierten vor allem mit Mitteln aus Studienbeiträgen auf die Herausforderungen. So wurde unter anderem die Akustik verbessert. Auch wurde die Zahl der Professoren von 19 auf 22 erhöht. Geld floss auch in Erweiterungsbauten für neue Büros und Seminarräume. Mittel kamen zudem von der Stiftung der Freunde und Förderer der Juristischen Fakultät Augsburg. All das sei in „guter Zusammenarbeit mit den Studierenden“ geschehen, hebt Martina Benecke, Dekanin der Fakultät, hervor. Dies funktioniere an anderen Fakultäten der Universität „nicht so gut.“

Dass Jura wegen der Masse ein unpersönlicher Studiengang sei, sehen Benecke und ihre Kollegen anders. Sie hat zuvor in Göttingen gearbeitet, er in Berlin. Beide finden, dass der Umgang hier offener und persönlicher ist. „Wenn ein Student nach der Vorlesung mit einem rechtlichen Problem zu einem Kollegen oder mir kommt, versuchen wir zu helfen“, so Benecke.

Anders als in der Politik oder der Wirtschaft sei es bei universitätsinternen Entscheidungen aber nicht so, dass die Größten die Richtung vorgeben, sagt Rossi. Die Unigremien seien so konzipiert, dass die Kleinen Gehör finden und die Großen nicht überstimmt werden.

Maschinenbau Zu einer anderen Bewertung kommt bei diesem Thema Joachim Voßiek, Dekan für Maschinenbau. Es ist der größte Studiengang an der Hochschule. „Wir haben durch die Größe ein höheres Gewicht in der internen Hochschuldiskussion.“ Er hat noch weitere Vorteile ausgemacht. So habe der Studiengang eine bessere „überregionale Sichtbarkeit“ und tue sich beim Werben um Fördermittel und Dozenten leichter als kleine Studiengänge. Zudem sieht er Vorteile für die Forschung. „Die Bearbeitung der Themen kann durch studentische Abschlussarbeiten ergänzt werden.“ Voßiek weiß um die bessere Betreuungssituation in kleinen Studiengängen, es bleibe aber immer die Frage, wie dies finanziell bewerkstelligt werde. „Letztlich leben die kleinen von der Unterstützung der großen Studiengänge."

Direkter Kontakt zum Dozenten

Informatik Gerhard Meixner, Leiter des Masterstudiengangs an der Hochschule schätzt die „familiäre Atmosphäre“. Der Kontakt unter Dozenten und Studierenden sei direkt. „Ein besseres Betreuungsverhältnis findet man an Eliteuniversitäten nicht vor.“ Die überschaubare Zahl an Studenten habe aber auch Nachteile. So musste der Aufbau des Masterstudiengangs aus eigenen Mitteln gestemmt werden, durfte nicht auf Kosten der Anfängerzahlen beim Bachelor gehen. Deswegen gibt es beim Master weniger Optionen bei den Wahlpflichtfächern. Um Abhilfe zu schaffen, werde versucht die Masterplätze „aufwandsschonend anzuheben.“

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