1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Wem gehört die Stadt? Das sind Augsburgs große Vermieter

Lesetipp

04.08.2019

Wem gehört die Stadt? Das sind Augsburgs große Vermieter

In Augsburg gibt es mehr als 150.000 Wohnungen. Doch wer sind die größten Eigentümer und Vermieter?
Bild: Ulrich Wagner

Plus Kaum ein Thema bewegt die Bürger so sehr wie das Wohnen. Doch wer sind die größten Akteure vor Ort? Wir zeigen, wer in der Stadt die meisten Wohnungen vermietet.

Wenn der Wahlkampf für die anstehende Kommunalwahl an Fahrt aufnimmt, dürfte das Thema Wohnen eine zentrale Rolle spielen. Seit Jahren steigen die Mieten in der Stadt, und bei der jüngsten Bürgerumfrage nannten die Befragten als die größten Probleme dann auch die „Mietkosten“ und den „Immobilienmarkt“. Angesichts der großen Präsenz des Themas gibt es eine erstaunliche Lücke: Die Antwort auf die Frage nämlich, von wem man eigentlich spricht, wenn vom hiesigen Immobilienmarkt die Rede ist.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

In Berlin hat die Senatsverwaltung kürzlich zumindest eine Liste der größten Immobilienunternehmen der Stadt zusammengestellt. In Augsburg gibt es so etwas bislang nicht. Wer hier bei der Stadtverwaltung anfragt, wer die größten Wohnungseigentümer in Augsburg sind, bekommt die Rückmeldung, dass man diese Frage nicht beantworten könne. Mit unserer Recherche haben wir versucht, zumindest etwas Licht ins Dunkel des Augsburger Immobilienmarktes zu bringen – und große Vermieter sowie ihren Wohnungsbestand in der Stadt zu benennen.

Die Liste erhebt allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit, zumal die Bestände von wohlhabenden Einzelpersonen unklar sind. Auch sagt sie nichts über die Mietpreise der jeweiligen Vermieter aus. Dennoch zeigen sich Tendenzen: So wird der Augsburger Immobilienmarkt zumeist nicht von auswärtigen und gesichtslosen Konzernen oder Fonds dominiert, sondern von heimischen oder zumindest bayerischen Firmen, Organisationen und Menschen, die oft seit Jahrzehnten vor Ort aktiv sind.

Die WBG hat die meisten Wohnungen in Augsburg

1. WBG: Der mit Abstand größte Vermieter der Stadt ist die Wohnbaugruppe Augsburg , auch bekannt als WBG, ein städtisches Tochterunternehmen. Es hält derzeit 10.083 Wohnungen im Stadtgebiet, in denen mehr als 20.000 Menschen leben. Zuletzt wurden von der WBG 36 geförderte Wohnungen in einem Neubau in der Dr.-Dürrwanger-Straße in Kriegshaber fertiggestellt. In der Regel zahlen Mieter der Wohnbaugruppe günstigere Durchschnittsmieten als auf dem freien Markt, die Wohnungen sind daher begehrt. Entsprechend lang ist die Warteliste.

2. Genossenschaften: Eine auf dem Augsburger Wohnungsmarkt oft unterschätzte Größe sind die Genossenschaften. Zehn große gibt es in Augsburg, es sind zumeist Organisationen mit langer Tradition, die teils ihren Ursprung in berufsständischen Gruppen haben – etwa die Eisenbahner. Nach Recherchen unserer Redaktion kommen die Augsburger Wohnungsbaugenossenschaften auf zusammen rund 6400 Wohnungen im Stadtgebiet. Die größten unter den Genossenschaften sind die „Wohnungsgenossenschaft der Eisenbahner Schwaben“ mit mehr als 1000 Wohnungen in Augsburg, die „Allgemeine Baugenossenschaft für Augsburg und Umgebung“ mit rund 950 Wohnungen in der Stadt, die „Siedlungsgenossenschaft Augsburg-Firnhaberau“ mit rund 870 Wohnungen und die Postbaugenossenschaft Augsburg mit rund 650 Wohnungen im Stadtgebiet. Die grundsätzliche Idee der Genossenschaften: Man erwirbt einen Anteil, indem man Geld als Einlage bezahlt. Als Mitglied kann man faktisch zur Miete in den Genossenschaftswohnungen leben.

3. WSB: Eine seit Jahren in Augsburg aktive Firma ist die „Wohnungs- und Siedlungsbau Bayern GmbH & Co. OH“, kurz WSB Bayern. Nach eigener Darstellung handelt es sich um eines der größten Wohnungsunternehmen im Freistaat. In Augsburg hat die WSB 3031 Wohnungen. Die WSB gehört zur Gruppe des Unternehmers Alfons Doblinger. Weitere Firmen der Gruppe sind unter anderem die Dibag Industriebau AG, ein deutschlandweit tätiger Projektentwickler und Bauträger sowie Monachia, eine Haus- und Grundstücksverwaltungsgesellschaft. Doblinger hatte 1990 von den Gewerkschaften das Unternehmen „Neue Heimat Bayern“ mit 33.000 Wohnungen für 960 Millionen Mark erworben.

Viele Wohnungen im Süden Augsburgs

4. WBL: Die Wohnungsbaugesellschaft für den Landkreis Augsburg ist auch in der Stadt einer der größten Vermieter – und wird weiter wachsen. 2161 Wohnungen hat die landkreiseigene Gesellschaft derzeit nach eigenen Angaben im Bestand in Augsburg, weitere 44 seien in Haunstetten im Bau. Die meisten WBL-Wohnungen befinden sich in Göggingen und Haunstetten: Stadtteile, die 1972 zusammen mit Inningen und Bergheim im Rahmen der bayerischen Gebietsreform nach Augsburg eingemeindet wurden. Durch diesen historischen Hintergrund erklärt sich, warum die WBL auch im heutigen Augsburger Stadtgebiet derart stark vertreten ist.

5. Vonovia SE: Der Wohnungsriese ist auch in Augsburg mit einem hohen Bestand vertreten. Rund 2000 Wohnungen hat die Vonovia nach eigenen Angaben in der Stadt, eine Zahl, die sich mit Schätzungen unabhängiger Experten deckt. Vor zehn Jahren noch hatte das heute größte Wohnungsunternehmen Deutschlands rund 600 Wohnungen im Stadtgebiet. Dass es seither erheblich mehr wurden, hängt nach Auskunft der Vonovia mit der Übernahme größerer Bestände zwischen 2014 und 2015 zusammen. Vonovia hieß früher „Deutsche Annington“ und trat erstmals nach der Jahrtausendwende größer in Erscheinung, als sie dem Staat zehntausende Wohnungen der Bahn abkaufte. Die Vonovia, die deutschlandweit rund 400.000 Wohnungen vermietet, steht immer mal wieder in der Kritik, unter anderem wegen teils beträchtlicher Mieterhöhungen. Auch in Augsburg gab es in der Vergangenheit Fälle dieser Art.

Auch die Kirche vermietet Wohnungen

6. St. Ulrichswerk: Das St. Ulrichswerk ist so etwas wie das Wohnbauunternehmen des Augsburger Bistums und zugleich einer der größten Vermieter der Stadt. Rund 1450 Wohnungen vermietet das „St. Ulrichswerk der Diözese Augsburg GmbH Siedlungs- und Wohnungsunternehmen“, wie die Firma offiziell heißt, in der Stadt. Eine Zahl, die weiter steigen dürfte: Auf der Homepage sind zahlreiche Bauprojekte im Stadtgebiet und darüber hinaus benannt, die in naher Zukunft abgeschlossen sein sollen.

7. Gregor Deurer GmbH & Co. KG: Das wohl älteste Bauunternehmen der Stadt existiert bereits seit 1848; bis heute ist es einer der größten Vermieter Augsburgs. Rund 1000 Wohnungen habe man in Augsburg, sagt Geschäftsführer Markus Deurer. Deutlich mehr als ein Drittel seien Sozialwohnungen. Man wisse um die Verantwortung als Unternehmen, sagt Deurer. Es müsse auch Wohnraum für sozial Schwache und die Mittelschicht geben. Im Reese-Park wurden 2016 insgesamt 152 neue öffentlich geförderte Wohnungen im Reese Park. Deurer hat daneben nicht nur in Augsburg Wohnungen, sondern auch in Horgau und München.

8. Igewo: Der Münchener Firma Igewo gehören nach eigener Auskunft umdie 800 Wohnungen in der Stadt. Sie stehen in Haunstetten: Das Areal wurde größtenteils in den 1940er-Jahren bebaut und ist vielen als „Messerschmitt-Gelände“ ein Begriff. Es gehört heute dem Igewo Wohnungsunternehmen, das seit über 65 Jahren in München und Augsburg Wohnungen baut und verwaltet. Heute ist es daher auch als Igewo-Areal bekannt. Die Siedlung soll künftig nachverdichtet und der Bestand um weitere 134 Wohnungen vergrößert werden.

9. Wohnungsvermietung und -verwaltung Baur: Das Familienunternehmen hat in Augsburg rund 730 Wohnungen in Pfersee, Göggingen,in der Hammerschmiede und in Kriegshaber. Geführt wird die Firma heute von Erben des Gründers Herrmann Baur. Der Stukkateurmeister hatte das Wohnungsunternehmen 1911 gegründet und dazu ein Gebäude in der Körnerstraße in Pfersee errichten lassen, das noch heute Sitz der Firma ist.

10. Erben Ludwig Griesmanns: Das Immobilienunternehmen Griesmann ist – wie auch die Baur GBR – für den Augsburger Immobilienmarkt nicht ungewöhnlich: Ein mittelständischer Betrieb mit Tradition. Gegründet wurde es bereits in den 1920er -Jahren. Bis heute sind eine Vielzahl von Wohnungen in der Stadt Eigentum der Erben des Unternehmensgründers. Die vierte Generation, Ludwig Andreas Griesmann und Katja Scherer, vermietet nach Recherchen unserer Redaktion mehr als 500 Wohnungen. Beide vermieten und verwalten dabei mittlerweile eigene Einheiten.

Neben den genannten gibt es diverse weitere Mitspieler, die ebenfalls nicht gerade klein sind, darunter Martini-Immobilien. Auf dem Gelände des früheren Textilwerkes der Familie Martini entstehen 350 Wohnungen. Damit alleine wäre Martini schon einer der größeren Vermieter der Stadt. Doch die „Martini GmbH & Co. KG“ hat bereits einen beachtlichen Immobilienbestand. Wie viele Wohnungen hat Martini in Augsburg? Geschäftsführer Wolfgang Geisler sagt, durch das Projekt werde der Bestand in Augsburg mehr als verdoppelt. Der Schwerpunkt von Martini liege im Bereich Gewerbeimmobilien.

Lesen Sie auch: Drängen Investoren weiter nach Augsburg?

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren