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Protest

28.10.2013

Weltbild-Mitarbeiter demonstrieren gegen geplanten Stellenabbau

150 Menschen tragen ihren Unmut am Samstagmittag in die Augsburger Innenstadt. Sie besuchen die Filiale des Unternehmens in der City-Galerie und ziehen zum Bischofshaus

Lautstark machten am Samstagmittag etwa 150 Mitarbeiter der Verlagsgruppe Weltbild ihrem Unmut mit einer Protestaktion in der Augsburger Innenstadt Luft.

Vor wenigen Tagen hatte die angeschlagene Verlagsgruppe Weltbild mitgeteilt, ihr Kundendienst-Center (CCC) aufzulösen und dessen 140 Arbeitsplätze zu streichen. Bei einer Kundgebung auf dem Willy-Brandt-Platz und einem Zug zum Dom kündigten der Betriebsrat und die Gewerkschaft Verdi massiven Widerstand gegen den Stellenabbau an. Sie forderten erneut die katholischen Bischöfe – ihnen gehört der Konzern – auf, ihrer Verantwortung für die Mitarbeiter gerecht zu werden.

Verdi-Sprecher Thomas Gürlebeck warf der Weltbild-Konzernleitung „falsches Spiel“ vor. Seit zwei Wochen verhandle man über Wege aus der Krise, dann spreche Geschäftsführer Carel Halff plötzlich von „Maßnahmen“ und der Auflösung des Kundendienst-Centers, das zu teuer sei und nicht effektiv arbeite. Statt über Verbesserungen solle der Betriebsrat, so Gürlebeck, nun über Abfindungen verhandeln. Weil er dies verweigere und darauf bestehe, seine konstruktiven Verbesserungsvorschläge zu diskutieren, sei er aus Sicht der Geschäftsleitung jetzt „der Böse“.

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Der Betriebsratsvorsitzende Peter Fitz kritisierte, dass die vor drei Jahren angetretene Abteilungsleiterin drei Jahre Zeit gehabt hätte, die Qualität im CCC zu verbessern, aber „passiert ist nichts“. Jetzt rede sie ihre Abteilung schlecht und wolle die Aufgaben an ein Call-Center in Leipzig übertragen – an Leute, die keine Ahnung von Weltbild hätten und für 8,50 Euro Stundenlohn besser arbeiten sollen als die Weltbildmitarbeiter mit ihrer jahrelangen Erfahrung.

Nach der Kundgebung „besuchten“ die Demonstranten ihre Kollegen der Weltbild-Filiale in der City-Galerie und zogen über die Maxstraße zum Dom. Timm Bossmann, Sprecher der Verdi-Mitglieder bei Weltbild, griff dort die Eigentümer des Konzerns an, der mehreren Diözesen und kirchlichen Verbänden gehört. „Auf Druck der katholischen Eigentümer werden bei uns Arbeitsplätze geopfert. Warum? Haben wir schlechte Arbeit geleistet?“

Jahrzehntelang habe das Unternehmen gutes Geld verdient, weil die Mitarbeiter gut und engagiert gearbeitet hätten. In der Krise seien sie zu Opfern bereit gewesen, „Doch die waren vollkommen sinnlos.“

Vom Mitleid der Anteilseigner und der Geschäftsleitung könnten die von Entlassung bedrohten Mitarbeiter ihre Familien nicht ernähren. Deswegen hätten Beschäftigte Konzepte und Ideen entwickelt, „wie wir Weltbild wieder auf Kurs bringen können. Darüber wollen wir verhandeln, nicht über Entlassungen und Abfindungen.“

Eine Delegation klingelte danach auf der anderen Straßenseite am Palais von Bischof Konrad Zdarsa, um ihm die Forderungen der Belegschaft zu übergeben. Vergebens, niemand machte auf.

Das Augsburger Bistum, das zu den größten Weltbild-Gesellschaftern zählt, hatte vorige Woche erklärt, dass es die Restrukturierung des Konzerns mit bis zu 15 Millionen Euro unterstützen werde. „Der geplante Beitrag des Bistums Augsburg liegt betragsmäßig weit über dem sich rechnerisch ergebenden Gesellschafteranteil und ist mit der besonderen Sorge für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begründet“, hieß es. Weltbild hat nach den letzten verfügbaren Zahlen rund 6800 Mitarbeiter, davon mehr als 2000 am Augsburger Stammsitz.

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Mehr Fotos von der Protestaktion

augsburger-allgemeine.de/bilder

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