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Augsburg

13.04.2016

Was steckt hinter Werbe-Kampagne der Muslime?

Sajid Mahmood verteilt in der Fußgängerzone Handzettel, dir für den Benefizlauf der Ahmadiyya-Gemeinde am 1. Mai in Augsburg
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Sajid Mahmood verteilt in der Fußgängerzone Handzettel, dir für den Benefizlauf der Ahmadiyya-Gemeinde am 1. Mai in Augsburg
Bild: Peter Fastl

Die Ahmadiyya-Gemeinde propagiert mit Plakaten, Flyern und Veranstaltungen einen friedlichen Islam. Allerdings verfolgt sie selber eine strikte religiöse Linie.

„Verbreitet Frieden auf Erden“ und „Der Beste unter euch ist der, der seine Frau am besten behandelt“ – auf 50 Plakaten in Augsburg finden sich derzeit diese und ähnliche Verse des Koran. Dawood Majoka erklärt, sie stünden für Grundwerte seiner Religion, doch viele Muslime hielten sich nicht an sie. Anders sei es bei der Ahmadiyya Muslim Jemaat, deren Sprecher der Informatiker ist: „Wir sind eine Reformgemeinde, unser Erlöser und Gründer hat den Islam von seinen Verkrustungen befreit, Gewalt verboten und den Frauen die Gleichstellung versprochen“, erklärt Majoka. Zu zehnt sind die Vertreter der Frankfurter Zentrale angereist, um die Informationskampagne im Hotel Drei Mohren vorzustellen.

Im Gegensatz zu den 14 anderen Moscheegemeinden Augsburgs, die in Sachen Öffentlichkeitsarbeit schon lange auf Tauchstation sind, geht die in Augsburg nur 150 Mitglieder starke Ahmadiyya zur Zeit in die Vollen. So betreuten sechs Theologiestudenten der Frankfurter Ahmadiyya-Akademie einen Stand auf der Afa und verteilten „Muslime für den Frieden“-Flyer in der Fußgängerzone. Am 29. April folgt in der Kongresshalle eine Filmpremiere zum Leben Mohammeds inklusive Koran-Rezitation mit deutscher Übersetzung. Am 1. Mai findet ein Benefizlauf statt. Augsburg, wo es seit 1988 eine Ahmadiyya-Moscheegemeinde gibt, ist nur einer von deutschlandweit über 30 Orten, an denen die Kampagne im April zeitgleich läuft. Die Vorträge „Der Islam“ und „Stoppt den Terror“, die in der Stadtbücherei ein großes Publikum fanden, gehören ebenfalls zum Paket.

Mission sei nicht das Ziel

Nein, Mission sei das nicht, betont der Student Umair Khaled aus der Pfalz. „Wir wollen nur, dass die Deutschen einen anderen Islam zu Gesicht bekommen als den der Terroristen.“ Schwerpunkt der Aktionen sind Regionen, in denen die Gemeinde bisher noch nicht präsent ist. Missionserfolge, für die die Ahmadiyya in Europa bekannt ist, seien nicht das Ziel, erklärt Majoka.

Die Ahmadiyya-Bewegung hat weltweit bis zu zehn Millionen Anhänger. In Augsburg ist sie seit 1988 mit einem Gebetszentrum in Pfersee und etwa 150 Mitgliedern vertreten. Das Oberhaupt der Bewegung residiert in London. Die nationalen Gemeinden werden von einem Emir geführt, der aus dem jeweiligen Land stammt und meist ein Konvertit ist. Für Deutschland verkündete der Kalif 1988 ein 100-Moscheen-Programm. Heute bestehen hier 220 Gemeinden mit etwa 35000 Anhängern. Das entspricht etwa 1,7 Prozent der muslimischen Bevölkerung. 47 repräsentative Moscheen wurden bisher gebaut. Die neue Augsburger Moschee an der Donauwörther Straße soll im September eröffnet werden. Wie wird all das finanziert? Wer der Ahmadiyya beitritt, unterschreibt ein „Treuegelöbnis“ mit Verhaltensregeln und verpflichtet sich, 1/16 des Einkommens an die Gemeinde abzuführen.

Gewaltloser Widerstand

Der Orientalist und Religionswissenschaftler Peter Antes (Hannover) sieht in der aktuellen Offensive eine neue Entwicklung. „Bisher trat die Gemeinde immer sehr zurückhaltend auf. Sie ist jetzt, unter dem Eindruck des Terrors und der salafistischen Bewegung in Europa, hoch sensibilisiert. Denn diese Sunniten sind genau die, von denen sie vor allem in Pakistan, aber auch in anderen muslimischen Ländern grausam verfolgt werden. Sie wollen jetzt dagegen halten – gewaltlos natürlich.“ Stehen die Ahmadiyya denn den für den „wahren“ Islam, wie sie behaupten? „Jede Religion ist Vielfalt, nicht Einheit. Das müssen alle akzeptieren, auch die Ahmadiyya“, sagt Peter Antes

Intern folgt Gemeinde trotz der plakativen Friedensbotschaften sehr strikten Regeln, die keine Abweichung dulden: So ist das Kopftuch Pflicht und die Geschlechtertrennung streng. Kontakte zwischen Unverheirateten ohne Aufsichtsperson sind nicht erlaubt. „Wer sich an diese Regeln nicht hält, wird angesprochen. Besteht jemand auf seinem falschen Verhalten, ist er frei, die Gemeinde zu verlassen“, erklärt Majoka.

Tochter erwürgt

Offenbar aus Angst vor einer solchen Exkommunikation hatte ein Ahmadiyya-Paar in Wiesbaden vor einem Jahr seine Tochter erwürgt, die sich heimlich mit einem Jungen getroffen hatte. Nachdem die Eltern des Jungen einer sofortigen Heirat als Ausweg nicht zustimmten, eskalierte die Situation. Das Täterpaar wurde im Januar zu lebenslanger Haft verurteilt. Ob dieser tragische Fall und die Ursachen gemeindeintern diskutiert wurden? „Wir haben als Konsequenz eine Hotline eingerichtet. Hier beraten wir, wenn Heiratswünsche von den Eltern oder einer Gemeinde boykottiert werden“, berichtet Majoka. Auch an die interne Heiratsabteilung, die unter anderem Ehepartner vermittelt, könne man sich bei Problemen wenden.

Die beiden Augsburgerinnen Pakiza Chaudry und Saher Ahmad schließen sich dem an. „Diese Regeln gehören zu uns und so kann ich sie an meine Kinder weiter geben“, sagt die 20-jährige Pakiza. Saher fügt hinzu: „Für Außenstehende scheint es schwer. Doch man muss sich nicht groß kennen lernen. Man spürt, dass man zusammen passt.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

17.04.2016

Als Antwort auf diesen Artikel haben wir einen Leserbrief verfasst.
http://muslimischefeder.de/wir-wollen-aufklaeren/
Unter dem o.g. Link kann man den Leserbrief lesen. Auf der Webseite wird man sicherlich Antworten auch auf weitere Fragen und Missverständnisse finden.
Der Islam ist eine friedliche Religion. Menschen, die schlechte Taten machen, kann man in keiner Gruppe ausschließen. Das hat jedoch in keinster Weise etwas mit der Lehre der Religion zu tun.
Ich würde alle Leser recht herzlich darum bitten, sich erstmal genau zu informieren und sich dann erst ein Bild zu machen.
Hierzu wird, wie auch im Artikel erwähnt, am 29. April um 18 Uhr eine interaktive Aufführung im Kongress am Park stattfinden. Es wird auch die Möglichkeit geben, Fragen beantworten zu lassen.
Mit unserem Motto möchte ich meinen Kommentar beenden: "Liebe für Alle, Hass für Keinen"
Wir freuen uns auf alle, die zu dieser Veranstaltung kommen!

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14.04.2016

"Wir sind eine Reformgemeinde, unser Erlöser und Gründer hat den Islam von seinen Verkrustungen befreit, Gewalt verboten und den Frauen die Gleichstellung versprochen“, erklärt Majoka. ..."

Hä? Wie geht das denn zusammen??

...sehr strikten Regeln, die keine Abweichung dulden: So ist das Kopftuch Pflicht und die Geschlechtertrennung streng. Kontakte zwischen Unverheirateten ohne Aufsichtsperson sind nicht erlaubt. „Wer sich an diese Regeln nicht hält, wird angesprochen. Besteht jemand auf seinem falschen Verhalten, ist er frei, die Gemeinde zu verlassen“, erklärt Majoka....

Es gibt keinen deutschen und auch keinen europäischen Islam, der Inhalt des Korans ist unveränderbar und keine Institution oder gar Person ist in Sicht, sich zu trauen das zu reformieren. Wer das wagt wird verfolgt, steht doch bereits im Artikel.

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13.04.2016

Dass man nun bei den friedlichsten Muslimen weit und breit den lokalen Artikel mit einem aus dem Bundesgebiet herausgesuchten Ehrenmord anreichert ist auch irgendwie merkwürdig...

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13.04.2016

Zum Glück bin ich Lutheraner und würde schon gerne die Frau die Liebe auch mal alleine treffen.

Was würden die Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde eigentlich machen, wenn ich meine Bibel vor ihrer Moschee verteilen würde.

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13.04.2016

Versuchen Sies doch einfach - ich glaube Sie wären überrascht.

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