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Augsburg

08.11.2017

Weltkulturerbe: Augsburgs Bewerbung ist auf der Zielgeraden

Für die Stadt ist der Hochablass ein teures Bauwerk. Zwischen 1999 und 2006 musste die Wehranlage für 4,5 Millionen Euro saniert werden.
Bild: Philipp Kinne, Archiv

Seit mehr als 2000 Jahren bewirtschaften die Menschen in Augsburg systematisch ihr Wasser. Das soll nun auch die Experten der Unesco begeistern.

Wenn die Eltern von Bertolt Brecht vor die Tür traten, mussten sie erst einmal eine kleine Brücke überqueren. Denn einer der vielen Kanäle Augsburgs fließt direkt am Geburtshaus des weltberühmten Dichters entlang. Der kleine Bert zog zwar schon im Alter von zwei Jahren mit seiner Familie wieder aus, doch das Brechthaus im Augsburger Lechviertel, heute ein Museum, ist ein Musterbeispiel für die enge Beziehung von Augsburg zu seinem Wasser.

Augsburg will in weniger als zwei Jahren Welterbe sein

Künftig soll die historische Wasserwirtschaft von Bayerns drittgrößter Stadt auf der Liste des Weltkulturerbes der Unesco stehen. Die Bewerbung befindet sich auf der Zielgeraden, in weniger als zwei Jahren möchte auch Augsburg Welterbe sein.

Der offizielle Titel der Bewerbung bei der Weltorganisation lautet: "Wasserbau und Wasserkraft, Trinkwasser und Brunnenkunst in Augsburg". Die Stadt dokumentiert darin eine rund 2000-jährige Nutzung des Wassers. Denn bereits die Römer hatten eine kilometerlange Wasserleitung nach "Augusta Vindelicum" gebaut. Später war der Wasserreichtum ein wichtiger Baustein für den Aufstieg Augsburgs zu einer der führenden frühen Industriestädte in Europa.

Bis heute gibt es neben den mehr als 30 Kanälen und den Prachtbrunnen noch mehrere Baudenkmäler, die die Wassernutzung dokumentieren. So lenkt der Hochablass, ein Stauwehr im Südosten der Stadt, Wasser des Lechs ins Augsburger Zentrum, wie das dort die Vorgängerbauten bereits seit mindestens 1346 taten. In der Nähe wurde im 19. Jahrhundert ein Wasserwerk errichtet, das ohne die bis dahin üblichen Wassertürme die Menschen mit Trinkwasser versorgte - damals eine international beachtete technische Innovation.

Ein früheres Wasserwerk dokumentierte da schon den Einfallsreichtum der Augsburger Ingenieure mit einem ungewöhnlichen Brückenbauwerk. An einer Kanalkreuzung sorgt die Brücke bis heute dafür, dass das Wasser ungestört voneinander in unterschiedliche Richtungen fließen kann. 

Weltkulturerbe: Augsburgs Bewerbung ist auf der Zielgeraden
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Diese 22 Denkmäler sollen Augsburg zum Welterbe machen

Der nun auch von Augsburg angepeilte Titel "Welterbe" verspricht den Städten internationales Renommee, das sich auch touristisch mit steigenden Gästezahlen auszahlen kann. Seit den 1970er Jahren sammelt die Unesco weltweit die Orte, die als das Kultur- und Naturerbe der Menschheit gelten. Die Liste umfasst aktuell 1073 Stätten in 167 Ländern, Deutschland ist bisher mit 42 Stätten vertreten.

Heuer wurden aus der Bundesrepublik die Höhlen und die Eiszeitkunst im Schwäbischen Jura in Baden-Württemberg auf die exklusive Liste genommen. 2018 stehen dann zwei norddeutsche Anwärter zur Entscheidung an. Im Sommer soll die Unesco befinden, ob der Jüdische Friedhof in Hamburg-Altona einerseits und andererseits die einstige Wikingerstadt Haithabu bei Schleswig mit dem nahen Befestigungswall Danewerk zum Welterbe werden.

Dabei sind die Bewerbungen inzwischen längst kein Selbstläufer mehr. Die Wikingerorte sind dafür das beste Beispiel. Sie waren bereits einmal gemeinsam mit ähnlichen Orten in Dänemark, Island, Lettland und Norwegen nominiert, wurden 2015 aber zunächst abgelehnt. Nun versucht es Deutschland im Alleingang noch einmal.

In Augsburg ist man optimistisch

Die Stadt Augsburg will auf jeden Fall zum 1. Februar 2018 über das Auswärtige Amt seine Bewerbung bei der Unesco einreichen, damit dann voraussichtlich Mitte 2019 über die Aufnahme ins Welterbe entschieden werden kann. Die Bewerbung werde üblicherweise etwa 18 Monate lang geprüft, erklärt Katja Römer, Sprecherin der Deutschen Unesco-Kommission. Am Ende stehe dann das Votum des Welterbekomitees. "Bis dahin ist die Entscheidung offen."

Aus Fischmäulern sprudelt Wasser in das Becken: Der dreieckige Granitbrunnen vor dem Augsburger Dom würdigt  die drei Bistumspatrone Bischof Ulrich, die heilige Afra und Bischof Simpert. Der Fisch gehört zu den Symbolen des Heiligen Ulrich.  Entstanden ist der Brunnen anlässlich der 2000-Jahr-Feier Augsburgs im Jahre 1985 im Rahmen der Neugestaltung des Domplatzes. Die drei auf dem Brunnen gezeigten Bistumspatrone haben  eine besondere Verbindung zu Augsburg. Bischof Ulrich,  im Jahre 955 bei der Schlacht auf dem Lechfeld gegen die Ungarn der Verteidiger von Augsburg,  ist mit erhobenem Kreuz hoch zu Roß dargestellt. Durch einen Pfahl, an dem Flammen emporzüngeln, wird der Märtyrertod der heiligen Afra versinnbildlicht. Bischof Simpert segnet ein kleines Kind, das der Legende nach von Wölfen unversehrt zurückgelassen wurde.Der Brunnen stammt vom Münchner Bildhauer Prof. Josef Henselmann (1898 - 1986).
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Augsburg hat viele Brunnen, die Sie vielleicht gar nicht kennen
Bild: Annette Zoepf

Derzeit liegt der Entwurf der Antragsschrift bereits bei der Weltorganisation in Paris. "Die Bewerbung wird dort auf Vollständigkeit geprüft", erklärt die Augsburger Denkmalpflegerin Antonia Hager. Damit soll sichergestellt werden, dass keine Formfehler vorliegen. Die inhaltliche Prüfung werde erst nach der offiziellen Einreichung stattfinden.

Laut Hager wird die endgültige Bewerbung mit allen Bildern dann ein stattliches Buch von 500 bis 600 Seiten werden. In Augsburg herrscht wegen des besonderen Themas der Bewerbung großer Optimismus. "Das ist etwas, das gibt es in der Welterbeliste noch nicht", sagt die Denkmalexpertin. "Das ist sehr vielfältig", schwärmt Hager über das Thema. Ulf Vogler, dpa

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