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Tinnitus

17.09.2018

Wenn es ständig im Ohr klingelt - eine Betroffene erzählt

Sabine Krenz berichtet über ihre Erfahrungen mit dem Symptom Tinnitus.
Bild: Silvio Wyszengrad

Sabine Krenz aus Neusäß hat gelernt, mit dem Symptom des chronischen Tinnitus zu leben - eine Rolle spielte auch eine Selbsthilfegruppe in Augsburg.

Es begann vergleichsweise harmlos. Zunächst war es ein bisschen Pfeifen, ein leises Rauschen im Ohr. Etwas, was wohl jeder Mensch schon einmal so erlebt hat. Danach verstärkte sich das Problem. Es begann nun auch im Ohr zu klingeln. Eine zunächst unangenehme Geschichte, die damals im Jahr 2000 das Leben von Sabine Krenz beeinträchtigte. Schlimmer wurde es allerdings, als das Klingeln auf beide Ohren übergriff. Permanent war dieser Ton zu hören. Was ist nur los mit mir, dachte sich die Vermessungstechnikerin vor 18 Jahren. Ein Arztbesuch jagte den nächsten. Irgendwann war klar, dass Sabine Krenz an einem chronischen Tinnitus leidet. Es ist, wie sie heute sagt, keine Krankheit, sondern ein Symptom. Die 52-Jährige, die in Neusäß lebt, hat gelernt, den Tinnitus zu akzeptieren und mit ihm zu leben. Denn es ist nahezu ausgeschlossen, dass das Klingeln in den Ohren jemals aufhören wird.

Stress und Medikamente können Ursachen für einen Tinnitus sein

Am Samstagmittag steht Sabine Krenz auf dem Rathausplatz in Augsburg. Es ist der Tag, an dem sich mehr als 40 Selbsthilfegruppen der Öffentlichkeit präsentieren. Die Tinnitus-Gruppe macht mit. Es ist gar nicht so leicht, über die Einschränkungen zu sprechen, die ein Tinnitus mit sich bringt. Es geht um persönliche Belange. Sabine Krenz tut es. Auch weil sie Betroffenen, die jetzt erst mit Symptom klar kommen müssen, Hoffnung machen möchte. Hoffnung in der Art, dass es zumindest Ansätze gibt, sich vom Tinnitus nicht aus der Bahn werfen zu lassen. Ein Angebot ist dabei die Teilnahme in einer Selbsthilfegruppe, um sich anonym mit anderen Tinnitus-Betroffenen auszutauschen. Erst vor Kurzem gab es hier den Kontakt zu einer jungen Familie mit Baby. Die Mutter hat einen Tinnitus.

Als Sabine Krenz vor 18 Jahren erfuhr, dass sie einen Tinnitus hat, ging auch sie damals in eine Selbsthilfegruppe. Dies war in einer anderen Stadt, 2006 trat sie in die Augsburger Gruppe ein. Heute kann Sabine Krenz offen darüber reden, wie es ist, mit dem Symptom zu leben. Sie berichtet davon, warum der Tinnitus wohl ausgesprochen sein dürfte: „Bei mir waren es der Stress und Medikamente.“ Dies seien beileibe nicht die einzigen Faktoren. Letztlich gebe es bei jedem Betroffenen andere Auslöser. „In der Anfangszeit war dies alles sehr belastend für mich“, sagt die Frau, die heute bei der Stadt Augsburg im Tiefbauamt arbeitet. Sie ist Vermessungstechnikerin für öffentliche Beleuchtung. Ihr Umfeld weiß längst um den Tinnitus, sagt sie. Im Jahr 2000 sei dies anders gewesen. Familie und Freunde wurden informiert. Im Beruf war der Tinnitus kein Thema: „Es bestand die Gefahr, dass einem dies gleich negativ ausgelegt werden konnte.“ Zwischenzeitlich seien die Akzeptanz und das Wissen um den Tinnitus höher. Dies erleichtere zumindest den Umgang.

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Wie Betroffene mit dem chronischen Tinnitus umgehen

Sabine Krenz hat in den zurückliegenden 18 Jahren erfahren, welche Wege es gibt, an der persönlichen Situation etwas zu verbessern. „Bei mir ist es die Frage von Stress.“ Es gehe für sie darum, Stressfaktoren zu minimieren. Ein gewisses Grundrauschen sei jedoch immer da. Sabine Krenz erzählt, „dass ich in der Anfangszeit nach allen Strohhalmen gegriffen habe“. Dazu zählte unter anderem eine Sauerstofftherapie. Gebracht habe sie nichts. Positive Gedanken und eine gesunde Lebensführung seien heute ihre Antwort, um den Tinnitus zu minimieren. Das Symptom begleitet Betroffene jedoch nicht nur am Tag. Gerade im Bett, wenn der Mensch einschlafen möchte, sei ein Tinnitus ein schwerer Gegner. Sabine Krenz hat auch bei diesem Thema ihren Weg gefunden: „Ich habe einen Zimmerbrunnen im Schlafzimmer, der eine halbe Stunde während der Einschlafphase läuft. So komme ich auf positive Gedanken.“

Kontakt: Die Augsburger Selbsthilfegruppe „Tinnitus-Selbsthilfe“ trifft sich jeden zweiten Monat. (Februar, April, Juni, August, Oktober, Dezember). Ort ist das Gesundheitsamt in der Karmelitengasse 8. Es ist immer ein Freitag im Monat ab 18 Uhr. Näheres online unter: tinnitus-selbsthilfe-augsburg.de

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