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Augsburg

26.02.2018

Was tun, wenn Miezi und Bello krank werden?

Ist der Hund krank, leidet auch der Besitzer. Nach Meinung mancher Tierforscher hilft dem Vierbeiner Zuwendung oft mehr als Medikamente.
Bild: Marks, dpa (Symbolbild)

Seit Ende 2017 wurde der tierärztliche Notdienst in Augsburg eingestellt. Wo sich Tierhalter noch hinwenden können und warum die Hoffnung noch nicht aufgegeben werden muss.

Das Wohlergehen ihrer Haustiere steht für viele an erster Stelle. Seit der freiwillige tierärztliche Notdienst in Augsburg Ende 2017 eingestellt wurde, ist deshalb die Besorgnis groß. Christine Wagner zum Beispiel ist enttäuscht über die Abschaffung der freiwilligen Leistung der Tierarztpraxen. Für die Haustierbesitzerin ist es ein Rätsel, warum die Veterinäre den Dienst nicht wenigstens an manchen Wochenenden anbieten könnten.

„Ohne Auto hat man keine Möglichkeit, die Tierkliniken in Gessertshausen oder Stadtbergen überhaupt zu erreichen“, sagt Wagner. Sie hätte bereits die Erfahrung gemacht und mitten in der Nacht ein Taxi rufen müssen. Zum Wohl von Tier und Halter hofft Wagner darum auf eine schnelle Wiedereinführung des freiwilligen Notdienstes.

Schwer vereinbar: Familie und Wochenendnotdienst

Tierärztin Renate Danko macht ihr da wenig Hoffnung. Sie hat sich zwar nur widerwillig vom Projekt unter der Leitung des inzwischen pensionierten Dr. Virgil Dobrescu verabschiedet. Die optimale Versorgung ihrer Patienten ist für sie eine Herzensangelegenheit. Doch mit nur einem weiteren Kollegen sei eine Fortsetzung der freiwilligen Leistung schlicht nicht mehr möglich. „Selbst zu dritt war es bereits eine Herausforderung“, sagt sie.

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Familie und der Wochenendnotdienst seien kaum miteinander zu vereinbaren. Früher war der tierärztliche Notdienst für alle Tierärzte in der Region verpflichtend. Seit es die Tierklinik AniCura mit ihrem 24-Stunden-Service in Pfersee gebe, habe sich das geändert. „Nach der Berufsordnung für Tierärzte in Bayern ist damit die tierärztliche Versorgung vor Ort gewährleistet“, erklärt Danko. Kollegen stehe es nun frei, ob sie ihre Wochenenden opfern wollen, um einen Notdienst zu organisieren.

In einer Gruppe von vier bis fünf Tierärzten wäre das Projekt machbar

Der Aufwand und die psychische Belastung eines Notdienstes dürften dabei nicht außer Acht gelassen werden: „Nicht der Andrang, sondern das auf Abruf zur Verfügung stehen ist das Problem“, sagt Danko. Sie möchte das Projekt aber noch nicht komplett abschreiben. In einer Gruppe von vier oder fünf Tierärzten sei der freiwillige Notdienst gut machbar.

Dr. Karl Eckart, Präsident der bayerischen Landestierärztekammer, weist darauf hin, dass der Tierärztliche Bezirksverband jederzeit eingreifen könne, wenn er die tierärztliche Versorgung vor Ort gefährdet sehe. Nach Absprache mit den Praxen könne der Notdienst dann ausgeweitet werden. Dr. Martin Kleint, Vorsitzender des Tierärztlichen Bezirksverbands Schwaben, sieht die Region Augsburg allerdings nicht in Gefahr. „Dr. Dobrescu hat mir vor seiner Pensionierung versichert, dass die Inanspruchnahme des tierärztlichen Notdienstes über die letzen 15 Jahre deutlich abgenommen hatte“, so Kleint.

Tierklinik funktioniere eher wie eine Notaufnahme

Die Tierkliniken AniCura, Gessertshausen und Auwald gewährleisten in der Region Augsburg rund um die Uhr eine tierärztliche Notversorgung. Sollte dies unzureichend sein, behalte es sich der Tierärzteverband vor, den Notdienst wieder verpflichtend einzuführen. Ein Vorteil von Tierkliniken sei: Sie garantieren eine optimale Versorgung, da sich alles Wichtige unter einem Dach befinde, sagt Kleint. „Eine Hausbetreuung durch mobile Tierarztkollegen des Notdienstes ist nach Abschätzung für unkomplizierte Fälle aber möglich.“

In größeren Städten könnten auch Tierrettungstransporte bestellt werden. Stefan Bentele, Fachtierarzt und Mitglied der Klinikleitung von AniCura, sagt, dass der Notdienst im Moment gut besucht sei. Die Wartezeiten hingen von zwei Faktoren ab: der Art des Notfalls und der Zahl der Tiere mit schweren Krankheiten, die bereits zu versorgen seien. Die Grundversorgung der Bevölkerung könne also nicht nur über die Tierklinik abgedeckt werden. „Die Funktion der Tierklinik ist eher mit einer Notaufnahme zu vergleichen“, sagt er. Ähnlich wie in der Humanmedizin könne es deshalb auch zu erheblichen Wartezeiten und Überlastungen kommen, da auch die personellen Kapazitäten einer Tierklinik nicht unendlich seien.

Info: Interessierte Tierärzte, die bei einem freiwilligen tierärztichen Notdienst in Augsburg mitmachen möchten, können sich mit Tierärztin Renate Danko in Verbindung setzen. Erreichbar ist sie über die Mailadresse r.danko@gmx.de.

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