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Zahl der Corona-Todesfälle binnen 24 Stunden fast auf Rekordhoch
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Augsburg

22.10.2020

Weiter steigende Corona-Zahlen erwartet: Droht Augsburg der Lockdown?

Wenn die Zahl der Neuinfektionen weiter steigt, könnten die Corona-Regeln in Augsburg nochmals verschärft werden.
Bild: Annette Zoepf (Archivbild)

Plus Augsburg OB Eva Weber bezeichnet die Corona-Situation in der Stadt als "sehr ernst". Die Schulen bereiten die Eltern derweil auf mögliches Homeschooling vor.

Das Gesundheitsamt der Stadt geht auch für die kommenden Tage von steigenden Fallzahlen bei Corona-Neuinfektionen aus. Am Wochenende könnte der Inzidenzwert (Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen) die 200er-Marke erreichen, sagte Gesundheitsreferent Reiner Erben (Grüne) am Donnerstag. Dann wäre das Gesundheitsamt wohl nicht mehr in der Lage, alle Kontakte einzelner Infektionsfälle nachzuverfolgen.

Die Zahl der Neuinfektionen steigt in Augsburg seit Tagen, am Donnerstag kamen 77 neue hinzu, der Inzidenzwert liegt damit bei 151,3. Steigt er weiter, müsste das Gesundheitsamt sich bei der Nachverfolgung auf sogenannte Cluster (also Ballungen von Infektionsfällen) konzentrieren, obwohl das Personal im Gesundheitsamt zuletzt aufgestockt wurde und auch auf Unterstützung von der Polizei gesetzt wird. Die Konzentration auf Cluster entspreche aber den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts, so Erben.

Droht Augsburg ein zweiter Lockdown?

Offen ist, ob und wann Augsburg einen Inzidenzwert von 250 erreichen könnte - dies war die Größenordnung, bei der im Berchtesgadener Land am Dienstag ein Lockdown verhängt wurde. Augsburg liegt nach Berchtesgaden in Bayern aktuell an zweiter Stelle beim Inzidenzwert. Oberbürgermeisterin Eva Weber ( CSU) wiederholte am Donnerstag ihre Aussage, dass die Lage "sehr ernst" sei. Auf Nachfrage sagte sie, dass es momentan keinen festgesetzten Grenzwert für einen Lockdown gebe. "Man muss jetzt die aktuelle Situation und die Entwicklung genau beobachten. Das tun wir, auch in Abstimmung mit den übergeordneten Behörden", so Weber.

Der Freistaat bestimmt bei den Corona-Regeln mit

Der letzte Satz ist ein deutlicher Verweis darauf, dass der Freistaat in der Frage von lokalen Lockdowns mitbestimmt. Nach welchen genauen Kriterien der Freistaat ein Ziehen der Notbremse befürwortet, ist offen. Neben den Inzidenzwert komme es unter anderem auf die Frage an, wie gut das Infektionsgeschehen eingegrenzt werden könne, hieß es zuletzt von Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU). In Augsburg gilt das Infektionsgeschehen als diffus und schon längst nicht mehr auf bestimmte Personengruppen begrenzt.

Laut Erben werde man abwarten, ob die vergangene Woche getroffenen Einschränkungen wie die Obergrenzen bei Treffen und die Maskenpflicht in der Innenstadt wirken. Unabhängig davon sei zu prüfen, welche Folgen die von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angekündigte Phase "Dunkelrot" haben werde. Unter anderem ist noch nicht geklärt, ob die Messe Grindtec stattfinden kann. Auch eine Sperrstunde ab 21 Uhr ist ab einem Inzidenzwert von 100 angekündigt. Das ist eine Stunde früher als jetzt.

Was die Schulen betrifft, soll es beim Präsenzunterricht bleiben. Dessen Sicherstellung habe "weiterhin höchste Priorität", so Bildungsbürgermeisterin Martina Wild (Grüne). Dies sei für Bildungsgerechtigkeit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf essentiell. "Kinder und Jugendliche brauchen einen strukturierten Schulalltag an Orten, an denen Hygienekonzepte gut umgesetzt werden. Dies gilt im Besonderen für Kinder aus sozial benachteiligten Milieus. Zudem haben berufstätige Eltern kaum noch Urlaub, um die Betreuung der Kinder zu gewährleisten“, so Wild.

Seit einigen Tagen bereiten Schulleiter Augsburger Schulen die Eltern in Briefen vorsorglich darauf vor, dass es auch wieder zum Homeschooling kommen könnte. Teils werden bereits konkrete Szenarien mit einer Teilung der Klasse und täglichem Wechsel zwischen Präsenz- und Heimunterricht aufgezeigt. Die Schulen wurden auch schon abgefragt, ob ein wöchentlicher oder täglicher Wechsel sinnvoller wäre. Überwiegend werde wohl ein täglicher Wechsel bevorzugt, um die Schüler enger ans Unterrichtsgeschehen zu binden. Zwischen Bildungsreferat, Gesundheitsamt und staatlicher Schulaufsicht gibt es Gespräche, um vorbereitet zu sein, falls Fallzahlen weiter steigen und weitere Maßnahmen getroffen werden müssten.

In Augsburger Grundschule gilt weiter eine Maskenpflicht

Um den Präsenzunterricht aufrechterhalten zu können, wird in Augsburg auch an Grundschulen weiterhin Maskenpflicht im Unterricht gelten. Die Stadt war diesen Weg gegangen, der Freistaat machte daraus eine landesweite Regelung. München und einige Landkreise setzen sich aber darüber hinweg. In Augsburg hält man dies für nicht vertretbar. Diese Auffassung sei durch ein Schreiben aus dem Kultusministerium am Donnerstag auch nochmals bestätigt worden, so die Stadt.

Das Tragen der Maske sei neben dem Lüften der Klassenräume und Händewaschen das wirksamste Mittel, um Infektionen in Kitas und Schulen zu vermeiden und eine vergleichsweise geringe Einschränkung, so das Bildungsreferat. Zuletzt hatten Corona-Fälle an Schulen und damit verbundene Quarantäne-Maßnahmen den Schulbetrieb an manchen Einrichtungen stark eingeschränkt.

Kinder akzeptieren die Hygieneregeln an den Augsburger Schulen

Schulamtsleiter Markus Wörle sagt: "Alle Schülerinnen und Schüler, denen ich in den letzten Wochen auf Schulbesuchen begegnet bin, gehen ausgesprochen gerne wieder zur Schule und in den Unterricht. Dazu besteht eine sehr hohe Akzeptanz der Hygieneregeln und des Maske-Tragens." Vom Augsburger Kinderschutzbund wie auch von Teilen der Elternschaft kommt jedoch Kritik: Der Mundschutz bleibe "eine Belastung im Rahmen ihrer kindlichen Entfaltung" und die Maßnahmen in der Schule zum Abstandhalten seien "befremdlich", heißt es in einem offenen Brief des Kinderschutzbundes.

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22.10.2020

Die Zahlen sind die von vor zwei Wochen. Es wäre höchste Zeit, die Klassen zu splitten. Es ist keine Bildungsgerechtigkeit, wenn mehr und mehr Kinder ganz zu Hause (in Quarantäne) sind. Und genau da geht es hin. Als ob es ab nächster Woche einfach anders wäre. Mit Splittung könnte mehr Bildungsgerechtigkeit aufrecht erhalten werden. Aber man will ja nur reagieren, wenn es zu spät ist. Lehrer*innen werden allein gelassen, Schüler*innen hilft all das nur scheinbar. Wenn sie dann in wenigen Wochen ganz zu Hause sind (und das ist bei dem Anstieg keine Utopie!), kann die Stadt Augsburg nochmal sagen, man wollte ja gerecht sein. Klingt jetzt zur Selbstdarstellung gut, bringt aber keinem etwas. Schade, dabei sind wir in der Lage zu erkennen, was in allen Ländern um uns herum passiert. Aber klar, uns blüht das nicht. Diese Kurzsichtigkeit ist leider nicht nur schwach, sondern wird uns viel kosten. Dabei könnten wir jetzt mit milderen Maßnahmen entgegensteuern, die wir in der törichten, realitätsfernen Spekulation auf eine Trendwende nicht einsetzen, weil härtere Maßnahmen ja nie nötig sein werden. Es stehen ja nur Menschenleben auf dem Spiel.

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