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Augsburg

05.04.2021

Wegen Corona sind Kleingärten in Augsburg so gefragt wie nie

Für Gudrun Odobescu und Gerhard Klug ist die Kleingartenanlage am Proviantbach ein kleines Paradies.
Foto: Annette Zoepf

Plus Trotz langer Wartelisten bewerben sich immer mehr Menschen in Augsburg für einen Schrebergarten. Corona hat die Nachfrage zusätzlich verstärkt. Welche neuen Anlagen in der Stadt geplant sind.

Wer in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbot einen Garten hat, kann sich glücklich schätzen. Eine besondere Rolle spielen dabei gerade auch die Kleingärten im Stadtgebiet, auf die ein regelrechter Boom eingesetzt hat. Als Pächter eines Kleingartens hat man gerade nicht nur Grün und frische Luft, sondern auch soziale Kontakte - quasi über den Gartenzaun, sagt die Zweite Vorsitzende des Stadtverbandes Augsburg der Kleingärtner, Gudrun Odobescu.

In der Kleingartenanlage Proviantbach hinter dem Fabrikschloss werden die Gärten frühlingsfein gemacht. Überall sieht man Frauen und Männer werkeln und Gemüse einsäen, Blumenzwiebeln setzen oder an ihren Hütten arbeiten. Noch ist nicht viel gewachsen und in den Beeten und Hochbeeten wartet die gelockerte Erde auf neue Pflanzen. "Wir sind dieses Jahr ein Stück später dran, weil wegen Corona ja die Gartenmärkte zu waren", sagt Fachberater Gerhard Klug. Gerade noch rechtzeitig hätten sich die Gärtner mit Samen, Pflanzen und Stecklingen eindecken können. Jetzt wird alles verarbeitet, damit im Sommer die Gärten blühen und selbstgezogenes Gemüse, Salat und Obst geerntet werden können.

Die Arbeit im Schrebergarten erfreut sich großer Beliebtheit.
Foto: Alexander Kaya (Symbolbild)

Auch die zweite Obfrau der Kleingartenanlage, Ilse Schindeldecker, arbeitet mit ihrem Mann gerade in ihrer Parzelle. "Während der Pandemie ist unser Garten pure Erholung", findet sie. "Eigentlich ist es wie Urlaub - hier gibt es Sonne, Strand und Wasser", sagt sie mit Blick auf den nahen Proviantbach und die große Liegewiese. Auch, dass man sich dank der niedrigen Hecken über mehrere Gärten sehen und unterhalten kann, betrachtet sie als großen Vorteil. "Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft, mit vielen meiner Nachbarn bin ich aufgewachsen - immer kommt jemand auf ein Schwätzchen über den Zaun vorbei", sagt Schindeldecker.

Augsburg: 600 Menschen bewarben sich 2020 für einen Kleingarten

In normalen Jahren lassen sich 200 bis 250 Menschen in Augsburg für einen Kleingarten vormerken, weiß Gudrun Odobescu. Im vergangenen Jahr seien es über 600 Interessenten gewesen, die gerne eine der Parzellen bewirtschaftet hätten. Dabei ist die Warteliste nach wie vor lang - rund 1800 Interessenten stehen gerade darauf. "Je nachdem, in welche Anlage man möchte, dauert es vier bis fünf Jahre - bei besonders beliebten Anlagen auch wesentlich länger", so die Zweite Vorsitzende.

Seit Jahren geht der Ausbau der Kleingartenanlage Reinhold Wolff nur schleppend voran.
Foto: Peter Fastl (Archivbild)

Natürlich ist auch bei den Kleingärtnern angesichts von Corona nicht nur alles eitel Sonnenschein. So geht den Kleingärtnern der Kontakt mit der Stadt ab, der seit Beginn der Pandemie praktisch vollständig zum Erliegen gekommen sei, so Odobescu. Früher habe es einen regelmäßigen Runden Tisch unter anderem mit dem Umweltreferat gegeben, bei dem man Probleme zur Sprache bringen konnte. "Die Kommunikation mit der Stadt könnte gerade deutlich besser sein", sagt Odobescu. Sie hofft, dass die versprochenen Projekte und neuen Gärten trotzdem kommen. Vor allem der weitere Ausbau der Anlage Reinhold Wolff in Göggingen, der sich seit Jahren verzögere, liege dem Stadtverband am Herzen.

In der Anlage Reinhold Wolff soll es im Herbst weitergehen

Von der Stadt heißt es dazu, die Ausschreibung für die Bauarbeiten zur Erweiterung der Anlage Reinhold Wolff seien in Vorbereitung. Beim Vorliegen geeigneter Angebote werde mit einem Baubeginn von 36 Parzellen im Frühsommer gerechnet. Die Ausschreibung für den vierten Bauabschnitt mit 54 Parzellen soll dann zeitnah im Sommer erfolgen, so dass man noch im Herbst mit dem Bauen beginnen kann, sagt Umweltreferent Reiner Erben. Der Kostenrahmen von 900.000 Euro solle nach den derzeitigen Planungen nicht überschritten werden.

Auch in der Anlage am "Oberen Schleisweg" in Oberhausen-Bärenkeller geht es laut Stadt vorwärts.. Das Baufeld für die geplante Toilettenanlage und den Werkzeugraum wurde im Winter geräumt, so Erben. "Die Genehmigungsplanung wird möglichst bald eingereicht, so dass auch in diesem Fall die Ausschreibung im Herbst erfolgen kann."

In Augsburg müssen Schrebergärten auch weichen

Südlich des neuen Ostfriedhofs in Lechhausen wurde eine geänderte Entwurfsplanung mit 85 Parzellen und einer Fläche für einen Gemeinschaftsgarten erstellt. Sie dient der Einleitung eines Bebauungsplan-Verfahrens, so Erben. Dafür wurden Finanzmittel in Höhe von 800.000 Euro im Investitionsprogramm der Stadt für die Jahre 2023 bis 2025 angemeldet, berichtet der Referent.

An der Kleingartenanlage Am Wertachdamm mussten mehrere Gärten für "Wertach vital" weichen.
Foto: Fridtjof Atterdal

Für die Arbeiten zu Wertach Vital mussten 36 Kleingartenparzellen am Wertachdamm in Göggingen weichen. Es wurde vereinbart, dass im Rahmen des vierten Realisierungsabschnitts von Wertach Vital II durch das Wasserwirtschaftsamt nördlich dieser Fläche eine neue Kleingartenanlage errichtet wird, sagt Erben. In Absprache mit dem Wasserwirtschaftsamt sei eine Entwurfsplanung erstellt worden, die auch in das derzeit laufende Planfeststellungsverfahren aufgenommen wurde. Mit dem Bau soll nach Abschluss des Genehmigungsverfahrens und der erfolgten Deichbauarbeiten begonnen werden.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Die Stadt Augsburg sollte auf die Nachfrage nach Kleingärten reagieren

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