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Augsburg

11.10.2019

Was passiert mit dem Fujitsu-Gelände?

Das Fujitsu-Gelände an der Bürgermeister-Ulrich-Straße braucht nach dem Rückzug des Computerbauers eine neue Nutzung. Ideen gibt es verschiedene.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Der Computerbauer schließt 2020 seinen Standort. Nun kommen erste Spekulationen und Forderungen auf, was dann mit dem Areal passieren soll. Zudem steht ein Umzug an.

Ein knappes Jahr, nachdem Fujitsu das weitgehende Aus für den Augsburger Standort zum Ende 2020 verkündet hat, läuft die Suche nach einem neuen Eigentümer für das Areal nahe der B17. „ Fujitsu beabsichtigt, Gelände und Gebäude vorzugsweise als Ganzes zu verkaufen. Es gibt schon mehrere Interessenten, aber noch keine Entscheidung“, sagt Fujitsu-Sprecher Michael Erhard. Zuletzt hatte die SPD von der Stadt gefordert, sich dafür starkzumachen, dass dort künftig qualifizierte Industrie-Arbeitsplätze angesiedelt werden.

Stadt wünscht sich technologieorientierte Nachfolgenutzung

Was ein möglicher Käufer aus der Fläche machen will, dazu äußert sich Fujitsu nicht. Branchenkenner gehen davon aus, dass das Unternehmen auch kaum Einfluss darauf nehmen kann. Hintergrund dürfte wohl sein, dass Fujitsu die Einnahmen aus einem Verkauf womöglich für die Refinanzierung der Abfindungen eingeplant hat und den Fokus daher nicht ausschließlich auf die Zukunft des Geländes richtet.

Aus Sicht von Wirtschaftsreferentin Eva Weber ( CSU) wäre eine technologieorientierte Nachfolgenutzung wünschenswert. Mit der Uni (Forschung/Lehre), dem Innovationspark (anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung) und einem Produktionsgelände, auf dem das Thema Technologie eine Rolle spielt, ergebe sich ein interessanter Dreiklang in unmittelbarer Nähe. Es gebe seit Monaten intensive Gespräche, so Eva Weber.

Interessenten für das Grundstück habe man an Fujitsu weitervermittelt. „Mit dem Sigma Technopark haben wir in der Stadt ja ein gutes Referenzobjekt, bei dem eine Industrienutzung in einem mittelständischen Gewerbepark geglückt ist“, so Eva Weber. Bei einer derartigen Lösung würden sich unterschiedliche Firmen auf dem Gelände niederlassen. Dass das Gelände von Fujitsu vorzugsweise als Ganzes verwertet werden soll, habe aus ihrer Sicht vor allem baurechtliche Gründe wie Erschließung und Energieversorgung, so Eva Weber.

Aufteilung der Fujitsu-Fläche scheint wahrscheinlichste Variante

Auch die Industrie- und Handelskammer würde sich eine hochwertige Nutzung wünschen. Matthias Köppel, Leiter des Geschäftsbereichs Standortpolitik, sagt: „In dieser Lage und in dieser Nachbarschaft wäre es sinnvoll, sich auf Unternehmen der Spitzentechnologie zu fokussieren, ganz ähnlich wie es im Technologiezentrum Augsburg schon gemacht wird.“ Auch an anderen Standorten in Süddeutschland hätten sich solche Konzepte bereits bewährt. Als Beispiel nennt Köppel den Technologiepark Tübingen-Reutlingen.

Das Gebäude im Toni Park wird gerade gebaut.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Entwicklung eines Gewerbe- oder Technologieparks halten Insider ohnehin für die wahrscheinlichste Variante, wenn es darum geht, die Flächen weiterzuentwickeln. Ein einziges Unternehmen zu finden, das das Gesamtpaket kauft und auch selbst nutzen will, halten Experten für eher unwahrscheinlich. Die Chancen dafür sind zuletzt auch mit der Vergabe der Fördergelder für die Forschungsfabrik für Batteriezellen nach Münster statt nach Augsburg gesunken. Hätte Augsburg den Zuschlag erhalten, wäre die Fabrik auf dem jetzigen Fujitsu-Gelände aufgebaut worden. Jetzt müssen die Karten neu gemischt werden.

Zuletzt hatte es Gerüchte darüber gegeben, dass die Stadt die Fläche in den 1980er Jahren, als Siemens dort sein später von Fujitsu übernommenes Computerwerk baute, kostenlos abgab und dies an den Erhalt von Arbeitsplätzen knüpfte. Die SPD stellte eine entsprechende Anfrage. Inzwischen, so die Stadt, sei nach Durchsicht der Verträge klar, dass das Areal zu einem marktüblichen Preis verkauft wurde.

Nutzung des Ledvance-Areals als Beispiel?

Dass ehemalige Industrieflächen in einen Gewerbepark umgewandelt werden, ist nichts Neues. Jüngstes Beispiel sind die Logistikflächen des Lampenherstellers Ledvance in Lechhausen. Hier hat der Projektentwickler Beos AG die Flächen und Hallen übernommen und will ein Nutzungskonzept mit flexiblen Strukturen schaffen. Also eine Umgebung, in der sich verschiedene Mieter unterschiedlicher Branchen ansiedeln. Das Werksgelände an der Berliner Allee soll ebenfalls mit mehreren Einheiten besetzt werden.

Baureferent Gerd Merkle sagte im Sommer, die Stadt könne sich einen Mix aus Bürogebäuden entlang der Berliner Allee und weiter innen liegend die Ansiedlung von hochwertigem Gewerbe vorstellen. Man sei mit dem Projektentwickler des Areals im Gespräch. Um bessere Mitsprachemöglichkeiten zu haben, sicherte die Stadt sich ein Vorkaufsrecht. Eine Umsiedlung der „Wilden Siedlung“ aus der Derchinger Straße, wie von der SPD zuletzt ins Gespräch gebracht, sei schwierig, so Gerd Merkle. „Derzeit handelt es sich bei dem ehemaligen Ledvance-Areal planungsrechtlich um ein faktisches Gewerbegebiet.“ Eine Wohnnutzung sei dort nicht zulässig.

So weit sind die Planungen bei Fujitsu noch nicht, auch die Zukunft der Beschäftigten sorgt weiter für Gesprächsstoff. Bekanntermaßen will Fujitsu an 350 der rund 1500 Beschäftigten festhalten und ihnen über Ende 2020 hinaus einen Arbeitsplatz anbieten. Allerdings nicht am bisherigen Standort in der Bürgermeister-Ulrich-Straße, sondern anderswo. Als aussichtsreichster Kandidat gilt hier der Toni Park an der Rumplerstraße. Dort entsteht derzeit ein moderner Gebäudekomplex mit rund 18.000 Quadratmetern Fläche. Hauptmieter wird dort das Technologieunternehmen Infineon sein, das bislang direkt nebenan im Hochhaus sitzt.

Fujitsu-Mitarbeiter sind nach wie vor gefragt

350 Mitarbeiter können also direkt bei Fujitsu bleiben. Andere können zu Kontron wechseln und ein Teil ist über Altersregelungen und den direkten Wechsel zu neuen Arbeitgebern bereits versorgt. Rund 800 Menschen brauchen aber nach wie vor bis Ende des Jahres 2020 noch einen neuen Job. Für einen Teil von ihnen könnte sich schon bald eine Chance auftun. Wie aus Insiderkreisen zu hören ist, soll es weitere Unternehmen geben, die Interesse an Fujitsu-Mitarbeitern haben. Auch bei der Agentur für Arbeit in Augsburg melden sich nach wie vor regelmäßig Firmen, die an den Fujitsu-Beschäftigten interessiert sind.

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