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Einsatz in Augsburg

16.05.2019

Wenn die Polizei zum Pusten bittet

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Die Polizei hat am Dienstagabend zahlreiche Autofahrer kontrolliert. Hintergrund der Aktion in Augsburg waren steigende Zahlen von Unfällen, die unter Alkoholeinfluss passiert sind.

Plus Die Beamten führen eine Schwerpunkt-Kontrolle in Oberhausen durch und winken Autofahrer heraus. Nötig macht die Aktion aus Sicht des Präsidiums vor allem eine Entwicklung.

Die Polizei Augsburg zeigte am Dienstag zwischen 18 und 22 Uhr starke Präsenz in der Donauwörther Straße, Ecke Tauscherstraße in Augsburg Oberhausen. Nötig machte diese Schwerpunktkontrolle aus Sicht des Polizeipräsidiums in Augsburg eine statistische Auswertung von Unfallzahlen aus dem Jahre 2018. Unfälle unter Alkoholeinfluss nahmen demnach zum Jahr 2017 um 10,14 Prozent zu und Unfälle unter Drogeneinfluss sogar um 13,51 Prozent. Ausreichend Grund für die Verkehrspolizei, einen Verkehrs-Kontrollpunkt einzurichten.

Polizei-Aktion in Oberhausen: Autofahrer werden herausgewunken

Um kurz nach 18 Uhr winkte Polizeihauptmeister Patrick Doller mit der Stop-Kelle das erste Fahrzeug heraus. Ein schwarzer Mercedes. Die jungen Leute im Fahrzeug sind guter Dinge. Der Fahrer zeigt bereitwillig seine Papiere. Getrunken hat er nichts, sein Fahrzeug ist in Ordnung. Man wünscht eine „gute Weiterfahrt“. Die Polizisten pflegen einen bestimmten, aber freundlichen Ton. Das kommt bei den Autofahrernan, die diese Kontrolle mehrheitlich „völlig in Ordnung“ finden. „Muss sein“, sagt etwa Stanislav Paranycz. „Die Leute fahren ja zum Teil besoffen Auto. Geht doch nicht.“ Er muss bei Hauptmeister Doller ins Atem-Alkoholgerät pusten. Den kritischen Blicken Dollers hält Paranycz stand. 0,0 Promille. „Eigentlich muss er nicht“, sagt Doller, „denn der Test ist freiwillig“. Aber eine Weigerung ist ihm in seiner Karriere als Polizist nur einmal vorgekommen. „Wenn bei der Atemtest-Weigerung aber ein Verdacht auf Trunkenheit besteht, dann muss der Test erzwungen werden“, sagt Doller.

Das nächste Fahrzeug ist ein tiefgelegter BMW. Bei der Überprüfung wird klar: Voll besetzt schleifen die Räder auf der Karosse. Besitzer Mert Karakus hat den Boliden erst vor einem Monat gekauft und ließ sich ein Gewindefahrwerk einbauen. Damit kann der Fahrer das Fahrwerk selbst tiefer „schrauben“. Leider hat er es noch nicht vom Tüv in den Fahrzeugschein eintragen lassen. Somit erlischt seine Betriebserlaubnis. Er nimmt es mit Gelassenheit und die Polizisten mit Routine. Er darf mit dem Fahrzeug noch nach Hause fahren.

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Wenn es Verständigungsschwierigkeiten gibt, wird mit Gesten gearbeitet. Ein Mann aus Osteuropa besteht den Atemtest auch ohne viele Worte mit der Bestnote 0,0. Sein Beifahrer freut sich und wünscht allen einen Guten Abend. Polizei Hauptkommissar Wolfgang Zeller führt den Einsatz. Er ist sonst Leiter der Motorrad-Kontrollgruppe. Er weiß genau, wie Motorräder klingen und klingen dürfen. Noch weit vom Kontrollpunkt entfernt fällt ihm der Sound einer Harley-Davidson auf.

Auch Motorräder werden kontrolliert

Die Maschine wird heraus gewunken. Zeller sieht sich die Auspuffanlage genau an. Der Fahrer hat wohl, als er die Polizei-Kontrolle sah, die Klappe im Auspuff betätigt, damit die Maschine leiser klingt. Nach einigem Hin und Her gibt der Harley-Fahrer zu, dass er den Sound manipuliert hat.

Kostet 90 Euro, aber es gibt keinen Punkt in Flensburg. Während Zeller den Strafzettel schreibt und mit dem Fahrer fachsimpelt, hat sich Polizei-Hauptmeister Doller die Maschine noch einmal genauer angesehen.

Siehe da. Der Scheinwerfer ist mit einer Folie beklebt, was immer beliebter wird bei den Bikern, aber aus Gründen der Verkehrssicherheit verboten ist. Pech für den Fahrer. Zu den 90 Euro kommen jetzt noch 45 Euro wegen der Folie hinzu. Das ergibt nun doch einen Punkt in Flensburg und die Betriebserlaubnis für die Harley ist erloschen. So schnell kann es gehen.

Der Abend verläuft aus Sicht der Polizei zufriedenstellend. 50 Fahrzeuge werden bei dieser Schwerpunktkontrolle überprüft. Eine Trunkenheitsfahrt war nicht dabei. Vier mal mussten die Polizisten die Betriebserlaubnis für ein Fahrzeug entziehen, und ein Fahrer war wohl so nervös, dass er bei Rot über die Ampel fuhr. Polizei-Pressesprecher Siegfried Hartmann zeigte sich aber Angesicht der Unfall-Statistik aus dem Jahr 2018 zufrieden mit den Kontrollergebnissen: „Auch wenn dieser Abend unspektakulär verlief und uns keine Sorgen bereitete, werden wir weiterhin zur Verkehrssicherheit das ganze Jahr über Kontrollen durchführen.“

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