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Serie Gesundheit

21.11.2019

Wenn’s im Kiefer knackst wie im Knie

Wenn das Kiefergelenk dauerhaft Schmerzen verursacht, kann heutzutage auch eine Prothese eingesetzt werden.
Foto: Christin Klose

Heute können auch am Kopf Prothesen eingesetzt werden. Warum allerdings auch hier gilt, die OP erst einmal so lange wie möglich hinauszuzögern, erklärt ein Experte in Stadtbergen.

Wenn Mundbewegungen mit einem Knacken verbunden sind oder der Mund nicht mehr richtig geöffnet werden kann, dann liegt häufig ein Defekt des Kiefergelenks vor. Mit diesem Thema beschäftigt sich der Leiter der neu geschaffenen Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Augsburger Universitätsklinikum, Dr. Tilo Schlittenbauer, im Vortrag bei der Ärztlichen Vortragsreihe.

Frauen können schon in jungen Jahren betroffen sein

Schuld an Problemen des Kiefergelenks können eine Verletzung, aber auch eine Arthrose, also die Abnutzung des Gelenks (bekannt von Knie oder Schulter), sein. Frauen können schon in jungen Jahren betroffen sein, weil offenbar auch hormonelle Einflüsse eine Rolle spielen, so Schlittenbauer. Und auch nervöses Zähneknirschen kann zu einer Störung am Kiefergelenk führen. Die Folge sind funktionelle Einschränkungen des Mundes, häufig auch Schmerzen.

Das Kiefergelenk besteht laut Schlittenbauer aus einer Gelenkpfanne und einem Kugelgelenk; dazwischen befindet sich eine Knorpelscheibe. Das Gelenk ist an Bändern aufgehängt, die nachgeben können und schließlich dazu führen, dass der Gelenkkopf aus der Pfanne herausspringt. Bevor ein schadhaftes Kiefergelenk in einer Operation durch eine Prothese ersetzt wird, werden nach Aussage von Schlittenbauer mehrere andere, weniger gravierende Behandlungsmöglichkeiten in Betracht gezogen. Neben der Gabe von Medikamenten kann man zunächst das Gelenk schienen und durch eine Physiotherapie stärken. Dann kann das Gelenk auch gespült werden, damit sich die Funktion verbessert. Liegt Arthrose vor, dann hilft teilweise auch zunächst ein kleinerer Eingriff, bei dem der Gelenkkopf geglättet wird.

Gesichtsnerven dürfen bei OP nicht verletzt werden

Es empfiehlt sich, das Einsetzen einer Prothese so lange wie möglich zu verschieben. Denn sie hält nur begrenzte Zeit, wie Schlittenbauer anmerkt. Gegebenenfalls wird nach einigen Jahren erneut das Einsetzen eines künstlichen Gelenks nötig. Ein Problem ist daneben, dass eine Arthrose auch mit Prothese fortschreiten kann. Die OP ist zudem nicht risikolos, denn über dem Kiefergelenk liegen Gesichtsnerven, die nicht verletzt werden dürfen.

Die Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie besteht erst seit Kurzem. Erstmals ist hier in Augsburg auch möglich, Tumore im Gesichtsbereich zu behandeln. Darüber gibt es eine spätere Vortragsveranstaltung in Stadtbergen.

Termin: Die Veranstaltung findet am 25. November um 19.30 Uhr im Bürgersaal Stadtbergen statt. Eintritt 5 Euro.


Ärztliche Vortragsreihe in Stadtbergen: Unsere bisherigen Beiträge

In Stadtbergen bei Augsburg ist im September die 56. Ärztliche Vortragsreihe der Volkshochschule angelaufen. Referenten der Augsburger Uniklinik und des Bezirkskrankenhauses berichten in für Laien verständlicher Sprache über neue Entwicklungen in Diagnostik und Therapie. Wir berichten stets im Vorfeld der Arztvorträge. Hier die bisherigen Beiträge:

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