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Prozess in Augsburg

30.08.2020

Wechselgeld-Betrüger wird in Augsburg zu Haftstrafe verurteilt

Immer wieder hat ein 24-jähriger Mann an den Kassen von Geschäften betrogen: Sein Wechselgeld-Trick funktionierte häufig.
Bild: Peter Kneffel, dpa (Symbolbild)

Plus Immer wieder trickst ein junger Mann in Geschäften beim Bezahlen. Seine Masche funktionierte häufig. Doch dann wurde er erwischt. Nun stand er in Augsburg vor Gericht.

Seine letzte Chance, die sei beim vorigen Mal gewesen, mahnte der Richter den Angeklagten. Er verurteilte den 24-jährigen Dachdecker wegen sechs Fällen des Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten – ohne Bewährung. Zwar hatte der Mann „nur“ einen Schaden von rund 300 Euro angerichtet, aber trotz seines noch jungen Alters hatte er schon über 20-mal in ähnlichen Fällen mit der Justiz zu tun gehabt.

Mit seiner Betrugsmasche war er auch in Augsburg "erfolgreich"

Die „Masche“ des Mannes, der bei Hannover lebt: Er betrügt beim Geldwechseln. An der Kasse eines Geschäfts wird für einen Kleinbetrag ein 50-Euro-Schein gereicht –und dann: Ach Moment mal, ich habe es doch passend. Der Schein wird wieder eingesteckt, das Kleingeld zusammengesucht, damit bezahlt. Dann: Haben Sie mir meinen Fünfziger schon wieder gegeben? Er bekommt ihn. Immer wieder hatte der Angeklagte mit dieser Vorgehensweise Erfolg, im Jahr 2019 auch dreimal in Augsburg. Eigentlich sei er nur zu Besuch bei seinem hier lebenden Bruder gewesen, so der Mann vor Gericht. Aber dann habe er es doch wieder mit der Schein-Masche versucht.

Ja, er habe bis zur Verhaftung in der Baufirma der Familie ein eigenes Einkommen gehabt, aber die Versuchung, mit dem Wechseltrick an Geld zu kommen, sei unwiderstehlich gewesen, sagt der Angeklagte. Neben den Betrügereien in einem Supermarkt und in zwei Cafés in Augsburg wurden auch drei ähnliche Fälle aus zwei Hotels in Berlin und im Odenwald sowie einem weiteren Geschäft mitverhandelt.

Videoaufnahmen brachte die Polizei auf seine Spur

Anhand von Videoaufzeichnungen, die das Gesicht des Angeklagten und in zwei Fällen von weiteren Tatbeteiligten zeigten, kam die Polizei dem Angeklagten auf die Spur. Der 24-Jährige saß nach seiner Verhaftung bis zur Verhandlung rund sechs Monate in Untersuchungshaft. Der Mann hatte bereits vor der Verhandlung über seinen Anwalt bereits alle Taten zugegeben. Deshalb verzichtete Richter Dominik Wagner auf Zeugen. Mithilfe seines Verteidigers versuchte der Angeklagte vor Gericht, seinen unbedingten Willen nach einem Neuanfang darzulegen.

„Das halbe Jahr im Gefängnis war sehr hart für mich“, meint der Angeklagte. Zum einen habe er eine dreijährige Tochter, der er ein guter Vater sein wolle. Zudem wolle er heiraten. Er beteuerte, sich zu bessern, den Kontakt mit Kriminellen zu meiden und eine Berufsausbildung abzuschließen. „Ich bitte um eine letzte Chance.“

 

Bei Staatsanwältin Saskia Eberle stießen die Ausführungen auf wenig Glauben. Kind und ein eheähnliches Verhältnis habe er auch schon vor Begehung der nun angeklagten Straftaten gehabt. Zudem habe er unter offener Bewährung gestanden, so die Staatsanwältin. Dass jemand in seinem Alter schon 20 einschlägige Eintragungen im Bundeszentralregister aufweise, sei ein starkes Stück. „Sie sind Betrüger durch und durch“, befand die Anklägerin, „vorhergehende Strafen haben Sie völlig unbeeindruckt gelassen.“

Augsburger Justiz will im Betrugs-Prozess ein Zeichen setzen

Die Staatsanwältin kritisierte die Praxis aus anderen Bundesländern, Diebstahls- und Betrugsangelegenheiten immer wieder einzustellen oder diese mit zu milden und damit erkennbar untauglichen Strafen abzuhandeln. Nun sei es an der Augsburger Justiz, ein Zeichen zu setzen. Eberle bildete zu den sechs angeklagten Betrugsdelikten eine gesamte Freiheitsstrafe von 22 Monaten, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Im Tenor folgt Richter Wagner dieser Forderung der Staatsanwältin. Er stellte sich damit gegen das Plädoyer des Rechtsanwalts Michael Menzel, der eine Bewährungsstrafe für angemessen erachtet hatte. Immerhin sei sein Mandant vollumfänglich geständig gewesen, er habe Aufklärungshilfe geleistet und den entstanden Schaden wiedergutgemacht, legte der Verteidiger dar.

So hat sich die Zahl der Straftaten in Augsburg verändert

Diese Zahlen sind zwar nur begrenzt aussagekräftig. Sie hängen zum Beispiel auch davon ab, wie stark die Polizei im Drogenmilieu kontrolliert oder wie viele Schwarzfahrer von den Stadtwerken angezeigt werden. Aber ein Trend lässt sich daraus durchaus ablesen. Und der zeigt deutlich nach unten. Die Kriminalität ist so niedrig wie nie in den vergangenen zehn Jahren. Erfolge kann die Polizei auch auf Gebieten vorweisen, die viele Bürger betreffen – bei den Wohnungseinbrüchen und bei der Straßenkriminalität. Auf beiden Feldern sind die Zahlen ebenfalls rückläufig.

„Sie haben Ihre Chance gehabt“, meinte jedoch der Richter mit Blick auf die vorangegangene Verurteilung des Angeklagten 2019. „Sie haben ein ellenlanges Vorstrafenregister, Sie haben gewerbsmäßig gehandelt, und das mit einer hohen Frequenz.“ Der Richter verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten ohne Bewährung. Gleichwohl setzte er den Untersuchungshaftbefehl außer Vollzug, sodass der Angeklagte von seiner verzweifelten Lebensgefährtin im Zuschauerraum in Empfang genommen werden konnte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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