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Städtebau

24.11.2012

Weitere Altbauten von Hasenbräu fallen

So ähnlich soll das neue Wohnviertel aussehen.
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So ähnlich soll das neue Wohnviertel aussehen.

Nach dem Kamin soll auch die Mälzerei verschwinden. Heimatpfleger Hubert Schulz will als Kompromiss eine „Architektur der Erinnerung“ fürs neue Wohnviertel nahe der Maximilianstraße. Die Firma Klaus Wohnbau plant um

Der alte Kamin von Hasenbräu ist schon weg. Die alte Mälzerei soll Anfang kommenden Jahres fallen. Dann wird so gut wie nichts mehr übrig sein von den Bauten der Augsburger Traditionsbrauerei. Über Generationen hinweg hat Hasenbräu die Innenstadt zwischen Maximilianstraße und Konrad-Adenauer-Allee geprägt. Aber was bleibt von diesem Kapitel Stadtgeschichte? Diese Frage treibt nicht nur den städtischen Heimatpfleger Hubert Schulz um. Jetzt will er zumindest eine „Architektur der Erinnerung“, wenn dort ein Neubauviertel mit rund 160 Wohnungen entsteht.

Im Vorfeld hatte Schulz immer wieder davor gewarnt, die Vergangenheit auf dem Brauereigelände komplett auszuradieren. Vergeblich. Der Abriss des Kamins, der eine optische Landmarke im Viertel hätte sein können, war wegen einer Abbruchgenehmigung im gültigen Bebauungsplan nicht mehr zu verhindern.

Zur Mälzerei wurde kürzlich eigens noch einmal die Denkmalpflege eingeschaltet. Sie hat den Zweckbau aus dem Jahr 1911 aber als „nicht schutzwürdig“ eingestuft. Damit ist er ebenfalls zum Abriss freigegeben. „Der Kampf ist aber nicht verloren“, sagt Schulz. Ihm geht es jetzt darum, im Neubauviertel in zentraler innerstädtischer Lage architektonische Bezüge zur Stadtgeschichte zu erhalten.

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Das war schon in der Vergangenheit schwierig. Die alten Flächen von Hasenbräu und der benachbarten Brauerei Goldene Gans werden seit Jahren in Abschnitten zu Wohnquartieren umgewandelt. Zuletzt entstanden die „Max-Höfe“ der Firma Klaus. Neuer Eigentümer der anstehenden Fläche zwischen Armenhausgasse und Kapuzinergasse ist nun wiederum Klaus Wohnbau.

„Als wir gestartet sind, haben wir von allen Seiten gehört, dass man mit dem gültigen Bebauungsplan nicht zufrieden ist“, sagt Geschäftsführer Manfred Ruhdorfer mit Blick auf viele Diskussionen in den städtischen Gremien. In Abstimmung mit der Stadt und der Heimatpflege habe man das Konzept fürs neue Wohnviertel deshalb noch einmal überarbeitet. Vor allem um drei Änderungen geht es bei dem Thema „Architektur der Erinnerung“.

Hochpunkte An den Eingängen ins Quartier von der Maxstraße und der Adenauer-Allee sollen nun zwei turmartige neue Gebäude an das frühere Sudhaus und die alte Darre der Mälzerei erinnern. Diese ragten ebenfalls aus der Bebauung heraus.

Mauerrest Von der alten Mälzerei soll eine Außenwand zur Kapuzinergasse hin zumindest im Erdgeschoss erhalten bleiben und in die neue Bebauung integriert werden. Die historische Maßstäblichkeit soll ein Stück weit spürbar bleiben.

Gärten Geplant ist jetzt ein großer verkehrsfreier grüner Innenbereich. Er soll als geometrisch gestaltetes urbanes Grün an die historischen Gärten erinnern, die früher einmal hinter den Patrizierhäusern an der Maximilianstraße lagen.

Der Investor verspricht eine „hochwertige Architektur“

„Unser Interesse ist eine abwechslungsreiche hochwertige Architektur mit städtischem Charakter“, sagt Ruhdorfer. Diese werde auch dem Umfeld angepasst. Unter dem Titel „vis A vis“ soll das Projekt nun vermarktet werden. Bis Dezember rechnet Ruhdorfer mit einer Zustimmung der Stadt zum Vorhaben. Dann soll Anfang 2013 der Bauantrag für die ersten beiden Wohngebäude an der Armenhausgasse gestellt werden.

Heimatpfleger Schulz, der selbst Architekt ist, hält den Kompromiss insgesamt für städtebaulich vertretbar. „Es kann gelingen, in dieser Situation etwas mit Anspruch zu realisieren.“ Nicht zufrieden ist Stadträtin Eva Leipprand (Grüne). Sie hat die Hasenbräu-Bebauung von Anfang an politisch begleitet. „Ich schätze die Bemühungen von Herrn Schulz sehr, aber die Architektur der Erinnerung kann die alte Mälzerei und den Kamin nicht ersetzen.“

Die großen Fehler seien allerdings in der Vergangenheit gemacht worden, als die Stadt vor etwa zehn Jahren den Bebauungsplan aufstellte, so die Stadträtin. Damals sei die große Chance vertan worden, das städtebaulich extrem kostbare Gelände ambitioniert zu entwickeln. Positiv agieren nach ihrer Einschätzung aber Klaus Wohnbau und der Münchner Architekt Albert Blaumoser. Leipprand: „Es gibt ein Bemühen, mit der Stadt über Optimierungen zu sprechen und qualitätvoll zu planen.“

Diese Woche Autorin Eva Maria Knab beschreibt im Wochenkommentar auf Seite 46 wie Augsburg aus den Sünden im Städtebau gelernt hat.

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