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Augsburg

26.07.2018

Welche Strafe droht dem mutmaßlichen Caritas-Brandstifter?

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Durch das Feuer wurde das Sozialzentrum der Caritas in Göggingen nahezu komplett zerstört. Es muss abgerissen werden.
Bild: Ulrich Wagner

Ein 28-jähriger Ex-Mitarbeiter soll das Feuer im Sozialzentrum der Caritas gelegt haben. Welche Strafen das Gesetz für solche Fälle vorsieht.

Der Schaden ist enorm. Die Kripo geht nach dem Großbrand im Sozialzentrum der Caritas aktuell von rund 2,5 Millionen Euro aus. Verletzt wurde bei dem Brand niemand. Der Hausmeister, der in dem Gebäude wohnte, hat das Feuer schnell bemerkt, weil sein Hund unruhig geworden war. Die Kripo geht inzwischen davon aus, dass sie den Brandstifter ermitteln konnte. Seit dem Wochenende sitzt ein 28-jähriger Augsburger in Untersuchungshaft.

Er hatte längere Zeit in dem Sozialzentrum gearbeitet und dort auch eine Ausbildung absolviert. Doch welche Strafe droht dem mutmaßlichen Täter, sollte sich der Verdacht erhärten und es zu einem Prozess gegen ihn kommen?

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Das Strafgesetzbuch lässt den Gerichten bei solchen Taten einen großen Spielraum. Im Haftbefehl gegen den 28-jährigen Tatverdächtigen ist vom Verdacht der schweren Brandstiftung die Rede. Schwer deshalb, weil das Gebäude durch das Feuer zerstört worden ist und weil ein Mensch - in diesem Fall der Hausmeister - dort gewohnt hat. Der sogenannte Strafrahmen, also der Bereich zwischen Mindest- und Höchststrafe, ist hier sehr weit gefasst. Möglich ist laut Gesetz eine Haftstrafe zwischen einem Jahr und bis zu 15 Jahren.

Die Strafe hängt am Ende von vielen Einzelheiten ab

Welche Strafe am Ende eines Prozesses im Urteil steht, hängt dann von ganz vielen Einzelheiten ab, sagt der Augsburger Rechtsanwalt Marco Müller. Zum Beispiel von der Höhe des Schadens, vom konkreten Risiko für betroffene Menschen, von den Motiven des Täters oder von der Bereitschaft zur Wiedergutmachung. Vor einem Prozess wird ein Tatverdächtiger in einem solchen Fall in der Regel auch immer von einem Psychiater untersucht. Verweigert der Verdächtige eine Untersuchung, so macht sich der Gutachter ein Bild aus den Akten und aus dem, was in der Gerichtsverhandlung geschieht.

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Feuer zerstörte Caritas-Gebäude in Göggingen
Bild: Jörg Heinzle

Gerade bei Brandstiftungen kommt es immer wieder vor, dass ein Täter aufgrund von psychischen Erkrankungen nur vermindert oder auch überhaupt nicht schuldfähig ist. Dann fällt die Strafe für ihn niedriger aus als bei einem gesunden Täter. Dafür muss sich der Verurteilte in der Regel aber in einer psychiatrischen Klinik behandeln lassen.

Caritas-Brand in Augsburg: Es soll einen Drohbrief gegeben haben

Zu dem 28-jährigen Tatverdächtigen im Fall des Großbrandes bei der Caritas nennt die Polizei bisher keine Einzelheiten. Nach Informationen unserer Redaktion handelt es sich um einen russischstämmigen Deutschen, der über längere Zeit einen Job in dem Sozialzentrum hatte und auch in der Nähe des Hauses wohnte - nur einige hundert Meter Luftlinie entfernt. Es soll angeblich einen Drohbrief geben, den die Ermittler ihm zuschreiben. Zu einem möglichen Motiv äußern sich Polizei und Staatsanwaltschaft noch nicht.

Bekannt ist nur, dass die Ermittler nach dem derzeitigen Stand einen rechtsextremen Hintergrund für die Brandstiftung ausschließen und die Motivation eher im „persönlichen Bereich“ vermuten. Der Verdächtige bestreite allerdings „vehement“ die ihm vorgeworfene Tat, sagt sein Anwalt Ralf Schönauer auf Anfrage unserer Redaktion. Der Verteidiger sagt, er werde die Untersuchungshaft so schnell wie möglich überprüfen lassen. Es gebe aus seiner Sicht gewichtige Argumente, die gegen eine Täterschaft des 28-Jährigen sprechen, so der Rechtsanwalt. Ein Polizeisprecher sagt, die weiteren Ermittlungen müssten zeigen, ob sich der Tatverdacht gegen den 28-Jährigen erhärten lasse. Die elfköpfige Ermittlungsgruppe arbeite weiter auf Hochtouren.

Caritas-Sozialzentrum, Augsburg-Göggingen, PK nach Brand
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So sieht es im abgebrannten Caritas-Sozialzentrum aus
Bild: Annette Zoepf

Rund 120 Menschen haben in dem Gebäude gearbeitet

In dem Sozialzentrum haben rund 120 Menschen gearbeitet, darunter waren 50 geförderte Jobs für ehemalige Arbeitslose. Noch steht Brandruine des Sozialzentrums. Wie ein Sprecher der Caritas dem BR sagte, sollen in der nächsten Woche die Abrissarbeiten beginnen. Geplant ist, das Gebäude so schnell wie möglich wieder zu errichten. Andreas Magg, der Caritasdirektor in der Diözese Augsburg sagte dem Sender, wichtig sei es, dass „die Caritas weitermacht und sich nicht runterziehen lässt“. Die Hilfe für Bedürftige sei wichtiger als irgendwelche Hassgefühle und Spekulationen.

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26.07.2018

Und was macht ihr, wenn die Caritas selber der Auftraggeber war ?
Lässt sich schwer beweisen ???
5 Jahre einsitzen und danach kann ich Leben ????

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26.07.2018

Das ist aber arg weit hergeholt - haben Sie da näheren Einblick?

Die sind ohnehin genug betroffen, wenn es nun einer von den eigenen Leuten und nicht so ein Lieblingstäter "Fremdenfeind" war.

So ist das halt, es gibt Wahrscheinlichkeiten, gefühlte Wahrheiten sowie die Realität und natürlich immer eine Verschwörungstheorie ;-)

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