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Augsburg

27.05.2015

Wasserversorgung als mögliches Welterbe: Die Ideen sprudeln

Mehrere Infotafeln im Stadtwald informieren Spaziergänger über besondere Orte, über Bäche und ihre Geschichte. Seit kurzem gibt es drei neue.
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Mehrere Infotafeln im Stadtwald informieren Spaziergänger über besondere Orte, über Bäche und ihre Geschichte. Seit kurzem gibt es drei neue.
Bild: Anne Wall

Bäche und Kanäle im Stadtwald waren für die Wasserversorgung Augsburgs überlebenswichtig. Stehen sie damit auch im Mittelpunkt der Unesco-Bewerbung?

Was macht Augsburgs historische Wasserversorgung so besonders? Sind es die prächtigen Brunnen? Sind es die technisch ausgeklügelten Wassertürme? Sind es die zahlreichen Wasserkraftwerke, egal ob historisch oder modern? Der stolze Augsburger wird auf diese Frage eine Antwort geben: Alles. Dennoch wird sich die Stadt bei der Bewerbung um den Unesco-Titel „Welterbe“ auf Höhepunkte beschränken müssen. Unesco-Experten haben ihr dazu geraten.

Flüsse und Bäche mit zentraler Bedeutung

So wird sich die Bewerbungsschrift, die im August 2017 eingereicht wird, auf wenige Denkmäler und Fakten konzentrieren. Die Bäche und Kanäle im Stadtwald gehören wohl nicht dazu. Eine Tatsache, die der Landschaftspflegeverband (LPV) gerne ändern würde, denn: „Das Zusammenspiel zwischen Lechkanälen und Quellbächen für die Wasserversorgung der Stadt ist in dieser Form ein absolutes Alleinstellungsmerkmal“, sagt LPV-Geschäftsführer Nicolas Liebig.

Über Jahrhunderte hinweg zapften die Bürger Flüsse und Bäche im Stadtwald an, um Wasser in die Stadt zu leiten. Dort wurde es für viele Zwecke genutzt: Es floss in den Stadtgraben, der Feinde abhalten sollte. Es floss in Kanäle, die die Mühlen antrieben. Es floss unter der Stadtmetzg hindurch, um das Fleisch zu kühlen. Nicht zuletzt lieferte es sauberes Trinkwasser.

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"Elias Holl war der Schöpfer eines eigenständigen, großen und strengen Stils deutscher Renaissance." steht auf dem Denkmal auf dem Elias-Holl-Platz zu Ehren des Baumeisters geschrieben.
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Augsburgs Denkmäler: Ein Stadtspaziergang in Bildern
Bild: Dorothee Pfaffel

Augsburgs Wasserbau-Experten führten offenbar bereits im Mittelalter ein getrenntes System für das reine Quell- und das weniger saubere Lechwasser ein. Bis 1840 wurde diese Trennung beibehalten, am Aquädukt bei der Freilichtbühne ist das System bis heute zu erkennen: Zwei Kanäle führen zu den Wassertürmen am Roten Tor hinüber.

Augsburg hatte "exzellente" Flussbaumeister

Der Verlauf der Bäche im Stadtwald wurde immer wieder künstlich verändert, um das Wasser zu Verteilerpunkten zu leiten. „Diese Stadt hatte exzellente Flussbaumeister. Das ist auch nach heutigen Kenntnissen so noch gültig“, sagt Nicolas Liebig. Tatsächlich waren die Augsburger Experten schon früh auch in anderen Städten gefragt. Dass sie sich mit Wasserbau so gut auskannten, lag an der Topografie der Stadt: Die Flüsse lagen wesentlich tiefer als die Ansiedlung. Das kostbare Nass musste deshalb über ausgeklügelte Hubsysteme zu den Häusern gebracht werden.

70 Kilometer des Bäche- und Kanalsystems sind im Stadtwald noch heute erhalten. Einige Quellen sprudeln noch immer, andere sind versiegt, aber nach wie vor zu erkennen. Nicolas Liebig ist derzeit dabei, sämtliche Quellen zu kartieren. „Die Dokumentation ist auch für die Unesco-Bewerbung wichtig“, sagt er. Behilflich sind ihm historische Karten, auf denen zum Teil Quellen und Bäche eingezeichnet sind, die heute nicht mehr ohne Weiteres zu erkennen sind.

Dass der Stadtwald – heute ein Trinkwasserschutzgebiet – noch in dieser Größe erhalten ist, ist laut Liebig übrigens ein Glücksfall. „Andere Städte wuchsen aus dem Zentrum heraus.“ Sie haben das Umland im Lauf der Jahrhunderte „aufgefressen“. Der Stadtwald jedoch war immer eine wilde Aulandschaft, von Hochwasser bedroht und undurchdringlich. „Dies führte letztlich dazu, dass er nie bebaut und schließlich zur Schutzzone wurde“, sagt Liebig.

Stadtwald ist Trinkwasserschutzgebiet

Den Bürgern des heutigen Augsburg ist ihr Stadtwald nicht nur als Naherholungsgebiet, sondern auch als Trinkwasserschutzgebiet ans Herz gewachsen. Sie sind notfalls auch bereit, für den Erhalt zu streiten. Wie wertvoll dieses Areal ist, wurde in der Stadt schon früh erkannt: Als Kurfürst Max Emanuel von Bayern 1721 ein Darlehen von Augsburg erbat, zahlten die Stadtoberen nicht ohne Gegenleistung, die sie auch bekamen: Max Emanuel überließ ihnen für 40 Jahre den Haunstetter Wald – und damit das Recht, die Brunnenquellen zusammenzuführen und über den heutigen Siebenbrunner Bach in die Stadt zu leiten. Komplett im Besitz der Stadt ist der Stadtwald übrigens erst seit 1972. Mit der Eingemeindung von Haunstetten, Göggingen und Inningen kamen die bis dato letzten 350 Hektar dazu. Insgesamt umfasst der Stadtwald 2150 Hektar und ist damit etwa so groß wie 3000 Fußballfelder.

Literatur Im Juni erscheint ein Natur- und Wanderführer, der sich mit dem Augsburger Stadtwald und seinen Bächen beschäftigt. Er entsteht in Zusammenarbeit von Nicolas Liebig und Martin Kluger und soll den Bürgern Geschichte und Geschichten näher bringen.

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