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Großraum Augsburg

17.04.2018

So viele Drogentote gab es im vergangenen Jahr in der Region

Im Garten der Drogenhilfe Schwaben erinnern Kieselsteine an die Drogentoten.
Bild: Silvio Wyszengrad (Symbolbild)

Im Jahr 2016 sind im Großraum Augsburg 42 Menschen an den Folgen ihrer Rauschgiftsucht gestorben. Zuletzt sank die Zahl auf 27. Warum? 

Sie sterben oft einen einsamen Tod. Alleine in ihrer Wohnung, manchmal tagelang unentdeckt. Das Schicksal von Menschen, die durch den Konsum illegaler Rauschgifte sterben, rückt selten in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. An einem Ort in der Stadt allerdings wird an sie erinnert: Vor dem Kontaktladen der Drogenhilfe in der Innenstadt liegen Kieselsteine mit den Namen der Verstorbenen, die in der Statistik der Polizei als Drogentote oder Rauschgift-Todesfälle auftauchen.

2016 waren in Augsburg und Umgebung so viele Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorben wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. 42 Drogentote hatte das Polizeipräsidium Schwaben Nord – zuständig vom Großraum Augsburg bis ins Ries – für das Jahr vermerkt. Die meisten davon starben in Augsburg. Es war ein deutlicher Anstieg im Vergleich zur Situation nur wenige Jahre zuvor gewesen. 2013 hatte es in Augsburg beispielsweise zehn Opfer gegeben. Damals hieß es noch, die Lage habe sich entspannt.

Die Folgen neuer Stoffe 

Davon war zuletzt keine Rede mehr. Stattdessen bereitete Sozialarbeitern und Polizei zusätzlich eine bestimmte Art von Drogen Sorgen: sogenannte neue psychoaktive Substanzen, die harmlose Namen wie „Badesalze“ oder „Kräutermischungen“ tragen. Dass die Zahl der Drogentoten zuletzt derart nach oben gegangen war, führte die Polizei auch auf den vermehrten Konsum von gefährlichen Kräutermischungen zurück. Sie werden oft als legale Alternative zu illegalen Rauschmitteln vermarktet und sollen die Wirkweise illegaler Drogen imitieren, etwa von Cannabis. Bei einem erheblichen Teil der Verstorbenen seien solche Stoffe nachgewiesen worden, hieß es.

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Im vergangenen Jahr nun war die Zahl der Menschen, die infolge des Konsums illegaler Substanzen starben, nicht mehr so hoch wie zuvor. 27 sind es laut Polizeistatistik im Jahr 2017 gewesen, 15 weniger also als noch im Vorjahr. „Eindeutiger Schwerpunkt des Todesopferaufkommens ist weiterhin der Ballungsraum Augsburg“, steht im Bericht zu den Zahlen. Tatsächlich ereignete sich die Mehrheit der Fälle in Augsburg selbst: 15 Drogentote waren es hier, im Vergleich zu 25 im Vorjahr. Betroffen sind vor allem Männer, die seit Jahrzehnten und häufig diverse Rauschmittel konsumieren und an sogenannten Mischintoxikationen versterben. 2017 waren 24 der 27 Drogentoten im Bereich des Augsburger Polizeipräsidiums männlich.

Experten sind skeptisch

Sozialarbeiter und Polizei sind trotz des Rückgangs eher skeptisch, dass es sich um eine dauerhafte Entwicklung handelt. Zum einen liegen die 27 Fälle noch über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre (25 Verstorbene). Zum anderen, sagte Leitender Kriminaldirektor Marco Böck bei der Präsentation der Statistik, müsse sich aus dem Rückgang noch nicht unbedingt eine langfristige Tendenz ergeben. Die Zahl sei schwierig zu bewerten. Möglicherweise, so sehen es die Ermittler, ist es einfach eine eher zufällige Wellenbewegung. Auch die Problematik der synthetischen Drogen ist nicht aus der Welt. So ist es weiter möglich, sie auf einschlägigen Internetseiten zu bestellen, wo sie teils regelrecht beworben werden. Ein Gesetz, das ganze Stoffgruppen verbietet statt wie zuvor einzelne chemische Verbindungen, hat daran offenbar wenig geändert. Damit hatten die Behörden darauf reagieren wollen, dass die Hersteller die chemische Struktur der synthetischen Drogen ständig verändern.

Auch die Leiterin der Drogenhilfe Schwaben, Gerlinde Mair, sieht noch keinen Durchbruch. Ihre Organisation mit Sitz in Augsburg betreut Rauschgiftsüchtige. Eine Erleichterung, sagt Mair, habe man eigentlich nicht feststellen können. Man betreue ähnlich viele Menschen wie in der jüngeren Vergangenheit, rund 2500, die Situation sei unverändert schwierig. 600 dieser Menschen seien über 45 Jahre alt und oft seit Jahrzehnten abhängig. Es sei auch vieles eine Definitionsfrage. Wenn Abhängige etwa nach langer Drogensucht an einem Herzinfarkt oder Organversagen sterben, tauchten sie in der Statistik nicht unbedingt auf, auch wenn ihr Tod wohl auf körperliche Schäden durch den Rauschgiftkonsum zurückzuführen sei, sagt Mair. Im vergangenen Jahr habe man mehrere solcher Fälle gehabt.

Ein Treffpunkt der Drogenszene in Augsburg ist der Bahnhofsvorplatz in Oberhausen. Dort soll bald eine Anlaufstelle für Süchtige eingerichtet werden. Mitarbeiter der Drogenhilfe und des katholischen Sozialverbands SKM werden sich um die Abhängigen kümmern. Seit Mitte Februar zahlt die Stadt Miete für die Räume in der Branderstraße , die sich in einer ehemaligen Apotheke befinden; der Betrieb läuft noch nicht. Dies werde noch einige Wochen dauern, sagte Ordnungsreferent Dirk Wurm (SPD) Mitte März. Gerlinde Mair von der Drogenhilfe hofft, dass es im Mai losgeht. Man habe auch schon Mitarbeiter, die im Süchtigentreff arbeiten wollen. 

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