1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Weihnachten mit Demenz: Tipps für Angehörige

Weihnachtsfest

16.12.2017

Weihnachten mit Demenz: Tipps für Angehörige

Weihnachtslieder können bei Demenzpatienten Erinnerungen auslösen.
Bild: Fredrik Von Erichsen, dpa

Menschen mit Demenz sind schnell überfordert. Aber Weihnachten bietet viele Möglichkeiten, Besinnlichkeit gemeinsam zu erleben und Erinnerungen aufzufrischen.

Gefühle gehören zu Weihnachten wie die Plätzchen zum Advent. So auch für Menschen mit Demenz. „Traditionen wecken Erinnerungen. So kann das Klingeln des Glöckchens vor der Bescherung kindliche Freude und Aufregung hervorrufen“, weiß Petra Schröder, Pflegedienstleitung des Seniorenwohnens in Augsburg-Haunstetten. Auch Gerüche, Geschmäcker oder alte Lieder wie „Oh, du fröhliche“ aktiveren das Langzeitgedächtnis. Schröder: „Über 80-Jährige haben dann plötzlich ihren Auftritt als Engel beim Krippenspiel vor Augen.“ Oder sie erinnern sich, wie sie mit der Mutter Butterplätzchen gebacken haben.

„Feiern Sie das Fest möglichst reizarm“, rät die Geronto-Expertin. Reize können Erkrankte nämlich schnell überfordern. Neben lauter Musik zählt hierzu vor allem die Dekoration. „Blinkende und bunte Lichter sollten Sie meiden“, sagt die 50-Jährige. Problemlos seien hingegen wenige, sanfte Lichtquellen oder Krippenfiguren.

Dasselbe gilt fürs weihnachtliche Abendprogram. „Alles muss nacheinander passieren. Zuerst das Essen, dann eine kleine Pause, anschließend das Geschirrabspülen und zur Krönung des Abends die Bescherung“, erklärt die Pflegeexpertin des Seniorenwohnens. Wer auch das Essen traditionell hält, etwa Kartoffelsalat mit Wienern, schenkt seinen Verwandten eine weitere Quelle um in Erinnerungen zu schwelgen. Zu viele Gänge oder exotische Gerichte hingegen könnten dementiell Veränderte unnötig verwirren.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Den Demenzkranken in das Gespräch einbeziehen

Angst, die Weihnachtsgäste mit Gesprächen zu überfordern, brauchen Angehörige jedoch nicht zu verspüren. Im Gegenteil: „Beziehen Sie ihr Gegenüber ein und sprechen Sie ihn oder sie direkt an“, rät Schröder. Das zeige den Gästen, dass sie dazu gehören. Auch an dieser Stelle gilt: Die Lautstärke und Informationsvielfalt an den dementiell Erkrankten anpassen. Familiäre Diskussionen sollten Menschen mit Demenz zuliebe vertagt werden. „Falls Erkrankte sich dennoch sichtbar unbehaglich fühlen, nehmen sie diese stets aus der Situation heraus“, empfiehlt die Pflegedienstleitung. Das könne durch direkte Ansprache geschehen oder indem ein Familienmitglied die Person an einen anderen Ort, etwa die Küche, begleitet.

„Letztlich ist Ruhe der Schlüssel für ein gelungenes Fest“, findet Schröder. Auch gesunden Angehörigen tue das abseits des stressigen Alltags gut. Menschen mit Demenz haben oft einen bestimmten Tagesrhythmus. „Erlauben Sie Ihren Lieben diesem auch an Weihnachten zu folgen“, so die Expertin. Wer normalerweise um 21 Uhr schlafen geht, darf sich auch am Heiligabend früh zur Ruhe betten. Ein Muss sei das laut Schröder aber nicht: „Manche Bewohner sind an besonderen Tagen lange nach ihrer gewohnten Schlafenszeit noch topfit.“

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20_AWA9645(1).tif
Titel-Thema

So kämpft Augsburg gegen die giftigen Kippen

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden