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Geschichte

18.02.2018

Was soll aus Halle 116 werden?

Die Zukunft von Halle 116 auf dem Sheridan-Gelände ist umstritten. Sie könnte ein Erinnerungsort werden. Aber es gibt auch andere Ideen.

Anwohner haben unterschiedliche Vorstellungen zum Gebäude auf dem Sheridan-Gelände. Überhaupt gibt es in der Debatte über das frühere KZ-Außenlager kontroverse Meinungen.

Wie soll er aussehen, der künftige „Lernort“ in der Halle 116 auf dem Sheridan-Areal im Stadtteil Pfersee? Und braucht die Stadt überhaupt noch eine weiteren Erinnerungsort an Opfer des Nationalsozialismus? Über diese Fragen wird jetzt kontrovers diskutiert. Denn noch ist keine endgültige Lösung in Sicht, auch wenn sich die Stadt schon seit rund zehn Jahren mit dem Thema beschäftigt.

Fragt man Anwohner auf dem Sheridan-Areal, gehen die Meinungen auseinander. Markus Haage sagt, „ich brauche keine zusätzliche Gedenkstätte, wir haben schon so viele“. Der Augsburger betont, dass er keine extreme Partei wählen würde. Er findet aber, man sollte die heutige Gereration nicht ständig mit der Geschichte des Nationalsozialismus konfrontieren. „Es war eine schlimme Zeit, aber ich bin nicht in dieser Zeit geboren“, so Haage. Das Gebäude der Halle 116 findet er aber erhaltenswert, aber ohne Erinnerungsort.

Ein Identifikationspunkt auf dem Gelände

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Anwohner Thomas Katheder ist anderer Ansicht. Er sagt, die historische Halle 116 sei ein Identifikationspunkt auf dem neuen Sheridan-Areal, der erhalten und unter Denkmalschutz gestellt werden sollte. Das Stadtquartier sei weitgehend erschlossen, so Katheder. „Nun sollte man auch den Erinnerungsort angehen.“ Er selbst könne sich noch an die Zeit der Amerikaner erinnern, seine Schwiegermutter an den Nationalsozialismus. Auch sein Sohn Christian, 11, meint: „Ich bin dafür, das die Halle 116 bleibt und an die alte Zeit erinnert.“ Es gibt inzwischen viele Leute, die im neuen Stadtquartier arbeiten. Ein Online-Marketing-Manager, der seinen Namen nicht nennen will, sagt, die alte Halle störe ihn nicht, sie sollte aber genutzt werden. „Auf welche Weise, das ist mir egal, weil ich nicht hier wohne.“

Bei der Europa Union verfolgt man die aktuelle Diskussion aufmerksam. Einen würdigen Ort der Erinnerung zu schaffen, sei für eine Stadt mit 300.000 Einwohnern und chronisch klammen Kassen keine leicht zu stemmende Herausforderung, sagt Vorsitzender Thorsten Frank. Dennoch habe sich die Stadt dieser Aufgabe angenommen. Konkret geht es um die Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus in dem früheren KZ-Außenlager, in dem Zwangsarbeiter untergebracht waren. Es geht aber auch um die Würdigung der Periode, in der amerikanische Truppen in der Sheridan-Kaserne stationiert waren.

Die Halle vereint zwei Welten

Frank sagt, die Halle 116 spiele in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle. Sie vereine beide Welten, „die Präsenz der Amerikaner und einen Ort in Augsburg, in dem Gräueltaten der Nationalsozialisten sichtbar werden.“

Weder für das eine, noch für das andere sei in Augsburg ein großflächiger Erinnerungsort vorhanden. Er fordert auch, die Stadt müsse ihren bisherigen Weg beibehalten und eine „Vollversion“ des Lern- und Erinnerungsortes realisieren. Weil das Projekt für die Stadt alleine finanziell nicht zu stemmen sei, schlägt er vor, Partner zu suchen und Fördermittel einzuwerben. Gerade die Europäische Union unterstütze Projekte und Bürgerbegegnungen zum Europäischen Geschichtsbewusstsein.

Auch Angela Bachmair von der Augsburger Erinnerungswerkstatt hält es für wichtig, in Halle 116 einen authentischen Lernort einzurichten. Für die Opfergruppe der Zwangsarbeiter sei bislang noch zu wenig getan worden. Auch sie wünscht sich, dass die Stadt mit dem Projekt vorankommt. Zwar sei zu befürchten, dass es bei vielen Kulturbaustellen wie dem Theater oder Römischen Museum noch länger dauern werde, bis der Lernort in der Halle 116 kommt. „Man sollte aber nicht noch einmal zehn Jahre warten“, so Bachmair. Nach ihrer Einschätzung ist die Halle zu groß, um sie komplett als Erinnerungsort einzurichten. Sie kann sich eine städtische Partnerschaft mit einem privaten Investor vorstellen, um das Projekt zu finanzieren. In diesem Fall müsse es allerdings wasserdichte Verträge geben.

Eine Anlaufstelle für Schulen

Gernot Römer, Autor mehrer Bücher über den Nationalsozialismus und früherer Chefredakteur unserer Zeitung, hat sich schon vor Jahren dafür ausgesprochen, die Halle 116 zum Erinnerungs- und Lernort zu machen. „Auf dem Weg zu diesem Ziel sollte man möglichst schnell weiterkommen“, sagt er heute. Gerade auch für Schüler sei es wichtig, Historie nicht nur in Büchern nachzulesen. An einem Ort wie dem früheren KZ-Außenlager sei die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten für junge Leute nachvollziehbar. Damit Geschichte in Augsburg erlebbar wird, seien allerdings auch ein gutes Konzept und gut vorbereitete Lehrer nötig, betont Römer.

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