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Geschichte

13.11.2019

„Weg der Erinnerung“ führt an Orte der NS-Zeit

Josef Pröll zeigt ein Foto des Vorraums zum Gestapo-Keller in der Prinzregentenstraße.
Bild: Annette Zoepf

Am Jahrestag der Reichspogromnacht führt ein Rundgang zu Stellen, die an Opfer und Täter erinnern

Eine Gruppe aus etwa dreißig Personen versammelte sich am Samstagmorgen, 9. November, vor dem Augsburger Rathaus. Bedrückend war an diesem nasskalten Novembermorgen nicht nur das Wetter, sondern auch der Anlass der Versammlung: Zum 81. Mal jährte sich die Reichspogromnacht. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden Juden in ganz Deutschland und Österreich zum Opfer nationalsozialistischer Gewalt. Jüdische Geschäfte und Gotteshäuser wurden damals in Brand gesetzt, tausende Juden verhaftet.

Im Gedenken an diese schrecklichen Ereignisse boten Mitglieder der Erinnerungswerkstatt Augsburg sowie der Initiative Stolpersteine für Augsburg und Umgebung einen Stadtrundgang zu markanten Orten der NS-Zeit in Augsburg an. Dass die Führung an diesem Jahrestag stattfand, war für Irmgard Knörrich der Anlass, teilzunehmen. „Ich habe mich schon immer für die Nazi-Zeit interessiert“, sagt die 80-Jährige. Um die Schicksale von Augsburger Bürgern, die während dieser Zeit von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden, geht es in der Führung. Ihre Namen kann man auf den rund 21 Stolpersteinen und 20 Erinnerungsbändern in Augsburg lesen.

Zu einigen dieser Steine und Bänder führt der Spaziergang die Teilnehmer am 9. November. Die Erinnerungsbänder sind vor dem letzten freiwilligen Wohnhaus der Betroffenen angebracht. Bei dem jüdischen Ehepaar Englaender etwa war das ein Haus in der Annastraße. Fritz Schwarzbäcker, Mitglied der Erinnerungswerkstatt, erzählt den Teilnehmern hier etwas zum Leben der Englaenders. „Die Lebensläufe dieser Menschen sind ungenügend beschrieben, wenn wir sie nur als Opfer sehen“, so Schwarzbäcker. Um den Augsburgern, die dem NS-Regime zum Opfer fielen, gerecht zu werden und um ihre Schicksale greifbarer zu machen, haben Mitglieder der Erinnerungswerkstatt auf der Internetseite gedenkbuch.erinnerungswerkstatt-augsburg.de die Biografen dieser Menschen zusammengetragen. Rund 150 sind es bislang.

„Weg der Erinnerung“ führt an Orte der NS-Zeit

Neben ehemaligen Wohnhäusern von durch das NS-Regime ermordeten Augsburgern werden bei der Führung auch andere Orte in Augsburg, die mit dem Dritten Reich in Verbindung stehen, gezeigt. So die AOK-Zentrale am Prinzregentenplatz, ehemaliges Gestapo-Hauptquartier. Oder die Synagoge, die in der Reichspogromnacht schwer beschädigt wurde.

Walter Heinrich ist von der Führung berührt. Die Erinnerung an die durch das NS-Regime begangenen Taten könne man gar nicht oft genug wecken, sagt der 66-Jährige. Auch an den kommenden Stadtspaziergängen möchte Heinrich teilnehmen. Am Freitag, 31. Januar, sowie Samstag, 7. März, sind diese angesetzt. Mitglieder der Erinnerungswerkstatt und der Initiative Stolpersteine werden interessierte Bürger an diesen Terminen zu weiteren Erinnerungsbändern und Stolpersteinen in der Innenstadt, etwa im Domviertel und der Jakobervorstadt, führen.

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