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10.10.2008

Wenn man(n) nicht so auf Frauen steht

Heute, Samstag, ist der weltweite Coming-out-Day. Nicht gewusst? Heute vor 20 Jahren wurde er zum ersten Mal begangen. Im Jahr 1988 ließen Tausende von lesbischen und schwulen Amerikanern ihre Namen in Zeitungen veröffentlichen. Um ein Zeichen zu setzen. Um zu sagen: Hier sind wir, es gibt uns, wir wollen uns nicht länger verstecken.

Seitdem hat sich einiges getan. Promis stehen öffentlich dazu, lesbisch oder schwul zu sein, keine Seifenoper kommt ohne "Quoten-Homo" aus. Man könnte meinen, es sei einfacher geworden, sich zu outen. Aber für viele junge Lesben und Schwule ist die Angst vor dem Coming-out nach wie vor groß. Wie werden meine Eltern, meine Freunde reagieren?

Als Martin Frieb (21) aus Gessertshausen damals solche Fragen plagten, hätte er sich gewünscht, es gäbe die Möglichkeit, sich in einer Gruppe Gleichgesinnter darüber zu unterhalten, Erfahrungen auszutauschen, Hilfestellung zu geben. Eine Jugendgruppe, einen Treffpunkt vielleicht. Gab es aber nicht. Er hat das Outing alleine hinter sich gebracht - zum Glück lief alles glatt.

Heute gibt es sie, die schwul-lesbische Jugendgruppe. Martin leitet sie gemeinsam mit Jasmin Hentschel (20) aus Augsburg und Lucas Seel (19) aus Donauwörth. "Queerbeet" nennen sie sich. Der Begriff "queer" kommt aus dem Englischen und bedeutet ursprünglich so viel wie "sonderbar". Nachdem es zunächst als Schimpfwort für Homosexuelle verwendet wurde, hat es sich die Lesben- und Schwulenbewegung schnell zu eigen gemacht und benutzt es nun selbst.

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"Queerbeet" trifft sich jede Woche, immer abwechselnd in den Räumen des Zentrums für AIDS-Arbeit Schwaben in der Schaezlerstraße oder im Café Corso in der Maxstraße. Auf dem Programm stehen Diskussions- und Filmabende, Ausflüge oder die Gelegenheit, sich über Alltägliches zu unterhalten.

Die Jugendgruppe versteht sich als Anlaufpunkt für homo-, bi- und transsexuelle Jugendliche aus Augsburg und Umgebung, nicht nur, aber insbesondere für diejenigen, die in der Coming-out-Phase stecken, möglicherweise verunsichert sind und sich einsam fühlen.

Hier können sie auf andere Lesben und Schwule treffen, die sich mit ähnlichen Sorgen herumplagen oder ihr Outing bereits hinter sich haben. Wie zum Beispiel Lucas.

"Eigentlich habe ich mich nie für Mädchen interessiert", meint Lucas. Zumindest nicht so, wie andere Jungs das ab einem gewissen Alter tun. Mit 17 hat er dann im Internet dbna (du bist nicht allein) kennen- gelernt - eine Online-Plattform für schwule Jugendliche. Nachdem er mehrere Stunden lang die Coming-out-Berichte von Jungs aus ganz Deutschland gelesen hatte, wuchs in ihm der Entschluss: Ich will mich auch endlich outen.

Die Eltern und Freunde reagierten gelassen

Am 20. Juni 2006 hatte er seinen großen Tag. Zuerst sagte er es seiner Mutter. Die reagierte nur mäßig überrascht, hatte aber keine Probleme damit, dass ihr Sohn schwul ist. Von ihr erfuhr es dann der Vater spätnachts. Am nächsten Morgen setzte er sich zu seinem Sohn ans Bett und sagte ihm, wie stolz er auf ihn sei. Nach und nach erfuhren es auch Lucas' Freundinnen und Freunde - alle reagierten gelassen. Einige fanden es sogar cool, jetzt auch einen Schwulen im Freundeskreis zu haben. Die wenigen blöden Sprüche, die er in der Schule zu hören bekam, ignorierte er oder hebelte sie mit einem selbstbewussten Spruch aus.

Allerdings reagiert nicht jedes Umfeld so wie im Fall von Lucas. Oft brauchen gerade Eltern Zeit, um sich mit der Situation zurechtzufinden, wissen die "Queerbeetler" aus Erfahrung. Wer Unterstützung und Hilfe benötigt, der ist mit einem Besuch bei "Queerbeet" gut beraten. Auch Eltern können sich an die Gruppenleiter wenden.

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