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Region Augsburg

24.06.2016

Weniger Flüchtlinge, aber die Herausforderungen bleiben

Ein Projekt des neuen „Netzwerks 4A“ ist ein Info-Paket für Asylbewerber.
Bild: Anne Wall/Archiv

Die Asylbewerberzahlen sinken, doch die Herausforderungen bleiben groß. Die Stadt Augsburg und die Landkreise tun sich zusammen, um sie zu bewältigen.

Vor einem Jahr mussten Turnhallen für Asylbewerber leer geräumt werden, dieses Jahr stehen Erstaufnahmen leer. Während die Stadt Augsburg und die Landkreise im Herbst jeweils 70 oder mehr Personen in der Woche unterbringen mussten, sind es aktuell 60 in ganz Schwaben. Trotzdem steht die Region weiter vor großen Herausforderungen. Der Flüchtlingsberater Matthias Schopf-Emrich beschreibt den Wandel so: „Letztes Jahr ging es ums Ankommen, jetzt um Integration.“ Denn die Anerkennungsquote steigt. 2014 stammten viele Asylbewerber aus dem Balkan; sie mussten fast alle zurück. Jetzt kommt der Großteil aus Syrien, dem Irak und Iran sowie Afghanistan; die meisten dürfen bleiben.

Sprache, Wohnen, Arbeiten sind die Hauptthemen. Syrer, Iraner, Iraker und Eritreer erhalten aufgrund ihrer hohen Bleibeperspektive staatliche Deutschkurse, landen aber häufig in Seminaren, für die sie nicht geeignet sind. Das ist dem Konkurrenzdruck geschuldet. Offenbar mag kaum ein Bildungsträger den Flüchtling wieder abgeben, der sich bei ihm gemeldet hat. So sitzen Lehrer neben Analphabeten. Wer keinen staatlichen Kurs bekommt, darunter die vielen Afghanen, ist auf Deutschkurse von Ehrenamtlichen angewiesen. Der Andrang ist riesig.

Nächstes Thema: Wohnen. Der Markt in Augsburg und Umgebung ist überlastet, was dazu führt, dass die Hälfte der Asylbewerber in Augsburger kommunalen Unterkünften ausziehen dürfte – aber keine Wohnung findet. Sozialreferent Stefan Kiefer sieht das halbwegs gelassen – solange es keine Neuankömmlinge gibt: „Die Häuser sind ohnehin für zehn Jahre gemietet.“ In den Landkreisen gibt es dem Vernehmen nach Bestrebungen, kommunale Unterkünfte in Häuser umzuwandeln, in denen anerkannte Flüchtlinge Wohnungen mieten können. Die Miete zahlt, solange sie keine Arbeit haben, das Jobcenter.

Netzwerk soll Integration in den Arbeitsmarkt erleichtern

Das für Kiefer wichtigste Thema: „Die Integration in den Arbeitsmarkt muss vorangehen.“ Arbeitsagentur und Jobcenter haben Programme aufgelegt, die sich allerdings wegen Sprachproblemen und des teils niedrigen Bildungsniveaus zäh gestalten. Man rechnet damit, dass 75 Prozent der Asylbewerber einmal Arbeit finden werden – allerdings oft erst in mehreren Jahren.

Um solche Themen besser anpacken zu können und voneinander zu lernen, haben die Stadt Augsburg, der Landkreis Augsburg und der Landkreis Aichach-Friedberg das „Netzwerk 4A“ gegründet. „4A“ steht für die drei Landkreis plus die Asylsuchenden. Projektträger ist das Diakonische Werk, auch Caritas, Tür an Tür, die Regierung von Schwaben und die Uni sind dabei. Letztere schult zum Beispiel ehrenamtliche Deutschlehrer und Studenten beraten im Rahmen der „Law Clinic“ Flüchtlinge in einfachen rechtlichen Fragen wie Bankangelegenheiten. Im Rahmen von „Netzwerk 4A“ fließen außerdem EU-Fördergelder, die konkret nutzten. So konnte Aichach-Friedberg eine Koordinatorin der Freiwilligenarbeit anstellen.

Beratung, Deutschkurse und Freiwilligenkoordination für Flüchtlinge

Während es in Augsburg engmaschige Strukturen gibt, seien Freiwillige auf dem flachen Land oft allein und fühlten sich überfordert, hieß es bei der Auftaktveranstaltung des „Netzwerks 4A“. Es sollen daher regionale Zentren als Standort für Beratung, Deutschkurse und Freiwilligenkoordination entwickelt werden. In Stadtbergen läuft ein Pilotprojekt der Elternbildung, das zum Beispiel Tipps zur Erziehung gibt und über das Schulsystem informiert. Der Kreis Augsburg hat einen Runden Tisch eingeführt, an dem neben Sozialarbeitern auch Mitarbeiter des Landratsamtes sitzen – bis hin zur Ausländerbehörde. Das wünschen sich viele auch für Augsburg.

Die Stimmung gegenüber Flüchtlingen sei wieder entspannter, hieß es bei der Veranstaltung. Selbst in kleinen Orten, die sich überproportional belastet gefühlt hätten, sei Normalität eingekehrt, so Maximilian Rauscher vom Landratsamt Augsburg. Und die Hilfsbereitschaft ist ungebrochen. Es kommt fast ein Ehrenamtlicher auf zwei Asylbewerber in Unterkünften.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

27.06.2016

Während die Stadt Augsburg und die Landkreise im Herbst jeweils 70 oder mehr Personen in der Woche unterbringen mussten, sind es aktuell 60 in ganz Schwaben.

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Ein lokaler Spitzenwert aus dem Herbst 2015 wird mit einem eingependelten Wert 2016 verglichen.

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Im ersten Quartal 2016 wurden in Deutschland rund 170.000 Flüchtlinge neu registriert. Nach erfolgreicher Behinderung der Balkanroute ergibt der April-Wert von 16.000 aufs Jahr hochgerechnet 192.000. Die Flüchtlingszahlen in Italien steigen aktuell monatlich um bis zu 50.000.

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http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/in-seenot-geraten-mehr-11-000-fluechtlinge-in-vier-tagen-im-mittelmeer-gerettet/13791794.html

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Familiennachzug - ??? Ich finde da keine Zahlen. Frau Schwesig äußerte sich Ende 2015 so:

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http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-10/fluechtlinge-schwesig-familiennachzug

Eine große Zahl an Angehörigen wird laut der Familienministerin den bereits eingetroffenen Flüchtlingen folgen.

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Im Jahr 2015 wurden 309.000 Baugenehmigungen für Wohnungen in Deutschland erteilt.

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27.06.2016

Der Markt in Augsburg und Umgebung ist überlastet, was dazu führt, dass die Hälfte der Asylbewerber in Augsburger kommunalen Unterkünften ausziehen dürfte – aber keine Wohnung findet. Sozialreferent Stefan Kiefer sieht das halbwegs gelassen – solange es keine Neuankömmlinge gibt: „Die Häuser sind ohnehin für zehn Jahre gemietet.“

Ähm... Soll das jetzt etwa heißen, man hat aufgrund der Flüchtlingssituation, die sich in den letzten 1 1/2 Jahren ergeben hat, Häuser als Flüchtlingsunterkünfte gleich für 10 (in Worten: zehn) Jahre angemietet?!

Hat man dabei auch bedacht, was das Asylrecht eigentlich ist und dass sich die politische Situation in anderen Ländern der Welt mitunter so unerwartet verändert, wie wir das hier (gottseidank) schon lange nicht mehr erlebt haben?

Zehn Jahre, Mannomann...

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27.06.2016

genau das heißt es. Das ist aber nicht Neues, sondern seit Mitte letzten Jahres allgemeiner Usus beim Anmieten, sonst hätte doch kein Hausbesitzer sein Eigentum so umgebaut, dass es als Unterkunft nutzbar gewesen wäre.

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27.06.2016

Verstehe nicht, warum alle so tun, als wäre der Früchtlingsstrom am versiegen?

Warten wir mal ab, wenn unser "Freund" Erdogan die Schleusen öffnet ...

Der muss nur noch die 6 Milliarden "verräumen" und einen triftigen Grund oder Belidigung suchen ...

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