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Gesundheit

10.12.2013

Was macht das Rheuma auf der Haut?

Rote Flecken auf der Haut, die sich mit der Zeit verdicken, und darauf helle Schuppen - das sind die wichtigsten Symptome bei Schuppenflechte (Psoriasis).
Bild: Arno Burgi (dpa)

Gelenkkrankheiten gehen nicht selten mit äußerlich sichtbaren Problemen einher. Umgekehrt ist es genauso. Der Grund dafür liegt im Immunsystem.

Als ob eine Krankheit nicht schon genug wäre: Viele Rheumapatienten quälen sich nicht nur mit ihren Gelenkproblemen, sondern auch mit massiven Hautsymptomen herum. Umgekehrt ist es genauso – Hautpatienten haben nicht selten auch rheumatische Beschwerden. Aber warum ist das so? Rheumatische Krankheiten, sagt Privatdozent Dr. Hans Starz, Leitender Oberarzt an der Klinik für Dermatologie und Allergologie des Augsburger Klinikums, sind auch durch eine Fehlregulation des Immunsystems bedingt. Über die Aktivierung des Immunsystems wiederum komme es auch zu Hautkrankheiten. Entzündungen sind sozusagen der gemeinsame Nenner.

Rheumapatienten quälen sich mit Hautsymptomen

Rheumatologen und Dermatologen hätten jeweils andere Schwerpunkte in der Betrachtungsweise der Problematik und könnten sich sehr gut ergänzen. So habe der Dermatologe die Veränderungen der Haut direkt vor Augen und könne aus der Haut leicht Proben nehmen für mikroskopische Untersuchungen; der Rheumatologe könne nicht nur Gelenke, Sehnen, Muskulatur und Bandapparat beurteilen, sondern als Internist auch die inneren Organe. „Für den Patienten ist es gut, wenn die Informationen zusammenfließen“, betont Starz. „Gemeinsam sind wir stark und können dem Patienten besser helfen.“

Zu den „rheumatischen Krankheiten mit Hautbeteiligung“ zähle zuallererst einmal die rheumatoide Arthritis, früher auch Polyarthritis genannt, die hierzulande häufigste entzündliche Erkrankung der Gelenke. In Deutschland geht man von rund 800 000 Erkrankten – in der Mehrzahl Frauen – aus. In Zusammenhang mit der Krankheit sehe man hin und wieder „Rheumaknoten“ an der Haut, so Starz. Dabei handelt es sich um kleine Knoten im Unterhautgewebe, bevorzugt an Stellen, die einer mechanischen Belastung ausgesetzt sind, wie etwa die Streckseite des Ellenbogens.

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Rheuma kommt mit verschiedenen Unterformen

Doch das ist längst nicht alles. Auch Hauteinblutungen oder eine netzartige Zeichnung der Haut können mit rheumatoider Arthritis einhergehen. Ein auffälliges Hautzeichen bei einer weiteren rheumatischen Erkrankung, dem Lupus erythematodes (LE), ist das „Schmetterlingserythem“ im Gesicht: eine schmetterlingsförmige, symmetrische Hautrötung auf Nase, Stirn und Wangen. Der LE selbst ist eine seltene Autoimmunerkrankung, das heißt, das Immunsystem ist fehlreguliert und attackiert den eigenen Körper.

Von der Erkrankung gebe es verschiedene Unterformen, die teils mehr auf die Haut, teils auf andere Organe konzentriert seien, berichtet Starz, der kürzlich in Augsburg über „Haut und Rheuma“ referierte. Die Hautformen seien „ziemlich unangenehm“ und neigten dazu, zu vernarben. „Sie sind nicht so leicht zu behandeln“, bedauert der Hautarzt, eine Therapie „nur von außen“, also durch Cremes oder ähnliches, funktioniere leider in den meisten Fällen nicht.

LE-Patienten seien überdies sonnenempfindlich und hätten oft auch Schleimhautveränderungen, zum Beispiel im Mund. Mikroskopisch könne man charakteristische Entzündungsmuster in der Haut erkennen. Eine unspezifische Hautveränderung, die bei LE auftreten kann, seien zudem das sogenannte Raynaud-Syndrom, eine Durchblutungsstörung, die die Finger weiß werden lässt.

Schuppenflechte betrifft Haut und Gelenke

Eine der wohl bekanntesten Krankheiten, die sowohl Haut als auch Gelenke betreffen, ist die Schuppenflechte, medizinisch Psoriasis genannt. „Früher hat man gedacht, es sei eine reine Hautkrankheit“, sagt der Oberarzt. Heute weiß man: „Sie ist zwar schon eine Immunkrankheit der Haut, kann jedoch auch andere Organe betreffen.“ Das Risiko eines Psoriasis-Patienten, im Laufe seines Lebens auch Gelenkreaktionen in Form einer Arthritis zu erleiden, liegt zwischen zehn und 20 Prozent.

Ebenfalls recht bekannt ist die Borreliose, eine von Borrelien ausgelöste und von Zecken übertragene Infektionskrankheit. Charakteristisches, frühes Zeichen einer Infektion ist auf der Haut das Erythema migrans, die „Wanderröte“, die sich ringförmig um die Stichstelle herum ausbreitet. Im späteren Verlauf der Erkrankung kann es jedoch auch zu entzündlichen Veränderungen der Haut an den Extremitäten sowie – unter anderem – auch zu einer Gelenkbeteiligung kommen. „Diese Krankheitserscheinungen sind über das Immunsystem vermittelt“, sagt Starz.

Rheuma-Medikamente sorgen für Nebenwirkungen

Ein weiteres, wichtiges Feld, das sowohl Rheumatologen als auch Dermatologen betrifft, sind die Haut-Nebenwirkungen von Rheuma-Medikamenten sowie rheumatische Symptome als Nebenwirkung von Haut-Therapien, erläutert Starz. Auch hierfür gibt es ein bekanntes Beispiel: das Medikament Cortison, das als potenter Entzündungshemmer rasch und effektiv gegen rheumatische Krankheiten helfen kann, aber langfristig nicht selten auch zu unangenehmen Nebenwirkungen führt. Möglich sind etwa ein aufgedunsenes Gesicht, eine „Steroid-Akne“ oder Dehnungsstreifen auf der Haut.

Ähnlich verhält es sich bei einer gefährlichen Hautkrankheit, dem Malignen Melanom, auch schwarzer Hautkrebs genannt: Hier haben die modernen Medikamente, die es für seine Behandlung inzwischen gibt, ebenfalls „oft unangenehme Nebenwirkungen“, wie Starz erläutert. Interferon etwa stimuliert das Immunsystem und kann auf diesem Wege zu Immunreaktionen, auch an Gelenken, führen. „Das kann manchmal lebensbedrohlich sein“, sagt der Oberarzt.

Und das neue Mittel Vemurafenib, das die Melanom-Therapie deutlich vorangebracht hat, führe unter anderem bei etwa jedem fünften Patienten zu Gelenkschmerzen. „Die Gelenkproblematik tritt dann für manche Patienten ganz in den Vordergrund.“ Die Therapieerfolge könnten – selbst bei schon vorhandenen Metastasen – zwar deutlich verbessert werden, aber oft um den Preis von Rheuma.

Der Zusammenhang zwischen Hautleiden und Gelenkproblemen sei etwas wirklich Häufiges, unterstreicht Starz. „Das Immunsystem ist eben nicht nur auf ein Organ konzentriert.“ Das sei den Patienten oft nicht klar: Für viele Betroffene sei dieser Zusammenhang überraschend.

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