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Augsburger Geschichte

13.02.2021

Was hinter der "Schwedenstiege" in Augsburg steckt

Die Schwedenstiege im Jahre 1904. Die aufwendige Treppenanlage verlief geradlinig am Hang zwischen dem Stadtgraben und der Stadtmauer hoch oben.
Bild: Sammlung Häußler

Plus Die "Schwedenstiege“ in Augsburg wurde im Dreißigjährigen Krieg angelegt. Welche Rolle Elias Holl dabei spielte und warum der Steinerne Mann erst 1955 an den Dohlenturm kam.

Schwedenweg heißt eine Gasse zwischen der Stadtmauer und der Rückseite der Benediktinerabtei St. Stephan. Ein Torbogen durchbricht die Schwedenmauer, wie dieser Stadtmauerabschnitt genannt wird. Der Durchgang führt zur Schwedenstiege. Diese Treppenanlage mit 71 Stufen ist eine vor allem von Insidern und Touristen benutzte Fußgängerverbindung zwischen der Jakobervorstadt und der Hochterrasse. Sie hat eine bewegte Geschichte.

Droben auf hochwassersicherem Terrain bauten die Römer ihr Kastell, drunten in der Lechebene legten sie einen Hafen an. Die Holzüberreste befinden sich im "Römerlager“ im Zeughaus. Um das Kastell entstand das antike Augusta Vindelicum, die Römerstadt. Die Römerzeit ist mittendrin authentisch mit Originalsteinen sowie Bildern und Texten im Archäologischen Garten am Äußeren Pfaffengäßchen nacherlebbar.

Schwedische Truppen besetzten im Dreißigjährigen Krieg Augsburg

Über ein Jahrtausend nach dem Abzug der Römer besetzten im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) schwedische Truppen Augsburg. Am 20. April 1632 zogen drei Regimenter ein. Die schwedische Besatzung blieb drei Jahre. An diese Zeit erinnern der Schwedenweg, die Schwedenstiege und der Steinerne Mann. Die Schweden planten 1632 einen weiträumigen Befestigungsring um Augsburg. Er sollte Schutz gegen bayerische und kaiserliche Truppen der Katholischen Liga bieten. Ausgeführt wurden von der neuen Befestigung nur Teile vor der Jakobervorstadt.

Der Steinerne Mann befand sich ursprünglich an der Hausecke Unterer Graben/Pulvergäßchen.
Bild: Sammlung Häußler

Als Verbindung zwischen der Innenstadt und der Jakobervorstadt ließen die Besatzer 1632 einen Durchgang in die Stadtmauer oberhalb der Vorstadt brechen und am Hang zum Stadtgraben eine Treppe anlegen. Sie bekam später also nicht von ungefähr die Bezeichnung "Schwedenstiege“. Es war vermutlich Elias Holl, der die Arbeiten durchführen musste. Er war als überzeugter Protestant 1631 von der katholischen Stadtregierung als Stadtwerkmeister entlassen worden. Die protestantischen Schweden setzten 1632 Elias Holl wieder in sein Amt ein. Sie benötigten ihn als Festungsbaumeister.

Augsburger verlegten die Schwedenstiege mehrmals

Die Treppe blieb als "Schwedenstiege“ im Sprachgebrauch, obwohl sie die Augsburger mehrmals erneuerten und verlegten. Fotos belegen um 1900 eine komfortable Schwedenstiege. Sie verlief geradlinig zwischen dem Stadtgraben und einem Tor in der Stadtmauer. Die Schwedenstiege war ein beliebtes Foto- und Postkartenmotiv. Die darauf abgebildete Treppenanlage gibt es nicht mehr: Sie blieb im Bombenkrieg nicht verschont.

Die Augsburger Sagengestalt war ein beliebtes Fotomotiv. Das Mädchen ermöglicht einen Größenvergleich.
Bild: Sammlung Häußler

1952 wurden der Hang unterhalb der historischen Stadtmauer und der Stadtgraben neu gestaltet. Seitdem gibt es die jetzige Schwedenstiege. Sie verläuft nicht mehr geradlinig und sie steht vom Unteren Graben aus nicht mehr so auffallend im Blickfeld wie auf alten Fotos. Die Treppe von 1952 bekam an ihrem Fuß einen neuen Zugang bei einem Stadtmauerrest und verläuft mit einem Knick.

Um den Treppenneubau vor fast 70 Jahren der historischen Umgebung anzupassen, verbaute man Altziegel. Sie gab es zudem preiswert: Die gebrannten Vollziegel standen beim Abbruch der Ruine des Hotels Drei Mohren zur Verfügung. Sie wurden zu Stufen und zu Stützmauern an beiden Seiten der Treppe. Die Treppenstufen aus recycelten Ziegeln bröckelten. In den 1980er-Jahren war eine Sanierung nötig. Seither verfügt die Schwedenstiege über Granitstufen. Sie führen hinauf zum Steinernen Mann, der seit 1955 in einer Nische des Dohlenturms steht.

Wie der Steinerne Mann zum Augsburger Dohlenturm kam

Von dort oben hat man seinen einstigen Standort im Blick. Der Steinerne Mann befand sich nämlich an der Hausecke Unterer Graben/Pulvergäßchen. Das Haus wurde 1944 zum Bombenopfer. Beim Abbruch der Ruine beließ man dem Steinernen Mann einen Mauerrest als Rückenstütze. Das war für die Augsburger Sagengestalt eine unwürdige Präsentation. Bei der Suche nach einem geeigneteren Standort ging der Blick nach oben zum Dohlenturm. Dort musste nur eine Nische herausgebrochen werden. Die Idee für diese Platzierung lieferte die Sage.

In unserer Serie „Augsburg-Album“ beleuchtet Historiker Franz Häußler unterschiedliche Aspekte der Augsburger Stadtgeschichte aus vielen Jahrhunderten. Alle Folgen finden Sie hier.

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