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Kultur

16.03.2015

Was macht ein Museum erfolgreich?

Burkhart Vogt, Gudrun Vogt, Christa Stritz und Heinz Kraus (von links) schauen sich im Fugger- und Welser-Erlebnismuseum die virtuellen Bilderrahmen an, in denen Schauspieler als Patrizier zu sehen sind. Sie unterhalten sich über Zeiten, in denen Fugger und Welser den Welthandel mitbestimmten.
Bild: Annette Zoepf

Im Fugger- und Welser-Museum erfahren Interessierte vieles über Augsburgs berühmte Kaufmannsfamilien. Ein halbes Jahr nach der Eröffnung hat sich das Museum gut etabliert. 

Da staunen Lucia (8), Joel (7) und Ilian (5) nicht schlecht, als der doppelte Florian vor ihnen steht: einmal als ihr Papa, der mit seinen Kindern das Fugger- und Welser-Erlebnismuseum besucht – einmal als Schauspieler Florian Kreis, projiziert auf einen Vorhang und kostümiert als Bartholomäus V.Welser. Als dieser nämlich führt er mit Jakob Fugger, dem Reichen fiktive Dialoge, die die Museumsbesucher in die Themenwelt der Augsburger Handelsfamilien der Renaissance einführen.

„Das ist alles sehr spannend gemacht“, sagt Kreis über das neue Haus, das im Herbst eröffnete. „Man muss einfach hingehen und es selbst erleben.“ Knapp 12500 Besucher haben das seit September getan und damit selbst die Erwartungen der Regio Augsburg Tourismus GmbH übertroffen. Sie betreibt das Haus. Doch woran liegt der Erfolg?

Die Gäste erklären die Anziehungskraft auf unterschiedliche Weise. Die Projektionen in der nachgebauten „Goldenen Schreibstube“ seien nach innovativen museumspädagogischen Ideen und mit modernster Technik gestaltet: Es wirkt, als würden die Figuren tatsächlich durch den Raum schreiten, Humpen auf den (realen!) Tisch stellen und sich Wein einschenken, während sie sich darüber unterhalten, wer nun der Allerreichste ist.

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Während Lucia dem Welser-Papa lauscht, freut Mama Christine sich „über die vielen Knöpfchen“, die zu weiteren Erlebnissen für Augen, Ohren, Nase und Fingerspitzen führen. Joel und Ilian spielen an einem interaktiven Erlebnistisch die Reisen der Handelsschiffe von Antwerpen rund um Afrika bis ins indische Goa nach.

Solche Spielereien kommen dermaßen gut an, dass das Museum sich zum Publikumsmagneten entwickelt hat. Es kommen Jung und Alt, Fachleute, Augsburger und Touristen. Architekturstudenten bewundern das restaurierte Renaissancegebäude im Äußeren Pfaffengäßchen, die Uni Augsburg veranstaltet Vorträge, Führungen und Kindergeburtstage werden gebucht, und für August hat das erste Hochzeitspaar die Räume gemietet.

Stolz präsentiert Mitarbeiterin Ursula Lehmann nicht nur das Museum, sondern auch das „Lebende Buch“ im Foyer: Wie bei „Harry Potter“ schreiben sich von Zauberhand die Anfänge der Fugger und Welser auf Pergament. Weiter hinten können Besucher elektronische Gästebucheinträge gestalten. Diese Video-Selfies sind alleine schon einen Museumsbesuch wert: Schulklassen winken lachend, ein Frauenstammtisch singt ein „Dankeschööööön“, Senioren geben sich Tipps für den korrekten Gebrauch („Jetzt bischt drauf, Hannes.“) und ein junges Paar küsst sich kokett. Trotzdem wurde nachträglich noch ein „reales“ Besucherbuch aus Papier ausgelegt. „Manche Gäste haben weniger Scheu, sich dort zu verewigen“, sagt Tourismusdirektor Götz Beck.

Die meisten Besucher kommen zufrieden aus dem Haus im Domviertel. Auch Gudrun und Burkhart Vogt. Sie haben ihre Freunde Christa Stritz und Heinz Kraus aus Nürnberg zu Besuch. Heinz Kraus gefallen vor allem die Bezüge zur Gegenwart an den Info-Stelen: Wie funktionierten Kommunikation oder Lobbyismus damals und wie ist es heute? Was hat die frühe Globalisierung aus unserer Welt gemacht? „Für mich als früheren Abteilungsleiter mit 400 Mitarbeitern ist es auch interessant, welche soziale Verantwortung Jakob Fugger übernommen hat“, sagt Kraus.

Jungen Besuchern haben es vor allem die interaktiven Bilderrahmen angetan: Wie in Harry Potters Zauberschloss Hogwarts zwinkern einem die Portraitierten in den Gemälden zu oder klettern aus dem Rahmen und besuchen ihre Nachbarn, um Klatsch auszutauschen oder zu tanzen. Vor solchen Bildern sitzt auch die achtjährige Franziska, malt in das Handelsbuch, das Kinder auf den Rundgang mitbekommen, und will nicht gehen, obwohl ihre Oma zum dritten Mal mahnt.

Diese interaktiven Elemente sollen in den kommenden Wochen überarbeitet und aktualisiert werden. Götz Beck hat vor, einige Themen neu aufzunehmen und die Filmsequenzen dann mit professionellen Schauspielern zu drehen. Denn diese Kritik musste sich das Museum von einigen Besuchern anhören: Die Einspielungen könnten hochwertiger, die Dialoge weniger „Augschburgerisch“ sein. Geplant ist auch, aktuelle Themen wie die griechische Staatskrise mit einem Staatsbankrott zu Zeiten der Fugger zu vergleichen. „Gemeinsam mit dem Fuggerzentrum der Universität planen wir, solche Themen inhaltlich ins Museum aufzunehmen.“

Spätestens ab Mai soll es auch ein Kombiticket geben, sagt Regio-Chef Götz Beck. Für acht Euro kommen Besucher dann ins neue Museum im Domviertel, in die Fuggerei und in die Badstuben in der Maximilianstraße. „Damit haben wir endlich einen umfassenden Fugger- und Welser-Schwerpunkt in Augsburg.“

Info Das Fugger- und Welser-Erlebnismuseum liegt im Äußeren Pfaffengäßchen 23. Geöffnet ist es von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen jeweils von 10 bis 17 Uhr.

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